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AN EINEM SAMSTAG | PRODUKTIONSBERICHT    Ausgabe 05/11

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Das Datum des Super-GAUs in Tschernobyl jährt sich gerade zum 25. Mal.
Als erster Kinospielfilm greift »Innocent Saturday – An einem Samstag« des russischen Regisseurs Alexander Mindadze die atomare Katastrophe von Tschernobyl auf, und zeigt ihre Auswirkungen auf das Leben der Menschen einer kleinen ukrainischen Stadt. Romain Geib berichtet über die kühne Koproduktion, die Bavaria Pictures zusammen mit weißrussischen und ukrainischen Partnern auf den Weg brachte, nichts ahnend, dass zum Kinostart (21. April 2011) bereits die nächste Tod bringende Kettenreaktion, diesmal im Hightechstaat Japan, ihren verheerenden Lauf nehmen würde.

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Das jähe Erwachen ist jedes Mal auf’s Neue unvergleichlich grausam. Heute ist es Fukushima, davor war schon Harrisburg und Tschernobyl. Und die Menschen haben jedes Mal vergessen...
Der letzte Super-GAU und einer der bisher folgenschwersten Industrieunfälle der Menschheitsgeschichte war Tschernobyl: vor genau 25 Jahren passierte es, am 26. April 1986, einem Samstag, einem Tag wie jedem anderen. Die Katastrophe von Tschernobyl hat sich auf besondere Weise in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt, weil sie uns auf definitive Weise unser gemeinsames Schicksal in Hinsicht auf den Einsatz von Atomkraft bewusst gemacht hat. Denn Tschernobyl konnte ab diesem Datum überall sein. Der Name des Ortes in der damaligen ukrainischen Sowjetrepublik, der heutigen Ukraine, gilt seither für viele Menschen als ein Mahnmal für blinden atomaren Fortschrittsglauben und seine verheerenden Folgen.

Heute erinnert sich der russische Filmemacher Alexander Mindadze noch genau an das außergewöhnlich schöne Licht an jenem Frühlingstag im April vor 25 Jahren: »Wir haben damals nicht darüber nachgedacht, woraus die Wolken über uns bestehen, sondern haben uns einfach nur gefreut, dass sie ein seltenes, sehr kinematografisches Licht von sich geben.« Der Regisseur und Drehbuchautor hielt sich damals auf einem Häuserdach in der weißrussischen Hauptstadt Minsk auf, wo gerade sein Drehbuch »Plumbum oder ein gefährliches Spiel« verfilmt wurde. Der heute 62-Jährige Moskauer ist nicht nur in seiner Heimat ein renommierter Theater- und Drehbuchautor und wurde bereits vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig 1986 und mit dem Silbernen Bären bei der Berlinale 1995 für den Film »Theaterstück für einen Fahrgast«. Die tragischen Folgen von Katastrophen und anderen fatalen Ereignissen ziehen sich als Thema durch viele seiner Bücher. Ob Zugentgleisungen, Schiffsuntergänge, Flugzeugabstürze oder die Kriegswirren in Tschetschenien, nie spielten für ihn die Ursachen eine Rolle, immer nur beschäftigte er sich mit den Konsequenzen für die betroffenen Menschen.

Jetzt hat er die apokalyptischen Ereignisse in jener Nacht zum 26. April zu einer fiktionalen Geschichte verarbeitet, und stützte sich auf wahre Begebenheiten: In jener Nacht explodierte nach einem misslungenen Test um 1 Uhr 23 der Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl. Es kommt daraufhin zur Kernschmelze und der Reaktor ist nicht mehr beherrschbar: der Super-GAU ist unabwendbar. Das dabei freigesetzte radioaktive Material wird aufgrund des Reaktorbrandes weit nach oben in die Atmosphäre geschleudert und von dort in alle Richtungen verteilt. 43 Tote sind unmittelbar durch die Explosion zu beklagen. Aber noch Stunden danach ist vom wirklichen Ausmaß des Super-GAUs offiziell nichts bekannt. In der drei Kilometer entfernt gelegenen Kraftwerkssiedlung Pripjat leben zu dieser Zeit 45 000 Menschen, davon 16 000 Kinder. Die Bevölkerung der Stadt wird einen ganzen Tag lang über die Risiken der nuklearen Strahlung im Unklaren gelassen und im festen Glauben, es mit einem beherrschbaren Unfall zu tun zu haben.


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