Ausgabe 01-02/12Mad About Technology
»Mich hat schon immer fasziniert, welche Dynamik und Suggestivkraft Filmbilder gewinnen, wenn die Kamera in Bewegung versetzt wird und den filmischen Raum erforscht«, sagt Peter Braun. Seine Firma MAT wurde in diesem Jahr 35 Jahre alt. Ein Rückblick von Ruodlieb Neubauer.
Irgendwann im Jahr 1976 war es soweit. Peter Braun, Requisiteur beim NDR, setzte seinen Traum von der eigenen Firma in die Wirklichkeit um. Einer der ersten Anrufe im gerade in Hamburg eröffneten Büro des »Mobilen AusstattungsTeams«, wie MAT damals noch hieß, war gleich ein richtiger Knaller. Wim Wenders »Road Movies Filmproduktion« klopfte an. »Eine internationale Filmproduktion,« erzählt Peter Braun: »›Der amerikanische Freund‹, Regisseur: Wim Wenders, mit Bruno Ganz und Dennis Hopper vor der Kamera! Großartig. Ich erinnere mich noch an die aufregendste Situation während der Dreharbeiten, als wäre es gestern gewesen: Wir hatten für Dennis Hopper unter Mühen einen wunderschönen alten Ford Mustang besorgt – ich hatte persönlich die volle Verantwortung für den Wagen. Am nächsten Morgen sollte gedreht werden – allein Dennis Hopper und der Mustang waren verschwunden. Den ganzen Tag lang hysterische Suche, Aufregung, Telefoniererei. Irgendwann kam Dennis Hopper seelenruhig mit dem unversehrten Auto um die Ecke gebogen, quietschfidel ob des Fahrvergnügens, stieg aus und der Dreh konnte beginnen. Ich bewunderte Wims Ruhe während dieser Aktion...«
Wim Wenders Neugierde und Experimentierlust, die sich immer schon auch auf neue Kameratechnologien erstreckte, traf damals auf Peter Brauns Leidenschaft für die bewegte Kamera: »Ich bin ein großer Fan des filmischen Expressionismus der 20iger Jahre. Die eigene Bildsprache von Kameramännern wie Carl Hoffman, Guido Seeber, Eugen Schüfftan und besonders Karl Freund begeistern mich. Wie Karl Freund für den Film ›Der letzte Mann‹ die Kamera vor seinen Bauch geschnallt trägt, um das Torkeln der Hauptfigur nachzuahmen, ist einmalig. Und das bereits im Jahr 1924! Oder die Idee, die Kamera auf ein Fahrrad zu montieren und damit aus dem ankommenden Aufzug in die Hotelhalle zu fahren – beeindruckend. Völlig zu Recht wird Karl Freund der ›Mann mit der entfesselten Kamera‹ genannt, da er zu jener Zeit Bilder von revolutionärer Ästhetik geschaffen hat. Er war ein genialer Bild-Erfinder und Pionier der Kamerabewegung. Bei dieser ist für mich wichtig, dass sie durchdacht und motiviert sein muss. Das Geheimnis des richtigen Einsatzes ist, zu wissen, wann und warum die dramaturgische Notwendigkeit zu einer Kamerabewegung besteht.« Bis heute arbeiten Wim Wenders und Peter Braun immer wieder zusammen.
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