Ausgabe 01-02/12Schnell-Dreh
Bei »The Challenge« handelt es sich eigentlich um einen Team-Trailer über das Lübecker American-Football Team, die »Lübeck Cougars«. Regisseur Jan Brockmann von Saubere Filme und Matthias Bolliger hatten eine Beta-Version der AG-HPX250 von Panasonic zur Verfügung gestellt bekommen, um damit erste Erfahrungen sammeln zu können. Hermann Mader hat mit dem Kameramann darüber gesprochen.
Man kann es durchaus einen Trend nennen: Immer mehr Produktionsfirmen arbeiten auch mit kleinen Kameras. Und wenn die in der Farbkorrektur noch Spielraum zur Verfügung stellen, umso lieber.
Die AG-HPX250 verfügt über drei 1/3"-U.L.T.-3MOS-Sensoren, die Full-HD-Auflösung, also 1920 x 1080 Pixel, bieten. Wenn man AVC-Intra 100 gewählt hat, werden diese in 4:2:2 mit per MPEG-4 AVC/H.264 Intra gespeichert, bei AVC-Intra 50 hingegen in 4:2:0 mit 1440 x 1080 Pixel. Beide arbeiten jedoch mit einer Farbtiefe von 10 Bit, nachdem sich der interne Signal-Prozessor mit einer Rechengenauigkeit von 20 Bit austoben durfte. Und genau das macht sich auch in der Postpro bemerkbar.
»Wenn man eine geringe Schärfentiefe sucht, wird man nicht unbedingt die HPX250 nehmen. Ich sehe den Einsatzbereich durchaus woanders«, meint Matthias Bolliger. Für »The Challenge« wurde ein American-Football-Team auf ein Parkdeck in Hamburg Mundsburg verpflanzt, wo die sichtlich aufgeladenen Jungs in einer urbanen Beton-Welt ihr Training durchzogen – praktisch als rote Farbtupfer. »Das Ziel von Regisseur Jan Brockmann und mir war es, die Schnelligkeit und die Aggressivität dieser Sportart einzufangen«, so Bolliger. »Zuvor hatte ich das Jahr über eher mit großformatigen Kameras gedreht und fand es jetzt recht erfrischend, mal wieder schnell zu sein.« Der Dreh selbst dauerte denn auch nur etwas mehr als sechs Stunden, dazu kam eine halbe Stunde Mittagspause. Schnell ist die Arbeit mit der Kamera u.a. schon prinzipbedingt, weil z.B. keine Zeit für Optik-Wechsel verloren gehen kann: es gibt nur eine feste Zoomoptik. Das 22fach-Zoom hat einen Brennweitenbereich von 3,9-86 mm, was in 35mm Film etwa einem 18-400 mm entspricht, in 35mm Kleinbild einem 28-616 mm. Die größte Blende steigt hier von F1.6 nach 3,2, der relativ große Frontlinsendurchmesser (72-mm-Filter) macht sich positiv bemerkbar. Wir reden hier über einen Henkelmann für knapp 4000 Euro! »Die Optik hat mir eigentlich gut gefallen, auch wenn ich den großen Brennweitenbereich gar nie voll ausgeschöpft habe.« Als sehr positiv empfindet es Matthias Bolliger, dass die Optik über drei Einstellräder für Schärfe, Zoom und Blende verfügt, die man auch während der Aufnahme ziehen kann. »Bei den Vorgängern hatte man da immer einen Sprung von einem Blendenwert zum nächsten im Bild.« Die Einstellräder werden zwar ebenfalls elektronisch übersetzt, allerdings um einiges feiner.
Die urbane Welt war für den Test ganz bewusst gewählt worden, um beim Colorgrading die Reaktion des Materials auf die nahe beisammen liegenden Tonwerte zu testen, das starke Rot hingegen, um es während der Farbkorrektur am DaVinci Resolve bei der Fernsehecke GmbH in Hamburg näher in Augenschein zu nehmen. Für den Trailer wurden die Bilder allerdings eher in Richtung düster gezogen. »Aufgrund der vorhandenen Farbinformationen konnten wir regelrecht auswählen, welche Strukturen wir im Himmel gerne noch hervorgehoben haben wollten.« äußerte sich Colorist Jil Heiser begeistert.
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