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PRODUKTIONSBERICHT | UNTERWASSER-SURROUND    Ausgabe 03/12

Dem Pistolenkrebs auf der Spur

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Die erste Bild-Doku mit unter Wasser aufgenommenem Surround-Ton wurde im Tauchparadies vor der Insel Bonaire gedreht. Ruodlieb Neubauer sprach mit Timo Klinge von der Ambient-Tochter Sonar Surround, der mit seiner Entwicklung ein Richtungshören im Wasser weltweit als erster ermöglicht hat. Für die Tonaufnahmen wurde übrigens erstmals ein UW-Gehäuse eingesetzt.

 

 

Am Anfang war ein Projekt der Unesco gestanden – ­eine Expedition per Schiff zum Barriere-Riff vor Belize. Eines der letzten intakten Korallenriff-Systeme der Welt. Dieses sollte audiovisuell dokumentiert werden – mit fünf Kameras, die auf einem Rig montiert Aufnahmen für eine Kuppelprojektion lieferten. Doch nicht nur das Bild sollte omnipräsent sein, sondern auch der Ton. Der Stand der Dinge waren jedoch Unterwasser-Aufnahmen in Mono. So griff man zu, als Toningenieur Timo Klinge seine Bachelor-Arbeit an einem Unterwasser-Surround-System präsentierte. Der Clou daran: Die eingesetzten hochqualitativen Hydrophone bekommen durch die mittlerweile patentierte Vorrichtung eine richtungsabhängige Charakteristik, sodass auch der Mensch nun das überaus lebendige und abwechslungsreiche akustische Treiben unter Wasser nicht nur bestaunen, sondern sogar orten kann. Etwas, wozu seine Ohren von Natur aus nicht fähig sind. Vorausgesetzt natürlich, er findet eine Stelle, die er nicht schon akustisch zugemüllt hat. Der Schall wird ja im Wasser nicht nur schneller, sondern auch um einiges weiter geleitet als in der Luft. Durch den Einbau in die DS-Kugel entsteht jedenfalls eine etwas leichter gebündelte Superniere, mit einer Differenz von 10 dB Off/On-Axis.

Die Tonaufnahmen dieser ersten Expedition brachten ungeahnte und beeindruckende Ergebnisse. Dem Team offenbarte sich eine so gar nicht stille, ­lebendige Unterwasserwelt mit einer Klangvielfalt, wie man sie bislang nur aus dem Dschungel kannte. Zurück in Hamburg stellte sich jedoch während der Postproduktion heraus, dass aufgrund einer unglücklichen Verkettung von technischen Problemen und Fehlern der Großteil des Bildmaterials unbrauchbar war. Für das Team natürlich eine absolute Katastrophe.

Die Tonaufnahmen waren jedoch so überzeugend, dass die neue Technik zum internationalen Patent angemeldet wurde. Mit Hilfe einer EXIST-Förderung der EU wurde die Firma Sonar Surround ins Leben gerufen, um aus dem Prototypen ein marktreifes Produkt zu entwickeln. Im Sommer 2010 kaufte dann Ambient ­Recording aus München die Sonar Surround, um ­gemeinsam weltweit der erste Anbieter für professionelle Unterwasser-Tonaufnahmen zu werden. Ein Teil des Expeditionsteams wollte das Thema nach dem Misserfolg jedoch nicht auf sich beruhen lassen. Die Öffentlichkeit sollte von der erstaunlichen Klangvielfalt erfahren, die Zuschauern diesen Lebensraum viel ­näher bringt als bisher.

In der Karibik ist vor allem ein Tier für den dort vorherrschenden permanenten Geräuschteppich verantwortlich: Der Pistolenkrebs oder »Pistol Shrimp«. Diese nur wenige Zentimeter große Spezies ist eines der lautesten Tiere unserer Erde. Mit einer ihrer beiden Scheren können Knallkrebse (Alpheidae) einen Wasserstrahl ausstoßen, der eine Kavitationsblase bildet. Diese implodiert nicht nur mit einem lauten Knall von bis zu 140 dB, was lauter als ein Kanonenschlag ist. Bei der Implosion entstehen kurzzeitig auch Temperaturen von über 5000 Kelvin, ja sogar ein kleiner Lichtblitz. Der Krebs setzt dies als Instrument bei der Jagd, bei Revierkämpfen, zur Abschreckung von Feinden, und zur Kommunikation mit Artgenossen ein. Wenn es Nacht wird, geht der Krebs im Rudel auf die Jagd und das ganze Riff knistert und knallt.


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