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PRODUKTIONSBERICHT | Die Rache der Wanderhure    Ausgabe 03/12

Schwerter, Schlamm und Sinnlichkeit

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Markus Hausen drehte Teil 2 der »Wanderhure« für Sat.1. Mit Sonja M. Schultz sprach der DoP über abgehackte Hände, Sets im Feuerschein und das Mittelalter auf Filmmaterial.

 

»Ich habe Spaß am Mittelalter«, erklärt Markus Hausen bvk. »Man muss sich mal nicht um Handys, Autos mit getönten Scheiben und Energiesparlampen kümmern. Dafür geht es um Menschen, die den Gewalten der ­Natur ausgesetzt sind, um Matsch und Feuer. Es ist ein bisschen so, als würde man im Sandkasten spielen.« Diese Lust am sinnlichen Bild trieb sicher auch die rund zehn Mio. Zuschauer an, die sich 2010 auf Sat.1 »Die Wanderhure« ansahen. Der Erfolg der Bestseller-Verfilmung mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle verlangte nach Fortsetzung. Die TV60 Filmproduktion setzte den zweiten Teil in Zusammenarbeit mit BurkertBareiss Development um. »Die Rache der Wanderhure« (Regie: Hansjörg Thurn), nach Motiven des ­Romans »Die Kastellanin« des Schriftsteller-Paares Iny Lorentz, wird am 28. Februar ausgestrahlt. Nur einen Tag später sind DVD und Blu-ray erhältlich. »Der Titel ist ja ein bisschen grenzwertig«, gesteht Kameramann Hausen, »aber er löst sofort klare Assoziationen aus und ist damit einfach grandios gut.« Der dramatische Kostümfilm stieß beim deutschen Fernsehen einen kleinen Boom an; sofort vergaben die Sender neue Entwicklungsaufträge. Auch in Zukunft heißt es also: zurück ins Mittelalter.

Markus Hausen hatte schon Erfahrung mit historischen Stoffen, als die Anfrage für eine Fortsetzung der »Wanderhure« kam. 2010 drehte er mit Regisseur Hansjörg Thurn zunächst den Mittelalter-Krimi »Isenhart« für ProSieben, danach den ZDF-Film »Beate Uhse – Das Recht auf Liebe«. Nach der dritten Zusammenarbeit beim Kinospielfilm »Unter Frauen« nahm das Duo »Die Rache der Wanderhure« in Angriff. Während die historischen Filme »Isenhart« und »Beate Uhse« auf Filmmaterial entstanden, ist »Unter Frauen« eine RED-Produktion. Die Fortsetzung der »Wanderhure« sollte zunächst auf der Alexa entstehen. Aber dann waren die Digital-Erfahrungen bei »Unter Frauen« eher problematisch. Und das Team wählte doch lieber Film als das besser handhabbare und zuverlässigere Medium. »Wir haben uns zum Beispiel gefragt, wie man das beim ­digitalen Arbeiten und bei großem Sensor realistischerweise mit dem Fokus macht, wenn man eine Szene mit einem Dutzend Schauspielern auf Pferden hat, die sich bewegen. Und zwar, ohne jeden Take 100 mal zu drehen. Digital müssen Schärfezieher und Steadycam viel präziser arbeiten, der ganze Ablauf wird technischer und schwerfälliger. Das wollten wir besonders bei dieser Produktion vermeiden.«

Und um die Sinnlichkeit des historischen Stoffes besser herausarbeiten zu können, passe Film ohnehin gut, findet Markus Hausen. Das hatte sich schon bei »Isenhart« gezeigt, einer 16mm-Produktion, die ganz in Cyan gehalten ist und häufig Feuer als einziges ­Beleuchtungselement verwendet. Wenn sich in einer Szene zwei Menschen mit Fackeln durch einen ansonsten dunklen, 400 qm großen Raum bewegen, wird der Kontrastumfang von Film zum schlagenden Argument. Auch »Die Rache der Wanderhure« benutzt oft Fackeln, Feuer und Mondschein als Lichtquellen. Der Film entstand zwischen Ende August und Mitte Ok­tober in fast 40 Drehtagen in Tschechien und Österreich. Teil 1 der »Wanderhure« wurde noch in Ungarn inszeniert, doch wegen aktuell besserer Förderbedingungen fiel die Wahl diesmal auf Tschechien. Aufgrund der Nähe zu München und der großen Auswahl an stimmungsvollen Burgen im Land stellte sich diese Entscheidung als logistisch sehr günstig heraus. ­»Außerdem ist in Prag die Infrastruktur super. Und alle Teammitglieder von dort waren hoch professionell.«


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