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Oberstdorf Auftaktspringen | PRODUKTIONSBERICHT    Ausgabe 02/16

Mitspringen

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Für die perfekte technische Umsetzung des Eröffnungsspringens der Vierschanzentournee in Oberstdorf sorgte diesmal die TV Skyline aus Mainz. Mit ihrem Ü7 produzierte sie für den DSV das Weltbild. Ruodlieb Neubauer berichtet.

© CAP Solutions / Bernhard Herrmann

© CAP Solutions / Bernhard Herrmann

 

Severin Freunds Auftaktsieg bei der 64. Vierschanzentournee am 29. Dezember bescherte der ARD eine erstklassige TV-Quote: im Schnitt lag sie bei 4,51 Millionen. Den zweiten Durchgang des Skispringens in Oberstdorf sahen bundesweit 5,4 Millionen Zuschauer – ein Marktanteil von 24 Prozent. Oberstdorf ist eben eines der TV-Highlights der Wintersportsaison.

Dabei hat die 64. Vierschanzentournee etwas holprig begonnen: Das Training vor der Qualifikation am Montag zum ersten Springen musste wegen eines Stromausfalles unterbrochen werden, dessen zweiter Durchgang wurde komplett abgesagt. Mehrere Teile von Oberstdorf waren ab etwa 15:23 Uhr ohne Strom, die Ursache waren laut Stromversorger AllgäuNetz GmbH & Co.KG zwei Kurzschlüsse in 20.000V-Erd­kabeln im Zentrum von Oberstdorf. Da in kurzem Abstand gleich zwei Kabelabschnitte ausfielen, war die Lokalisierung der Fehler kompliziert.

Erst gegen 16.30 Uhr gingen in Oberstdorf durch Umschaltungen nach und nach wieder die Lichter an. Zunächst wurde die Stromversorgung des örtlichen Krankenhauses wiederhergestellt, danach der Rest der Stadt wieder versorgt. Um 16.51 Uhr ging die Flutlichtanlage wieder in Betrieb. Zuvor wurden die Springer mit Autos aus dem Auslauf wieder hoch zur Schanze gefahren, weil auch der Lift ausgefallen war. Der Stadionsprecher an der Schattenbergschanze bat die ­etwa 5.000 Zuschauer um Geduld: »Der Strom ist im ganzen Ort ausgefallen. Wir arbeiten fieberhaft daran, dass es weitergeht.«

Die Fans feierten inzwischen zur Musik einer Blaskapelle. Zur eigentlichen Reparatur der Kabel musste man dann noch in der Nacht eine Straße mitten im Wohngebiet aufreißen. Ursache des Kabelschadens war ein Defekt der Isolation, der auf Material­ermüdung zurückzuführen ist. Erdkabel sind eben auch nicht hundertprozentig sicher. Die Verlegung auf Masten hat hingegen den Nachteil, dass durch die ­immer wieder vorkommenden großen Neuschneelasten umstürzende Bäume ebenfalls die Stromversorgung unterbrechen können. Was früher auch regel­mäßig passierte. Im Ü-Wagen lief der Betrieb jedenfalls problemlos weiter – die Versorgung auf dem TV-Compound war durch ein Aggregat gesichert.

Bei Wintersportveranstaltungen stellen auch Verkabelungen im Broadcast-Bereich selbst immer einen kritischen Punkt dar – lange Kabelstrecken sicher und wintertauglich zu verlegen, ist mit enormem Aufwand verbunden. Das beginnt mit dem Problem, dass in oder auf der Erde verlegte Kabel im Winter schnell unter ­einem dicken Eispanzer liegen können, und endet nicht damit, dass ein durch Kondenswasser feuchter Stecker eben auch feucht ist bzw. einfriert. Und dass Glasfaser zwar enorme Vorteile bietet, aber auch an der Spitze anlaufen kann.

Bei einer klassischen Verkabelung wären bei dem geforderten Kamerasetup eine Kabelstrecke von mehr als 15 km verlegt worden. TV Skyline setzte ein Multikabelsystem ein, mit dem man die Strecke auf 7 km reduzieren konnte. Die reine Vorverkabelung war an eineinhalb Tagen vor Weihnachten realisiert worden – der eigentliche Produktionszeitraum dauerte vom 25.12. bis zum 29.12. Bei dem Kabelsystem wurde die Stromversorgung der abgesetzten Kameras zusätzlich durch separate USVen abgesichert. So konnte man trotz des Stromfalles weiter produzieren – lediglich das Licht fehlte.


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