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Billy Lynn’s Long Halftime Walk | Produktionsbericht    Ausgabe 03/17

Die irre Heldentour

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Während der IBC konnte Ruodlieb Neubauer eine Präsentation von Ausschnitten aus Ang Lees, kürzlich in L.A. mit dem Lumiere 3D-Award für den besten 3D-Film prämierten, Film »Billy Lynn’s Long Halftime Walk« sowie eine Podiumsdiskussion mit Regisseur Ang Lee und Team-Mitgliedern erleben. Später sprach er mit Florian Maier über die Produktion, dessen Stereotec-Rigs hier zum Einsatz kamen.

© Regisseur Ang Lee mit Hauptdarsteller Joe Alwyn und anderen aus der Bravo Squad © Sony Pictures / Mary Cybulski

© Regisseur Ang Lee mit Hauptdarsteller Joe Alwyn und anderen aus der Bravo Squad © Sony Pictures / Mary Cybulski

 

2004, im Irak-Krieg. Eine Handvoll junger Soldaten, darunter der neunzehnjährige Billy Lynn. Im Kampfeinsatz zu Helden geworden, wird er mit seinen Kameraden zu einer PR-Tour in die Heimat gebracht. Der Höhepunkt des Filmes (nach einem Bestseller von Ben Fountain, Drehbuch: Jean-Christophe Castelli) ist eine Halbzeit-Show bei einem Football-Spiel in Dallas, wo sie mit Beyoncé auf der Bühne stehen. In Flashbacks wird erzählt, was die Soldaten tatsächlich erlebten – im Gegensatz zu den Eindrücken, die das ­öffentliche Amerika vorgesetzt bekommt.

»Ich dachte, wenn ich eine echte Kampfszene und eine Halbzeit-Show nebeneinander stelle, wäre das eine ziemlich außergewöhnliche Erfahrung«, erzählt Regisseur Ang Lee. Ursprünglich wollte er eigentlich Schauspieler werden. Als er nach dem Studium am National Taiwan Colledge of Arts in die USA kam, konnte er nicht wirklich Englisch sprechen, weshalb er Regisseur werden musste, wie er sagt. Er studierte Theater-Regie an der University of Illinois und machte seinen Master in Filmproduktion an der NYU – eine Zeit, die er sehr genoss. Eigentlich habe er noch immer das Gefühl, dass er an der Filmschule sei, bei jedem Film lerne er weiter. Sein wichtigstes Ziel sei immer gewesen, das Innere der Darsteller zeigen zu können, ihre Gefühle. Das Menschliche zu zeigen, es zu abstrahieren und ins Publikum zu transportieren. Als Ang Lee schließlich mit Stereo-3D in Berührung kam, wurde ihm bald auch die Notwendigkeit bewusst, dass er dafür seine Filmsprache erweitern müsse. »Bei ›Life of Pi‹ konnte ich das Buch nicht knacken und wollte es mit einer anderen Dimension versuchen – Filmemacher sind manchmal albern«. Deswegen begann er mit Stereo-3D.

»Das erste, was mir auffiel, war, dass es so ­ruckelte. Ich konnte es nicht ansehen. Ich erfuhr, dass dies mit den zwei Augen zusammenhing. Was sollte ich tun? Ich öffnete den Shutter immer mehr, um mehr Belichtungszeit zu bekommen. Aber dann hatte ich auch mehr Unschärfe. In der Filmhochschule habe ich mir nie Gedanken über 24 Frames gemacht, aber Stereo-3D, das digitale Kino und die extreme Exaktheit führten mich zur Frage, wie wir die Dinge sehen. Es war wie ein Weckruf für mich.«

»Life of Pi« sei der härteste Film für ihn gewesen, er hätte ihn beinahe nicht überlebt: Wasser, Tiger, Kind, 3D. Am halben Weg fand er heraus, dass die Darstellung anders sein musste, weil praktisch zwei Augen zuschauten. »Ich wollte es nur überleben. Glücklicherweise habe ich das ganz gut geschafft. Damit kommen wir zu ›Billy Lynn‹. Für mich ist es ein erster Schritt, den ich getan habe, um von der Art wegzukommen, wie ich immer Filme gemacht habe.«


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