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Charité | Produktionsbericht    Ausgabe 04-05/17

Charité heißt Barmherzigkeit

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Eine Produktion der UFA Fiction dramatisiert die Geschichte eines der berühmtesten Krankenhäuser der Welt. Unter der Regie von Sönke Wortmann drehte Holly Fink den Sechsteiler »Charité«. Sonja M. Schultz sprach mit dem DoP über den Historienfilm, in dem kleine Bazillen und große Entdeckungen eine Hauptrolle spielen.

© ARD / Nik Konietzny

© ARD / Nik Konietzny

 

Totale auf den Berliner Gendarmenmarkt: Pferdekutschen rumpeln über das Straßenpflaster, Männer mit Zylindern und Schnauzbärten flanieren, Springbrunnen plätschern. Keine Spur von Touristenhorden mit Selfie-Sticks und Coffee to go. Wir schreiben das Jahr 1888. Unweit vom Gendarmenmarkt setzt ein junger Arzt das Skalpell an. In einem voll besetzten Hörsaal schneidet er einer Patientin den Blinddarm heraus, greift beherzt in die geöffnete Bauchdecke. Handschuhe oder Mundschutz trägt er nicht. ­Unter anerkennendem Klopfen der Studenten schwenkt er das entzündete Organ durch die Luft. Der Arzt ohne Schutzkleidung heißt Emil Adolf von Behring (Matthias Koeberlin). Als Immunologe arbeitete er an der Entwicklung eines Heilmittels gegen Diphterie und Wundstarrkrampf und verdiente sich den Nobelpreis. Auch die späteren Medizin-Nobelpreisträger Robert Koch (Justus von Dohnányi) und Paul Ehrlich (Christoph Bach) forschten damals an der Berliner Charité, genau wie der Pathologe Rudolf Virchow (Ernst Stötzner). Nur die Patientin ohne Blinddarm ist ­eine fiktive Figur. Sie heißt Ida Lenze (Alicia von Rittberg) und steht im Mittelpunkt des ARD-Sechsteilers »Charité«. Bald begeistert auch sie sich für die wissenschaftlichen Entdeckungen ihrer Zeit und will etwas tun, was im Kaiserreich verboten ist: als Frau Medizin zu studieren.

Zeitalter der Pickelhaube

Während Historiendramen über das »Dritte Reich« im deutschen Fernsehen Legion sind, blieb die Wilhelminische Epoche bisher weitgehend unerzählt. Und während Krankenhausserien wie »Schwarzwaldklinik«, »Für alle Fälle Stefanie« oder »In aller Freundschaft« jeden noch so absurden zwischenmenschlichen Konflikt und medizinischen Notfall durchexerziert haben, gab es hierzulande keine Serie mit Blick auf die Vergan- genheit. Das sollte sich durch die Drehbücher ändern, die Grimme-Preisträgerin Dorothee Schön gemeinsam mit der Ärztin und Medizinjournalistin Dr. Sabine Thor-Wiedemann schrieb. Die Autorinnen verlagern die Genre-gemäßen Verwicklungen in Gesundheits- und Liebesdingen in eine Zeit, in der Medizingeschichte geschrieben wurde. Und an einen Ort, der kaum dem hochmodernen ­Berliner Universitätsklinikum ähnelt, wie wir es heute kennen.


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