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Tigermilch | Produktionsbericht    Ausgabe 07-08/17

Zeitraffer

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Dass Filme nicht ausschließlich bei den Dreharbeiten entstehen, ist kein Geheimnis. Hermann Mader hat sich mit Ute Wieland (Regie), Felix Cramer (Kamera), Anna Kappelmann (Schnitt), Claudia Gittel (Grading) und Andi Drost (ADR/Synchron) über die Vorbereitung und Nachbearbeitung des Kinofilmes »Tigermilch« unterhalten, der am 17. August herauskommt.

Bild: Oliver Vaccaro

Professional Production:

Wie kam es zu der Produktion?

Ute Wieland:

Ich habe den Roman »Tigermilch« gelesen und sofort gedacht: Das ist ein Stoff, den ich machen will. Da ist eine Tiefe in der Geschichte, die unglaublich viele Aspekte hat: Es geht um zwei vierzehnjährige Mädchen, die ihren Sommer verbringen. Und unter dieser sommerlichen Leichtigkeit liegen sehr erwachsene und umfassend gesellschaftliche Themen, mit denen die beiden konfrontiert werden. Es hat mich total in den Bann genommen, wie die Romanautorin Stephanie De Velasco das beschreibt – auf eine ganz unpathetische Art und mit lakonischem Humor. Alles in einer sehr bildhaften Sprache der beiden Mädchen, die von einer Respektlosigkeit, Vitalität und einer Energie geprägt ist, die ich unbedingt in den Film transportieren wollte. Dazu kam noch ein Zufall: Als ich das Foto der Autorin gesehen habe, kam sie mir gleich bekannt vor, doch den Namen kannte ich nicht. Dann stellte sich heraus, dass es der Erstlingsroman einer Schauspielerin ist, mit der ich bei »FC Venus« gearbeitet habe und die jetzt unter dem Mädchennamen ihrer Mutter als Nachnamen diesen ersten Roman geschrieben hat. Das war eine tolle Fügung.

Professional Production:

Wie würden Sie denn den Inhalt des Filmes kurz beschreiben?

Ute Wieland:

Es geht um den ersten Sex, um Liebe, Freundschaft, Verrat und um Tod, also ganz große Themen. Es geht auch um Identität, um die Frage: Was ist Heimat? Gehört man in das Land, in dem man geboren wurde, oder in das, in dem man aufgewachsen ist? Können Flüchtlinge jemals ankommen? Wir zeigen kulturelle Konflikte, die innerhalb von Randgruppen ausbrechen, Serben und Bosniern. Eine der Hauptfiguren ist Berlinerin, die andere ist aus dem Irak. Und wie fügt sich das alles zusammen in einer neuen deutschen Realität, mit der wir alle konfrontiert sind? Das ­alles liegt unter der Oberfläche einer sehr heiteren Sommergeschichte, in der sich die Mädchen die Frage stellen, mit welchem Jungen ihrer Clique sie den ersten Sex erleben wollen.

 

Professional Production:

Wie lange dauerte die Vorbereitung und welche Schwierigkeiten zeichneten sich ab?

Ute Wieland:

Ich habe das Drehbuch über zwei Jahre selbst geschrieben, hatte dabei das Glück, eine FFA-Drehbuchförderung zu bekommen. Die Nominierung zum Deutschen Drehbuchpreis als bestes unverfilmtes Drehbuch hat ebenfalls bei der Finanzierung geholfen.

Bei der Besetzung habe ich gemerkt, dass die Mädchen zwischen vierzehn und fünfzehn enorme Wachstumsschübe erleben. Wir haben aus ökonomischen Gründen über viele Wochen versucht, für die vierzehnjährigen Mädchen im Drehbuch Fünfzehn- oder Sechzehnjährige zu finden, die noch jünger aussahen. Doch leider vergeblich: Es gab Mädchen, die jung aussahen, aber man hat in der Körpersprache, in jedem Blick gemerkt, dass sie älter und erfahrener sind. Es war für mich am Ende nicht vorstellbar, dass sie diese Unschuld gepaart mit Frechheit, grenzüberschreitende Dinge zu tun, verkörpern würden. Daher haben wir uns kurz vor Drehbeginn entschieden, doch mit Vierzehnjährigen zu drehen, was für den Drehplan und alle Mitarbeiter eine extreme logistische Herausforderung war.

Felix Cramer:

Wir mussten uns in der Vorbereitung sehr viele Gedanken machen, wie man die Drehabläufe optimieren kann: Unser Szenenbildner Frank Polosek hat vorgeschlagen, die Wohnungen der Mädchen nicht an Originalmotiven zu drehen, sondern im Studio. Dadurch konnten wir schnell von der ­einen in die andere Wohnung springen, was uns jede Menge Umzüge erspart hat.

Das ganze Studio war komplett mit LED-Technik eingeleuchtet. Unser Oberbeleuchter Hubert Märkl hat die verschiedenen Lichtstimmungen im Vorfeld programmiert, sodass wir auf Knopfdruck die Lichtrichtungen und Tageszeiten bis hin zur Farbtemperatur ändern konnten. Wir hatten spezielle Hintersetzer von Rosco, die man sowohl von vorne als auch von hinten beleuchten und dadurch sogar Tag-Nacht-Wechsel im Bild realisieren konnte. All das kam dann natürlich der sowieso schon sehr knappen Inszenierungszeit zugute.


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