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Technologie und Medienrealisation in Film und Video





100 Jahre ARRI | FIRMENJUBILÄUM    Ausgabe 09-10/17

Es geht um die besten Bilder

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Aus Anlass des 100. Geburtsjahres von ARRI hat Ruodlieb Neubauer mit Stephan Schenk und Walter Trauninger gesprochen. Beide sind Geschäftsführer der ARRI Cine Technik und verantwortlich für die Business Unit Camera Systems.

Als Geschäftsführer der ARRI Cine Technik sind Walter Trauninger (l.) und Stephan Schenk verantwortlich für die Business Unit Camera Systemsa © ARRI / Alex Zeus

© ARRI / Bernd Wackerbauer

 

100 Jahre – ein Firmenjubiläum, das in dieser Branche nicht besonders häufig vorkommt.

Stephan Schenk:

Dafür sind natürlich vor allem August Arnold und Robert Richter verantwortlich, die ARRI am 12. September 1917 gegründet haben. Dabei ist es beeindruckend zu wissen, dass sie dies im Alter von 18 bzw. 19 Jahren – übrigens exakt am 19. Geburtstag von August Arnold – getan haben. Auch die Tatsache, dass sie eigentlich Filme ­machen wollten, dann aber dafür zunächst mit der Herstellung und dem Verkauf von Filmequipment Geld verdienen mussten, ist besonders erwähnenswert. Ein Unternehmen zu etablieren, das sich dann später über 100 Jahre und vielen Markt- und Technologieänderungen so positiv entwickelt, ist natürlich eine tolle Leistung.

Walter Trauninger:

Ja, eine tolle Leistung! Sich trotz steigendem Konkurrenzdruck mit immer kürzeren Produkt­lebenszyklen so lange zu behaupten, war nur möglich durch den Einsatz und das Engagement unserer Mitarbeiter und nicht zuletzt auch durch die Bereitschaft unserer Inhaber, auch in schwierigen Zeiten in Zukunftstechnologien und Neu­entwicklungen zu investieren. Als wir 2000 die ARRICAM eingeführt haben, sagte Fritz Gabriel Bauer: »At the beginning a filmcamera was a box with a hole in front. But over the years we made it a little bit more complicated.« Ich sagte damals, dass es nicht die letzte Filmkamera sein wird. Da hatten wir noch die ARRIFLEX 235, eine 435 HIGHSPEED und später die 416 in der Entwicklung. Im Jahre 2009 war die Ära der Analogkameras allerdings zu Ende. Wir haben aber all unsere Erfahrungen, die wir im Laufe der jahrzehntelangen Filmkameraentwicklung gesammelt hatten, in die ALEXA einfließen lassen. Zuerst sammelten wir Erfahrung mit dem ARRISCAN bei der Digitalisierung von Filmbildern, haben dann mit der D 21 den Belichtungsspielraum und die Farbwieder­gabe von Film schon ganz gut abgebildet. Die Empfindlichkeit war noch zu gering, und die ­Kamera war noch zu groß und zu schwer. Mit der ALEXA konnten wir dann die Vorteile unserer Filmkameras und die Abbildungsleistung von Film ins Digitalzeitalter übersetzen.

Stephan Schenk:

Die NAB 2010, auf der die ALEXA vorgestellt wurde, stellte dann sicher einen der wesentlichen Wendepunkte und Meilensteine in der Geschichte von ARRI dar. Die Entwicklung der Kamera begann natürlich schon einige Monate vorher. Aber nach dem überaus positiven Feedback während und im Nachgang der Messe ging die Arbeit am Umbau der Firma erst richtig los – von einem Hersteller, der seit vielen Jahrzehnten gewohnt war, 70 bis 80 Prozent der Kamera in Form mechanischer Teile selbst zu fertigen, zu einem Unternehmen, das 70 bis 80 Prozent der Teile zukauft und sich zu einem erheblichen Anteil mit Software­entwicklung beschäftigt. Ähnliche Herausforderungen gab es auch bei Vertrieb, Produktmanagement und Service zu bewältigen.

 

Professional Production:

Kann es sich ARRI erlauben, mit einer 4K-Kamera herauszukommen, die mit kleineren Sensorpunkten arbeitet, also auf Super35mm?

Stephan Schenk:

Die Frage ist gut, aber wir haben ja 4K nie grundsätzlich verteufelt, sondern immer gesagt, dass es um die Gesamtbildqualität geht. In unseren Präsentationen betonen wir seit 2010 immer, dass die Bildqualität von sieben, acht wesent­lichen Parametern bestimmt wird und die Auf­lösung nur einer davon ist. Zudem gibt es mit den 6,5K der ALEXA 65 ja schon eine Kamera, die ­einen Sensor mit mehr als 4K Pixel hat – allerdings mit dem Pixeldesign der gesamten Familie. Der nächste Schritt wäre ein Pixeldesign, das ­eine höhere Auflösung ermöglicht, ohne die Hauttöne, die Farben und die Dynamik zu verschlechtern – idealerweise will man natürlich noch bessere Farben, Hauttöne und noch mehr Dynamik hinbekommen. Und höhere Framerates, damit auch Filmschaffende wie Ang Lee ihre Projekte mit 120 fps in 4K drehen können. Und das übrigens aus gutem Grund. Denn wenn man die höhere spatiale Auflösung sehen will, muss man auch eine höhere zeitliche Auflösung verwenden.

Walter Trauninger:

Sonst hat man das Gefühl, dass der Focuspuller irgendwie im Unscharfen liegt, sobald der Kameramann aus einem Standbild in eine Schwenk­bewegung übergeht. Man darf auch nicht die ­Seite des Betrachters vergessen. Im ARRI-Kino in München zum Beispiel kann man die 4K tatsächlich nur in den ersten drei Reihen auf den mittleren Sitzen wirklich auflösen – also dort, wo sich bei der heute üblichen Kameraführung eigentlich ­keiner hinsetzen möchte.

Wenn man zum Beispiel einen Film am iPad auf diese Weise ansehen wollte, müsste man es bei 4K etwa aus dem Eineinhalbfachen der Bildhöhe betrachten. So sieht man sich aber keinen Film an, weil man die Bewegungen nicht aushält. Bei einem Standbild ist natürlich alles sauber, alle Details sind zu sehen. Nur das ist eben nicht Film. Die 3K sieht man in einem Keil bis etwa zu einem Punkt in der Mitte des Kinos, 2K bis in die letzte Reihe. Was man aber von vorne bis ganz hinten sieht, sind Dynamik, Kontrast, Farben, usw. Das gilt auch für das Heimkino oder das iPad. Bei 8K muss man übrigens einen Abstand von 0,75 mal der Bildhöhe wählen, um die Auflösung noch ­sehen zu können. Das mag für ein Standbild noch sinnvoll sein, für Bewegtbild ist es das jedoch nicht.

Stephan Schenk:

Es gibt durchaus Situationen, in denen man die Bildqualität mit einer höheren Auflösung verbessern kann, zum Beispiel bei der Stabilisierung, beim Reframing oder Resizing. Aber wenn höhere Auflösung durch eine schlechtere Dynamik und andere Nachteile erkauft wird, dann machen wir da nicht mit.

Walter Trauninger:

Es gibt aber neben der Bildqualität weitere Aspekte, die wichtig sind für die Filmschaffenden, die unsere Kameras einsetzen: zum Beispiel Robustheit, einfache Bedienung und Zuverlässigkeit. Bei ARRI-Kameras wird die Luft zur Kühlung nicht über die Elektronik geblasen, sondern wir kapseln Sensor und Elektronik und führen die Wärme separat ab.

Dadurch kommt es nicht zu Störungen aufgrund feuchter oder verschmutzter Umgebungsbedingungen. Wir halten den Sensor auf einer konstanten Temperatur. Das alles bedeutet zwar zusätzliches Gewicht, dafür haben unsere Kunden aber immer die gleiche Bildqualität, egal, ob sie bei minus 20 Grad Celsius oder plus 50 Grad Celsius drehen.


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