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Schneider-Kreuznach Cine-Tilt | Workshop    Ausgabe 09-10/17

Mit der Schärfeachse spielen

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Vor Kurzem hat Schneider Kreuznach die Cine-Tilt-Objektive herausgebracht. Michael Schottner und Andreas Wanner erklären die Hintergründe, und was man damit erreichen kann.

 

Für viele Filmemacher ist es selbstverständlich, das Publikum durch gezielte Wahl der filmischen Mittel tiefer in die zu erzählende Geschichte eintauchen zu lassen. Das beginnt bei der Wahl der verwendeten Objektive, den op­tischen Filtern, erstreckt sich über alle Aspekte der Kameraführung – von der Wahl der Perspek­tive, Blenden und Fokuseinstellung – und setzt sich später in der Nachbearbeitung fort.

Häufig werden dabei auch Eigenheiten des menschlichen Sehens nachempfunden, was zu einem besseren Eintauchen in die filmische Darbietung bieten kann. Ein häufig genutztes Stilmittel ist hierbei zum Beispiel die Verwendung von Flares, welche sich in Kontrastminderung und Geisterbildern bei Szenen mit hellen Lichtquellen oft deutlich bemerkbar machen.

Damit will man natürliche optische Effekte, die Licht im menschlichen Sehapparat bewirkt, auch in den Objektiven an den Kameras hervorrufen. Selbst wenn es mit heutigen Objektiven möglich ist, »sauberere« Bilder einzufangen, wird hier dem natürlicheren Seheindruck der Vorzug ge­geben. Ein ähnliches Ziel wird verfolgt, wenn man – auch wenn technisch möglich – nicht versucht, in der Szene so viel wie möglich scharf einzufangen, sondern nur das im Fokus zu behalten, was ein in der Szene befindlicher menschlicher Beobachter auch aktiv im Fokus wahrnehmen würde. Hintergrund ist hierbei die Eigenschaft des menschlichen Auges, aufgrund der räum­lichen Verteilung der Sehzellen zwar ein sehr großes Sehfeld abzudecken, aber nur ein sehr begrenztes Gebiet um die Fovea, den Fleck des schärfsten Sehens herum, scharf abzubilden. Kamerasensoren – insbesondere in Kombination mit modernen Objektiven – sind jedoch in der ­Lage, die Szene in der vollen Breite jederzeit scharf ­abzubilden, solange sie sich in der Fokusebene befindet. Für eine Verkleinerung des im Fokus befindlichen Bereiches bleibt in der Regel nur eine weitere Vergrößerung der Blendenöffnung, welche dann aber in ihrer optischen Wirkung aufgrund der extremen Diskriminierung von Objekten in einer abweichenden Entfernung nicht mehr der eigentlichen Situation im Auge entspricht.


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