Advertisement
Technologie und Medienrealisation in Film und Video





Restaurierung Münchhausen | Produktionsbericht    Ausgabe 09-10/17

Der Ritt auf der Ulbricht-Kugel

- Anzeige -

Gemeinsam mit den Internationalen Münchner Filmwochen hat ARRI, im Rahmen des Filmfests München 2017, anlässlich des hundertjährigen Firmenjubiläums, am 23. Juni die Weltpremiere der restaurierten Fassung von »Münchhausen« ausgerichtet. Dabei übernahm Hauptsponsor ARRI Media für die Murnau-­Stiftung die Digitalisierung in 4K sowie die aufwendige Farb- und Tonrestaurierung. Ruodlieb Neubauer sprach mit Anke Wilkening, M.A., Filmrestauratorin der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung.

© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

 

Während die Wehrmacht Anfang 1943 die entscheidende Niederlage bei Stalingrad erlitten hatte, feierten bei der Premiere am 5. März etwa 2000 geladene Gäste die Materialschlacht »Münchhausen«. Opulenz und Farbenpracht haben das Publikum 1943 im In- und Ausland ebenso fasziniert wie die Cineasten in der Nachkriegszeit. »Münchhausen« ist bis heute der meist diskutierte NS-Unterhaltungsfilm.

Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hatte im Rahmen der Restaurierung ihrer Agfacolor-Filme 2014 »Immensee« (1943) und »Opfergang« (1942–44) von Veit Harlan als Pilotprojekt be­arbeitet. »›Münchhausen‹ sollte der dritte Film werden, weil in diesem Jahr das hundertjährige Jubiläum der Ufa gefeiert wird, und der Film in ­vielerlei Hinsicht für die Ufa repräsentativ ist«, so Restauratorin Anke Wilkening.

Er schließt nicht nur vom Studiolook her an die Großproduktion der 20er Jahre an, wo man Stoffe auswählte, die gleichzeitig auch zeigten, was das Studio zu leisten imstande war. 1943 unter der Regie von Josef von Baky entstanden (DoP Werner Krien), war »Münchhausen« eine Auf­tragsproduk­tion des Propagandaministeriums zum 25. Jubiläum der Ufa-Filmstudios 1942.

Das Drehbuch schrieb ein gewisser Berthold Bürger – der Verfasser der ursprünglichen Geschichten des Lügenbarons war Gottfried August Bürger. Dass dies eines der Pseudonyme von Erich Kästner war, den die Nationalsozialisten ­eigentlich mit Berufsverbot belegt hatten, birgt durchaus einen gewissen Reiz. Zwar hatte er für den Film eine ausnahmsweise Arbeitsgenehmigung »von ganz oben« bekommen, Joseph Goebbels hat allerdings auch dafür gesorgt, dass selbst das Pseudonym im Zusammenhang mit dem Film nicht öffentlich erwähnt werden durfte.

»Der Film ist natürlich auch aufgrund des Agfacolor-Verfahrens relevant, eines der wichtigsten Farbfilm-Verfahren, das es gegeben hat«, so ­Anke Wilkening. Das in den 1930er Jahren von der I. G. Farbenindustrie AG entwickelte Agfa­color-Verfahren war das erste Farbfilmverfahren im Negativ-Positiv-Prozess, bei dem das Film­material aus drei übereinander aufgegossenen Emulsionsschichten bestand, die jeweils für die blauen, grünen und roten Farbanteile des Auf­nahmemotivs empfindlich waren. Die farbgebenden Substanzen waren bereits in den Farbschichten verankert, sodass die Farben gleichzeitig in ­einem einzigen Entwicklungsbad erzeugt wurden.


<< zurück
- Anzeige -