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DFF-MuseuM Königs Wusterhausen | TV-HISTORIE    Ausgabe 01/18

Es gab nicht nur den Schwarzen Kanal

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Die DDR existiert nicht mehr – genauso wenig wie ihr Fernsehen. Doch eine kleine Ausstellung am Rande Berlins blickt zurück auf fast 40 Jahre Ost-TV. Sonja M. Schultz besuchte ein Stück deutsche Mediengeschichte.

Vor 65 Jahren brach in der DDR das Fernsehzeitalter an. Am 21.12.1952 (Stalins Geburtstag) startete das öffentliche Programm des Deutschen Fernsehfunk DFF. An den ersten paar Dutzend TV-Geräten im Land ließ sich jeden Abend für zunächst zwei Stunden das neue Medium bestaunen. Einschaltquote: 100 Prozent. Heute ist das Fernsehen der DDR Geschichte: abgewickelt, abgeschaltet. Doch nicht ganz. Zahlreiche Programmklassiker finden sich auf DVD, von den Krimireihen »Polizeiruf 110« und »Der Staatsanwalt hat das Wort« über aufwendige Kostümfilme wie »Sachsens Glanz und Preußens 

Gloria« bis zum notorischen »Schwarzen Kanal«. Besonders die Dritten Programme greifen immer wieder in die Archivkiste und wiederholen ostdeutsche Fernsehgeschichte. Und eins der wenigen DDR-Formate, das aktiv die Wende überlebt hat, ist »Unser Sandmännchen«, inzwischen vom RBB weiterproduziert und von allerlei Merchan­dise begleitet. »Ostalgie« goes Kapitalismus.

Etwas außerhalb von Berlin gibt es einen Ort, der eine Zeitreise durch die fast 40 Jahre Adlershofer Fernsehen unternimmt. Das Sendermuseum Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg widmet sich nicht nur der deutschen Rundfunk­geschichte – im Antennenspitzhaus ist seit 2014 die Sonderausstellung »Es gab nicht nur den Schwarzen Kanal« untergekommen. Die Besonderheit der kleinen Sammlung, die nur an den ­Wochenenden geöffnet ist: Immer sind ehemalige Mitarbeiter des DDR-Fernsehens anwesend und stehen Rede und Antwort zu einer TV-Vergangenheit, die das ostdeutsche Publikum geprägt hat und im Westen wenig wahrgenommen wurde. Unter den Ex-DFFlern, die das Museum unterstützen, sind zum Beispiel Hanna Christian-Janowitz, die 1952 in Adlershof als erste Live-Kamerafrau Europas anfing – »Kameramann« stand in ihrem Dienstausweis. Oder Horst Rentz, der von 1967 bis 1990 Bereichsleiter für Unterhaltung und ­Musik war. Hans-Jürgen Lehmann, der 1971 zum DFF kam, erlebte als Dramaturg der »Heiteren Dramatik« auch die komplette Abschaltung des DDR-Fernsehens am 31.12.1991 um Schlag Mitternacht mit: »Ich bin geblieben, bis die letzten Lichter ausgingen.« Die Hoffnung vieler Mitarbeiter, das DDR-Fernsehen in die Programmlandschaft eines wiedervereinigten Deutschlands integrieren zu können, erfüllte sich nicht.

Krieg der Sender

 

Seit den Staatsgründungen von DDR und BRD wuchsen Ost- und West-TV nebeneinander in zwei Gesellschaftssystemen auf, die sich gegenseitig ablehnten und belauerten, getrennt durch die ideologischen Spannungen des Kalten Krieges und bald auch durch eine Mauer. Nicht nur politisch, auch bei der Entwicklung des neuen Mediums Fernsehen lieferten sich die Systeme von ­Anfang an einen Wettkampf. Beide Seiten starteten 1952 ihren Sendebetrieb und konkurrierten fortan um die erst sehr kleine, dann nach und nach wachsende Zuschauerzahl. Nur war es ein ungleicher Wettstreit, sowohl auf der finanziellen und der technischen Ebene, als auch in punkto Größe und Reichweite. Bis 1990 konnten 85% der BRD-Bürger kein DDR-Fernsehen empfangen, dafür 90% im Osten West-TV. Lange Zeit versuchte die DDR-Führung vergeblich, den Einfluss des Westfernsehens mit Störsendern und Antennenblockaden zurückzudrängen. Erst 1973 verkündete Erich Honecker, jeder könne die BRD-Sender ein- und ausschalten wie er wolle.


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