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Berlinale 2018 | Festivalbericht    Ausgabe 04-05/18

Wir müssen reden

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Diskussion, Irritation, Zukunftsvision. Die Berlinale wird sich wandeln – nur wie? Sonja M. Schultz streifte durch die 68. Internationalen Filmfestspiele und traf auf sprechende Hunde, verstörende Filme und DoPs zum Heiraten.

© Sonja M. Schultz

© Sonja M. Schultz

 

Heißlaufende Debatten sind nicht das Schlechteste für ein notorisch unterkühltes Festival. Es begann im vergangenen Jahr mit einem Offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters. 79 deutsche Filmschaffende verschiedener Generationen forderten eine Erneuerung der Berlinale, darunter Caroline Link, Christian Petzold, Maren Ade, Dominik Graf, Edgar Reitz und Volker Schlöndorff. Das Programm des weltgrößten Publikumsfestivals sei zu beliebig, nicht eigenständig und innovativ genug, um »auf Augenhöhe mit Cannes und Venedig« zu bestehen. Der Wunsch nach frischem Wind machte sich auch an Berlinale-Chef Dieter Kosslick fest, dessen Vertrag im kommenden Jahr endet, nach einer Amtszeit, die länger läuft als die von Angela Merkel. Die Regisseure wünschten sich eine offene und transparente Diskussion um die Zukunft der Berlinale und keine Postenvergabe hinter verschlossenen Türen. Auf letztere wird es wohl hinauslaufen. Schade. Ein gemeinsames leidenschaftliches Streiten um die Zukunft hätte dem Festival gut gestanden. 

Warum so ängstlich?

Dabei hatte der diesjährige Internationale Wettbewerb einiges an formaler Vielfalt zu bieten: ein Animationsfilm zur Eröffnung (»Isle of Dogs«),
ein dreistündiger philosophischer Exkurs aus Deutschland (»Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot«), eine vierstündige Diktatur-Rockoper von den Philippinen (»Season of the Devil«), ein mit iPhones gedrehter Thriller (»Unsane«), ein Spielfilm mit einer 72-minütigen Kameraeinstellung (»Utøya 22. Juli«) und ein experimenteller Doku-Fiktions-Mix, den Teile des Publikums so grenzüberschreitend fanden, dass sie in Scharen das Kino verließen (»Touch me not«). 


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