Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Share |

Newsletter bestellen







news | personalien    09.08.2012

DDR-Filmpionier Kurt Maetzig verstorben

Regisseur Kurt Maetzig, der als einer der Mitbegründer der DEFA DDR-Filmgeschichte geschrieben hat, ist am 08.08.12 im Alter von 101 Jahren in seinem Haus in Mecklenburg-Vorpommern gestorben.

Kurt Maetzig                                                         © Marcel Mettelsiefen

 

Maetzig, dessen Vater in Berlin eine Kopier- und Trickanstalt betrieben hatte – und der damit gewissermaßen in den Filmbetrieb hineingewachsen war – drehte insgesamt 23 Filme, unter denen auch zahlreiche linientreue Filme für den SED-Staat waren.

Seinen ersten Film »Ehe im Schatten« von 1947, in dem es um die Geschichte eines Schauspielers im Dritten Reich geht, der zur Scheidung von seiner jüdischen Frau gezwungen werden soll und dieses durch den gemeinsamen Freitod umgeht, drehte Maetzig im Gedenken an seine jüdische Mutter, die nach der erzwungenen Trennung von ihrem Mann am 09.02.1944 ebenfalls den Freitod wählte. »Ehe im Schatten« ist der einzige DEFA-Film, der in allen vier Berliner Sektoren gleichzeitig Premiere hatte und auch im Westen hohe Anerkennung fand. Mit insgesamt mehr als zwölf Millionen Besuchern wurde der Film der erfolgreichste deutsche Film der ersten Nachkriegsjahre.

Als Halbjude erhielt Kurt Maetzig in der NS-Zeit Berufsverbot und war selbst von der Deportation bedroht, was einflussreiche Freunde jedoch verhindern konnten. Nach dem Selbstmord der Mutter trat er 1944 in die illegale Kommunistische Partei ein. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zog Kurt Maetzig in den sowjetisch besetzten Sektor Berlins und wurde dort zum Mitbegründer der Filmgesellschaft DEFA. Er glaubte an die »sozialistische Sache« und wollte diese mit seinen Filmen auch ideell voranbringen. So drehte er u.a. auch die stramm linientreuen Filme über den Kommunistenführer Ernst Thälmann »Sohn seiner Klasse« (1954), und »Führer seiner Klasse« (1956). Ebenfalls 1956 entstand der Film »Schlösser und Katen« über die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Es folgten die Komödie »Vergesst mir meine Traudel nicht« (1957, mit der blutjungen Eva-Maria Hagen) und die erste DEFA-Science-Fiction-Produktion »Der schweigende Stern« (1960).

1965 fiel Kurt Maetzig mit seinem Liebesdrama »Das Kaninchen bin ich« in Ungnade bei den DDR-Oberen. Der Film erzählt von einem Mädchen, das nicht studieren darf, weil sein Bruder wegen staatsgefährdender Hetze im Gefängnis sitzt. Unwissentlich verliebt sich die junge Frau in den Richter, der für das harte Urteil verantwortlich ist, und entlarvt den Mann als feigen Opportunisten. »Das Kaninchen bin ich« wurde auf dem 11. ZK-Plenum zusammen mit fast einem ganzen Jahrgang von DEFA-Filmen verboten und geriet zum Fanal. Seine Uraufführung erlebte der Film erst 1990 bei der Berlinale.

Außer als Filmemacher trat Kurt Maetzig 1954 auch als Gründungsrektor der in Potsdam-Babelsberg angesiedelten Deutschen Hochschule für Filmkunst – der heutigen Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf – auf, wo er bis 1964 als Professor für Filmregie tätig war.

Solange er lebte und arbeitete, war Kurt Maetzig umstritten. Denn Maetzig wollte nicht nur gute Filme machen, sondern er wollte mit diesen Filmen auch die Sache ideell voranbringen, von deren Sinn er überzeugt war. Maetzigs komplette Filmografie ist in seiner Biografie bei der DEFA-Stiftung einzusehen, die deren Filme heute verwaltet.



<< zurück