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news | Verbände    11.10.2017

Deutsche Filmakademie: Brandbrief nach Brüssel

Auf ihrer Vollversammlung am 8. Oktober haben sich die Mitglieder der DEUTSCHEN FILMAKADEMIE aus aktuellem Anlass noch einmal geschlossen und ausdrücklich für den Erhalt des Territorialprinzips in der Europäischen Union ausgesprochen.

 

Der in Berlin verabschiedete und von den Vertretern aller kreativen Gewerke des Filmschaffens getragene Appell richtet sich konkret an die Mitglieder des Europäischen Parlaments, an die demnächst stattfindende Tagung dessen Rechtsausschusses (JURI). Es geht um die Abstimmung des Ausschusses über Veränderungen in der von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Sat/Cab-Verordnung, die als Teil der Digitalen Binnenmarkt-Strategie der EU das sogenannte Ursprungslandprinzip einführen möchte. Nach diesem Vorschlag müssten TV-Sender die Online-Rechte eines Films nur noch für ein EU-Mitgliedsland erwerben und könnten die Nutzung ihrer Online-Dienste (wie z.B. die Mediatheken) im gesamten EU-Binnenmarkt ermöglichen. „Darin sieht die europäische Kreativbranche in deutlicher Geschlossenheit eine Bedrohung des für die Wirtschaftlichkeit und Vielfalt des europäischen Films so wichtigen Territorialprinzips“, heißt es in dem Appell der Filmakademie.

„Es ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu ertragen, dass EU-Abgeordnete, die für die Gestaltung der Rahmenbedingung einer Zukunft des europäischen Films zuständig sind, ausgerechnet die Argumente der Kreativen des europäischen Films konsequent ignorieren“, sagt Iris Berben, die Präsidentin der DEUTSCHEN FILMAKADEMIE mit Blick auf den im JURI-Ausschuss zuständigen Berichterstatter Tiemo Woelken (SPD). Dazu heißt es weiter im Papier der Filmakademie: „Wir empfinden es als eine Missachtung der Kultur-, Produktions- und Kreativbranche, dass die nun zur Abstimmung stehenden Vorschläge unsere berechtigten Sorgen und Bedenken nach unserer Kenntnis nicht im Ansatz berücksichtigen. (...) Daher dürfen wir Sie eindringlich darum bitten, den Vorschlägen des Berichterstatters nicht zuzustimmen und so ein klares Zeichen für eine starke europäische Kreativlandschaft zu setzen.“

Der Appell im Wortlaut:

APPELL DER DEUTSCHEN FILMAKADEMIE AN DIE MITGLIEDER DES JURI-AUSSCHUSSES IM EUROPÄISCHEN PARLAMENT

Berlin, 8. Oktober 2017

Die Deutsche Filmakademie und viele ihrer Mitglieder gehörten zu den 411 Unterzeichnern eines Offenen Briefes an führende Staatsmänner der Europäischen Union vom 2. Mai 2017. Thema des Briefes, der europaweit große Beachtung gefunden hat, war die von der Europäischen Kommission im Rahmen der Sat/Cab-Verordnung vorgeschlagene Ausweitung des Ursprungslandprinzips. Darin sieht die europäische Kreativbranche in deutlicher Geschlossenheit eine Bedrohung des für die Wirtschaftlichkeit und Vielfalt des europäischen Films so wichtigen Territorialprinzips.

In der geplanten Abstimmung im JURI-Ausschuss des Europäischen Parlaments über Änderungen, Erweiterungen oder Streichungen im Verordnungsvorschlag wird es also für den gesamten Kreativsektor um nicht weniger als seine Zukunft gehen. Seit Monaten erläutern die betroffenen Branchen in einer einzigartigen Geschlossenheit die negativen Auswirkungen durch ein Aufweichen territorialer Lizenzmodelle für jeden an der Wertschöpfung Beteiligten. Von den Drehbuchautoren, über Schauspieler, Regisseure, Produzenten bis hin zu privaten Sendern haben alle die Gefahren benannt und unermüdlich vorgetragen.

Daher empfinden wir es als eine Missachtung der Kultur-, Produktions- und Kreativbranche, dass die nun zur Abstimmung stehenden Vorschläge unsere berechtigten Sorgen und begründeten Bedenken nach unserer Kenntnis nicht im Ansatz berücksichtigen.

Als betroffene Filmschaffende aus allen Gewerken appellieren wir daher nochmals an Sie: Im Sinne einer prosperierenden kulturellen Vielfalt darf das Territorialprinzip nicht aufgeweicht werden. Die Kreativen und ihre Partner müssen weiterhin frei entscheiden dürfen, wo, wann und wie sie ihre Inhalte zugänglich machen wollen. Das sind die zentralen Voraussetzungen für das Entstehen hochwertiger europäischer Filme und den Erhalt künstlerischer Vielfalt.

Daher dürfen wir Sie eindringlich darum bitten, den Vorschlägen des Berichterstatters nicht zuzustimmen und so ein klares Zeichen für eine starke europäische Kreativlandschaft zu setzen.



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