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news | auszeichnungen    12.10.2016

Edgar Reitz erhält Lebenswerkpreis des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2016

Anläßlich des Deutschen Regiepreises “Metropolis“, der am 6. November verliehen wird, erhält Edgar Reitz - Regisseur, Autor und Produzent der "Heimat"-Trilogie - von BVR und VG Bild-Kunst den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

BVR-METROPOLIS Ehrenpreisträger: Edgar Reitz © SWR

BVR-METROPOLIS Ehrenpreisträger: Edgar Reitz © SWR

 

Der BUNDESVERBAND REGIE e.V. wird Edgar Reitz mit dem Lebenswerkpreis des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2016, dem Ehrenpreis der VG Bild-Kunst, ehren. Zu diesem Anlass wird auch eine Retrospektive seiner Filme und ein öffentliches Fachgespräch in der HFF München stattfinden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Die feierliche Preisverleihung findet in einer abendlichen Gala im Rahmen der Tage der Regie am 6. Nov. 2016 in der HFF München statt. Dabei werden auch die weiteren Jahres-Preisträger des Deutschen Regiepreises 2016 in den Kategorien Beste Regie Kino-, Fernseh-, Dokumentarfilm, Serien- und Nachwuchsregie sowie für eine schöpferische Mitwirkung überreicht.

Lebenswerkpreis des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2016 (Ehrenpreis der VG Bild-Kunst)

Edgar Reitz zählt nicht erst seit seiner großformatigen Heimat-Trilogie zu den außergewöhnlichsten deutschen Filmemachern. Er erzählt in großen Bildern die kleinen Geschichten des Alltags. Ausgeklügelte Bildkompositionen erzeugen eine filmische Ästhetik des nur vermeintlich Nebensächlichen. Besonders in dem ungeheuren Erzählkorpus von insgesamt mehr als 48 Stunden der Filme “Heimat. Eine Chronik in elf Teilen“ (1981-84), “Die zweite Heimat. Chronik einer Jugend in 13 Filmen“ (1984-92), “Heimat 3. Chronik einer Zeitenwende“ in 6 Filmen (2002-04) sowie “Die andere Heimat. Chronik einer Sehnsucht“ (2010-14) entwickelt er eine Subtilität der filmischen Repräsentation des sichtbaren Menschen, die einzigartig ist, nicht nur in der deutschen Kinematografie. Fast nebenbei justiert er den Heimat-Begriff neu und öffnet den Blick auf die feinsten Verzweigungen menschlicher Existenz in staunenswerter Beiläufigkeit, ja Familiarität. Reitz erzählt bevorzugt über Menschen aus der Hunsrück-Region, woher er selbst stammt, ohne dass seine Heimat-Filme autobiografisch oder sentimentale Rückblicke sind. Seine Chroniken haben einen ganz eigenen Rhythmus, den die filmischen Charaktere, manchmal sogar Nebenfiguren diktieren, selbst wenn sie sich an einschneidenden historischen Ereignissen und Zeitenwenden abarbeiten, die mitschwingen, aber nie den Blick auf die individuellen Erlebnisse und Befindlichkeiten verstellen. Reitz ist gewissermaßen ein Existenzialist des Alltäglichen.

Dass Reitz “Die andere Heimat“ dieses Mal nicht als Fernseh-Serie, sondern als vierstündigen Kinofilm realisierte, wirkt im Zuge seiner monumental anmutenden Suche nach dem großen Serienroman aus Deutschland und seinem ausgeprägten visuellen Stilwillen nur konsequent. Er betont, schon beim ersten Heimat-Zyklus „mit der Leidenschaft für das Kino gearbeitet, obwohl ich mit den Möglichkeiten des Fernsehens produziert habe. Aber vom ästhetischen oder auch technischen war das immer für die Kinoleinwand gedacht“.

Dass gerade regionale Bezüge in der Narration moderner Serien wichtig sind, hat Reitz lange vor den “Sopranos“, “Borgen“ oder “Top Of The Lake“ erkannt. Hartnäckig und unter Einsatz aller seiner ästhetischen wie materiellen Ressourcen (als Produzent) hat sich Reitz die Chancen der großen epischen Erzählweise erarbeitet. Er gewann, auch mit der Unterstützung von Drehbuchautoren wie Peter Steinbach und Thomas Brussig, die Freiheit für den Autor-Regisseur zurück, die den deutschen Autorenfilm der 1970er Jahre geprägt hatte. Hierfür war Edgar Reitz einer der Wegbereiter, u.a. als Mitautor des Oberhausener Manifests (1962), der Initialzündung des Neuen Deutschen Films.

Nach einer Vielzahl avantgardistischer Kurz-, Kultur- und Industriefilme, in denen Reitz an die vergessene Tradition der 1920/30er Jahre anknüpfte, realisierte er mit “Mahlzeiten“ (1967) sein Langfilm-Debut. In Venedig gewann er damit sofort den Nachwuchspreis. Noch stark der assoziativ-disruptiven Schnitttechnik verbunden, zeigt Reitz kühl wie ein Verhaltensforscher, wie sich das Glücksversprechen eines jungen Paares in der Wirtschaftswunderzeit verliert.

In seiner E.T.A. Hoffmann-Adaption “Cardillac“ (1969) sind die fließenden Übergänge zwischen Farb- und Schwarzweiß-Sequenzen wichtig, ein formales Mittel genuin des Films, das er in den Heimat-Filmen perfektionieren wird. Monochrome Bilder kombiniert er mit Farbbildern und versucht in der Geschichte eines rachsüchtigen Goldschmieds sogar Goldtöne ungesättigt entstehen zu lassen.

"Die Reise nach Wien“ (1974) hat ihren Ausgangspunkt zum ersten Mal im Hunsrück. Wiederum geht es um ein Glücksversprechen in Form einer Kiste voller Geld, mit der Hannelore Elsner und Elke Sommer aufgrund der Kriegsabwesenheit der Männer versuchen, einen Traum vom Glück zu realisieren.

Die “Stunde Null“ ist quasi die Fortsetzung und ein Vorbote der Heimat-Filme. 1945 ist plötzlich vieles möglich, doch es bleibt die Sehnsucht nach Zuflucht.

Der Schneider von Ulm“ (1978) ist Reitz‘ teuerster eigenproduzierter Kinofilm. Er zeugt von seinem Faible für kauzig-visionäre Eigenbrötler, hier ein Schneidergeselle und sein Traum vom Fliegen, angesiedelt in Ulm am Ende des 18. Jahrhundert. Edgar Reitz hat mit ähnlicher Akribie und Hartnäckigkeit das episch filmische Erzählen in Deutschland voran gebracht. Der kommerzielle Misserfolg des “Schneiders von Ulm“ war die Geburtsstunde der Arbeit an der Heimat-Trilogie, die Reitz mit ähnlicher Akribie und Hartnäckigkeit auf den Weg brachte. www.bvr.de 

 



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