Technologie und Medienrealisation in Film und Video
FILMPRODUKTION FÜR CHINA | MARKT UND MEDIEN    Ausgabe 09-10/09

Filmmarkt China

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Die Filmindustrie Hongkongs gehörte einst zu den produktionsstärksten der Welt. Doch die aufstrebenden Filmländer Asiens – insbesondere des Mutterlandes China – haben Hongkongs Leuchtturmstellung geschliffen. Statt in Resignation führten die veränderten Bedingungen zu einem selbstbewussten Strategiewechsel. Thomas Steiger beobachtet den vielversprechenden Anfang einer neuen Ära der Hongkong-Filmindustrie.

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Während der vom Hong Kong Trade Development Council organisierten Filmmesse Filmart 2005 gab man sich noch selbstbewusst und überzeugt, jährlich eine Reihe von Filmen in Hongkong produzieren zu können, die sich auch innerhalb der Sonderverwaltungszone refinanzieren könnten. Im Laufe des Jahres setzte sich allerdings die Erkenntnis durch, dass die Veränderungen unaufhaltsam seien und man sie besser zum eigenen Vorteil nutzen sollte. Daraufhin entstand zuerst ein gewisser Aktionismus, der darauf abzielte, Hongkong als Finanzierungszentrum und Tor nach China zu etablieren. Im Sommer 2005 wurde der Film Gurantee Fund eingerichtet und die Standard Chartered Bank wagte sich als einzige asiatische Bank an die komplexe Materie der Film- und Medienfinanzierung. Beides spielt heute keine große Rolle mehr, da man zum alten asiatischen Finanzierungsprinzip zurück gekehrt ist: die Produktionsfirma sorgt für den Cashflow. Gleichzeitig wurden Koproduktionen mit China, an denen der Zentralregierung stark gelegen ist, propagiert und es war die Rede vom pan-asiatischen Film – dem asiatischen Äquivalent des Europudding. Im vergangenen Jahr dann wurden die Bemühungen Hongkongs, wieder zum wichtigsten Player der Region zu werden, von Wellington Fung, Geschäftsführer des 2007 gegründeten Film Development Council (FDC), klar beschrieben: »Hongkong muss sich als Initiator von Filmprojekten behaupten und entwickeln. Hier müssen die Projekte, die in China gedreht werden, finanziert und verkauft werden. Es geht darum, statt des Labels ›Made in Hong Kong‹ das Label ›Made by Hong Kong‹ zu etablieren.«

Heute ist diese Vorgabe als neue Strategie deutlich zu erkennen. Ein Großteil der chinesischen Filme entsteht mittlerweile auf die ein oder andere Art mit einer Beteiligung aus Hongkong. Etwa acht der Top-Ten der chinesischsprachigen Filme der vergangenen Jahre sind Koproduktionen mit Firmen aus der Sonderverwaltungszone. Dies hat zu einer Gründung mehrerer Joint Ventures zwischen Firmen aus Hongkong und China geführt, um die Kooperation zwischen den unterschiedlichen politischen Einheiten zu erleichtern und voran zu treiben. Zugleich gibt es eine klare Hinwendung zum »chinesisch-sprachigen Film«. Dieses neue Schlagwort zielt auf eine Auswertung in den Territorien China, Hongkong, Macao, Taiwan, Singapur sowie Teilen Malaysias, wo Putonghua (Mandarin) gesprochen wird.

Diese Entwicklung wird ganz entschieden von drei Faktoren getrieben: dem Willen der chinesischen Regierung, auch mit dem Know-how Hongkongs die eigene Filmindustrie zu entwickeln; eine Konzentration auf die eigene, chinesische Kultur sowie die Entdeckung des Kinos durch die Chinesen, die Filme bislang eher auf (illegalen) DVDs geschaut haben. Dadurch wird China als die treibende Kraft im asiatischen Kinomarkt wahrgenommen. »Wie kann man nur im Filmgeschäft sein und Asien außen vor lassen«, fragte der freie Produzent Chris Lee (»Operation Walküre«, »Superman Returns«) auf der Filmart Hongkong beim Panel »What a Difference a Decade Makes! The Changing Face of Hollywood in Asia«. Lees Frage, die zugleich auch Erkenntnis ist, hat sich in Hollywood längst herum gesprochen, denn der Ansatz der Studios gegenüber dem asiatischen Markt hat sich grundlegend geändert. Es geht nicht mehr darum, die eigenen Produkte dort abzusetzen oder kulturell übergreifende Geschichten zu erzählen; es geht mittlerweile darum, selbst auf den Märkten aktiv zu sein. Entweder als Produzent originärer Stoffe für einen klar identifizierten Markt oder als Produzent von Remakes eigener Stoffe. »Der Trend geht dahin, dass wir Filme in Asien machen, anstatt asiatische Stars nach Hollywood zu holen«, sagt Chris Lee und fügt hinzu: »Es wird an der Zeit, dass wir lernen, wie man das asiatische Publikum mit lokalen Stoffen erreicht und wie man die passenden Geschichten für Asien erzählt anstatt ständig zu versuchen, Asien etwas beizubringen.«

Walt Disney hat Jo Yan damit beauftragt, Stoffe zu finden und zu entwickeln, die unter der Disney-Marke für die verschiedenen asiatischen Märkte entstehen könnten. »Wir sehen ein großes Potenzial darin, Filme direkt für diese Märkte zu machen«, sagt Jo Yan. Auch 20th Century Fox setzt auf die Produktion von lokalen Filmen bzw. Remakes für lokale Märkte mit Budgets, die sich auf diesen Märkten auch recoupen lassen. »Alles, was darüber hinaus geht, nehmen wir mit, aber von Anfang an auf einen Cross-Over-Effekt zu setzen oder den Film so zu machen, dass er in mehreren Märkten funktionieren könnte, ist ein Fehler«, sagt Sanford Panitch, Asienverantwortlicher der 20th Century Fox, mit Nachdruck.


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