Technologie und Medienrealisation in Film und Video
60. BERLINALE | FESTIVALBERICHT    Ausgabe 04/10

Bären haben dickes Fell

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Wer ein echtes Kind des Kalten Krieges ist, der feiert sein Jubiläum mit Schneematsch und Eis. Sonja M. Schultz schlitterte durch die Höhen und Tiefen der 60. Berlinale.

Bären haben dickes Fell

Bären haben dickes Fell

Mit dem Psychoterror von Alfred Hitchcocks »Rebecca« wurden 1951 zum ersten Mal die Berliner Filmfestspiele eröffnet. »Schaufenster der freien Welt« war das Motto dieser Kinoschau des Westens im politisch zerteilten Berlin. Durch die Unterstützung der US-Militärregierung entstand hier ein Publikumsfestival, das Glamour und internationale Stars ins Deutschland der Nachkriegszeit brachte. Sophia Loren, Jean-Paul Belmondo, Gary Cooper, Romy Schneider oder Gina Lollobrigida zeigten sich in den ersten Jahren auf dem Ku’damm der Menge. Mit dem Weltgeschehen, den wechselnden Festival-Direktoren und den großen und kleinen Skandalen veränderte die Berlinale immer wieder ihr Gesicht. Heute pilgern die Fans zu einer architektonischen Katastrophe namens Marlene-Dietrich-Platz. Das einstige Sommer-Festival findet im Berliner Winter statt. Und das »Schaufenster der freien Welt« ist nun vor allem für seine Entdeckungen kleinerer Filme aus nicht immer unbedingt »freien« Filmländern bekannt. Dieser neugierige Blick aufs Independent-Kino und den Nachwuchs weltweit hält die Berlinale jung – auch im 60. Jahr.

Die Jury unter der Leitung von Werner Herzog kürte den ruhig erzählten türkischen Beitrag »Bal« (»Honig«) von Semih Kaplanoglu mit seiner Naturpoesie und einem herausragenden kindlichen Laien-Darsteller zum Gewinner des Goldenen Bären. Silberne Bären gingen nach Rumänien (»If I Want to Whistle, I Whistle«), Russland (»How I Ended This Summer«) und China (»Apart Together«). Neben diesen realistischen Sozialdramen, den genau beobachtenden Stadt- und Landschaftspanoramen fiel der Regie-Preis für Roman Polanskis soliden Thriller »The Ghost Writer« aus dem Rahmen. Manch einer begriff diese Würdigung als Solidaritätsgeste für den wegen Vergewaltigung angezeigten Regisseur mit der Schweizer Fußfessel. Doch die Verfilmung der spannungsreichen Vorlage von Robert Harris ist unterhaltsames Star-Kino im professionellsten Sinne. Auch rein witterungsmäßig konnten sich die Berlinale-Besucher vollkommen mit dem bei schneidender Kälte und Regen auf Sylt und Usedom inszenierten CIA-Krimi identifizieren. Während am Potsdamer Platz die Gehwege mit Presslufthämmern vom Eis befreit wurden, berichtete Ewan Mc Gregor von seinen Drehpausen an der hiesigen Küste: »Wir haben ausprobiert, wie lange man am Strand spazieren kann, bevor das Gesicht vor Kälte ganz starr wird.«


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