Technologie und Medienrealisation in Film und Video





IBC 2011 T1 | Grosser Messebericht    Ausgabe 11-12/11

Auf Speed

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setzen die Hersteller bei ihren Entwicklungen – schnellere Prozessoren, schnellere Medien, schnellere Übertragungswege. Aber auch »schnellere« Optiken. Sei es in der Lichtstärke, sei es in der Handhabung. Ruodlieb Neubauer hat auf der IBC wieder viele neue und interessante Produkte gefunden.

Wurde die Entwicklung der Kameras in den letzten Jahren in Richtung immer höherer Auflösung getrieben, so zeichnete sich auf dieser IBC ab, dass die immer höhere Rechenkapazität in nächster Zeit wohl verstärkt für höhere Bildraten und mehr Blendenumfang eingesetzt werden wird. Nicht umsonst hat Adobe seine Übernahme sowohl der Technologien als auch der Mitarbeiter der Münchner Firma Iridas u.a. damit begründet, dass man mit einem steigenden Interesse der Anwender in den Bereichen HDR (High Dynamic Range) und RAW-Video rechnet. Und Spezialisten sowie Technologie für die Filmbearbeitung per GPU ebenso wie stereoskopischer Filme kann man in Zukunft ebenfalls recht gut gebrauchen.

Bei P+S Technik war die große Neuigkeit die PS-Cam X35, die als Sync-Sound-Full-HD-Kamera auf ­einem 35-mm-CMOS-Sensor mit global Shutter basiert. Dieser verhindert Rolling-Shutter-Effekte, wie sie sonst bei schnellen Bewegungen beim Auslesen eines CMOS-Sensors auftreten. Die gleiche Kamera kann allerdings auch als mittlere Highspeed eingesetzt werden, denn sie nimmt von 1 - 450 Bilder/s in HD auf. Auch Geschwindigkeitsrampen sind möglich. Die Basis-Empfindlichkeit liegt bei 640 ASA, der Dynamikumfang bei etwa 11 Blenden. Eingebaut sind 18 GB ­Speicher, als Option sind 36 GB geplant.

Das Standard-HD-SDI-Interface kann zwischen 1,5 G und 3 G umgeschaltet werden. Auch das Highspeed-Material kommt auf diesem Weg zum Recorder – als Ausspielung in Wiedergabe-Echtzeit. Ein Workflow verläuft wie beim PS-Mag 16DSR-III oder der Weisscam HS-2 MKII über die neue, GPU-­beschleunigte Epoch|Supernowa-Karte von bluefish444 und weiter über Cineform-Container zu den verschiedenen Postpro-Systemen. Ein weiterer Workflow nutzt den Codex Onboard Recorder und die Codex Transfer Station für Mac OS X, wo Files als Avid DNX-HD MXF oder Apple ProRes zum Schnitt oder DPX für VFX und das Finishing generiert werden. Codex wird also PS-RAW und unkomprimierte Workflows mit der PS-Cam X35 unterstützen. So wie die Orders während der IBC eingingen, dürfte die Kamera ziemlich sicher ein Erfolg werden. Einen ersten Erfahrungsbericht im Rahmen eines Martial-Arts-Drehs können Sie in dieser Ausgabe finden.

ARRI zeigte die neuen Versionen Alexa M und ­Alexa Studio als bereits arbeitende Prototypen. Bei der Alexa M werden die unkomprimierten RAW-Sensor­daten mit etwa 18 Gbit/s vom Kamerakopf über ein Glasfaserkabel zum Kamerabody transportiert, über das auch die Kamerakontroll-Daten laufen. In dieser Konfiguration kann die Entfernung zwischen Kopf und Rückteil bis zu einem Kilometer betragen. Verwendet man ein Hybrid-Kabel, benötigt der Kopf keine eigene Stromversorgung. Die maximale Entfernung liegt dann bei etwa 50 m. Der unter drei Kg wiegende Kopf verfügt über mehrere Befestigungspunkte und kann so um einiges flexibler als eine normale Alexa eingesetzt werden. Im Body erfolgt die Bildbearbeitung und die Speicherung der Bild-, Ton- und Metadaten auf SxS-Karten bzw. der Ausgabe auf externe Recorder wie in der Standard-Alexa. Aufgrund der strategischen Partnerschaft mit ARRI hat die Cameron | Pace-Gruppe (CPG) bereits die ersten Prototypen der Alexa M bekommen, regulär ausgeliefert wird Anfang 2012.

Während man an den Kopf der Alexa M einen Digitalen Sucher anstecken kann, verfügt die Alexa Studio über einen optischen Sucher und eine Spiegelblende. Dieser ist kompatibel zu den Okularen und Verlängerungen des 435er-Suchers, per Adapter mit jenen der Arricam Studio. Im Sucher sind die optischen Elemente für die anamorphotische Entzerrung eingebaut, die hinzugeschaltet werden können, wenn man den 4:3-Sensor mit Anamorphoten voll ausnutzt. Die Alexa Studio läuft mit Spiegelblende bis 60 Bilder/s. Bei ausgeschalteter Spiegelblende sind wie bei den anderen Alexas bis zu 120 Bilder/s möglich.

In der Alexa Studio bereits enthalten, ist die Highspeed-Funktion bei Alexa und Alexa M als Option für 1350 Euro bzw. 2000 USD erhältlich. Bei der Umschaltung werden die Alexas umkonfiguriert. Die Bilder stehen dann nur in 4:2:2 zur Verfügung und können mit den neuen 64-GB-SxS-Pro-Karten von Sony in ProRes 422 HQ aufgenommen werden. 4:4:4 und Arriraw sind dann nicht möglich. Dafür bleiben Auflösung und Blendenumfang gleich, es erfolgt also kein Window­ing bei höheren Geschwindigkeiten. Mit diesen Karten kann man übrigens ProRes 444 auch ohne Highspeed-Lizenz mit bis zu 60 Bildern/s aufzeichnen – bisher gingen nur bis zu 30 Bilder/s. Nicht nur die Alexas gibt es im Bündel mit fünf Karten, auch bei der Highspeed-Lizenz gibt es Bündel mit drei Karten.

Während bei den Alexas intern ProRes auf die SxS-Karten aufgenommen wird, kann man über das Interface HD-SDI oder Arriraw abgreifen. Dafür gibt es z.B. den Codex Onboard in der Spezialversion nur für Arriraw mit einem Kanal, dessen Preis jetzt bei 11500 Euro liegt. Den meisten Kunden dürfte jedoch die Qualität von ProRes 444 log C sehr wohl ausreichen, und das einfachere Handling den Ausschlag für den Weg über SxS geben. High-End-Produktionen in den USA schätzen allerdings nicht nur die etwas höhere Bildqualität, sondern die Tatsache, dass das unverschlüsselte Arriraw auch nach einer längeren Archivierungsphase noch mittels eines Debayering-Algorithmus genutzt werden kann. Diese Technologie wird dann sehr wahrscheinlich weiter entwickelt, auf jeden Fall aber allgemein bekannt sein. Das sollen in naher Zukunft auch die externen Steuerungs- und Metadaten-Möglichkeiten für die Alexas sein, weshalb ARRI auch ein SDK herausgeben will.

Angesichts von Masterprimes mit T1.3, der entsprechend geringen Schärfentiefe und der Eigenschaft von Digitalkameras, dass man den Unterschied von scharfgestellt und ein wenig daneben stärker sieht als bei Film, haben Schärfe-Assis ziemlich Stress. Um diesen etwas zu mindern, bringt ARRI das Ultrasonic Distance Measure UDM auf den Markt, das die Entfernung per Ultraschall misst.

Unseren Lesern bereits durch den Bericht über die S3D-Produktion des ZDF mit den Huber-Buam bekannt ist die Sinacam HDC1-D. Waren die Prototypen für den Dreh gerade noch fertig, feierte die bayerische Firma solectrix selbst auf der IBC ihren Einstand. Da man im Haus über eine Menge an Erfahrung durch Auftrags-Spezialentwicklungen wie etwa Elektronik für die Alexa verfügt, machte man sich zusammen mit anadicon an die Entwicklung dieser kleinen Spezialkamera. Als Vertriebspartner fungiert Pure4C. Der Kamerakopf basiert auf einem 2/3"-Single-Chip-CCD-Sensor von Kodak mit einer Auflösung von 2004 x 1144 Pixel, und liefert bis zu 60 Bilder/s in Full-HD. Dank ­eines Global Shutters gibt es auch hier keine Rolling-Shutter-Effekte. Die Empfindlichkeit beträgt 2000 Lux bei F8.0 bzw. 160 Lux bei F2.2 (0 dB Verstärkung). ZDF-Kameramann Claus Köppinger kam bei den kleinen Kameras auf einen recht guten Kontrastumfang von etwa 10 Blenden. Solectix rechnet mit mehr. An einer Kamera-Kontroll-Einheit, die mit 14 Bit Signal-Processing arbeitet, können zwei Kameraköpfe über jeweils bis zu 180 m lange BNC-Kabel betrieben werden. Der Kopf verfügt über einen C-Mount und einen Backfokus-Justierungsring, mittels eines Adapters kann er an B4-Objektive angeflanscht werden.


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Ausgabe
August / September 2019

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