Technologie und Medienrealisation in Film und Video





GLÜCKSKINDER | Filmrestaurierung    Ausgabe 04/13

3D-Techniken in der Restaurierung

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Im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte die CinePostproduction den UFA-Klassiker »Glückskinder«. Um die zahlreichen Fehlstellen im Originalmaterial wiederherzustellen, wurde erstmals ein Verfahren eingesetzt, das auf den Eigenentwicklungen im Stereo-3D-Workflow basiert. Zuzana Zabkova, die das Projekt bei der CinePostproduction betreute, beschreibt die Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Restaurierung des Films, der bis auf drei fehlende Bilder wieder komplett hergestellt werden konnte.

Jeder hat schon einmal etwas von dem UFA-Klassiker »Glückskinder« gehört, wenn auch vielleicht nur das bekannte Lied daraus. »Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn«, gesungen vom Traumpaar des Weimarer Kinos, Lilian Harvey und Willy Fritsch, war schon 1936 ein Gassenhauer. Der Film von Regisseur Paul Martin ist ein Glücksfall für die deutsche Filmgeschichte. Obwohl nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten entstanden, ist »Glückskinder« eine freche, beschwingte und antiautoritäre Screwball-Comedy, die mit schlagfertigen Dialogen und Liedern besticht. Paul Martin ließ sich dabei von Frank Capras »Es geschah in einer Nacht« von 1934 inspirieren. »Glückskinder« ist jedoch keine bloße Kopie von Stilmitteln, sondern in ihm kommt der Witz und hintersinnige Humor der Weimarer Filmkunst zum Tragen. Die Uraufführung von »Glückskinder« in der restaurierten Fassung erfolgte auch im Rahmen der Berlinale-Retrospektive »The Weimar Touch« mit deutschen und internationalen ­Filmen, die von der Weimarer Filmkultur geprägt sind.

Für das Ziel höchstmöglicher Werktreue war ein äußerst aufwendiges, individuelles Verfahren von der Recherche bis zur eigentlichen Restaurierung nötig. Die Materialsuche und filmhistorische Recherche erfolgte durch den Auftraggeber Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung, bei dem Anke Wilkening für die Restaurierung verantwortlich zeichnet. Der angelieferte Scan wurde in hoher Auflösung durchgeführt (beidseitiger Overscan bis zu den Perforationslöchern bei einer bildinhaltlichen Auflösung von 2 K). Die digitale Bild- und Tonrestaurierung führte anschließend die CinePostproduction-Niederlassung Bavaria Bild & Ton in Grünwald durch – und bekam es dabei mit ungewöhnlich spannendem Ausgangsmaterial zu tun.

Der Film wurde bei seiner Entstehung im Frühjahr 1936 im Seitenverhältnis 1:1,19 in Schwarz-Weiß aufgenommen, einige Sequenzen im Academy-Format von 1:1,37. Beim Ton handelt es sich um eine dreizehnspurige Vielzacke von Siemens-Halske. Das ­Kameranegativ wurde in den 1970ern durch Zersetzung vernichtet. Die Suche der Murnau-Stiftung führte zu drei Ausgangselementen für die Restaurierung.

Eine Nitrokopie unbekannten Herstellungsdatums kam von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin. Diese stammt direkt vom Originalnegativ und diente als Hauptmaterialquelle der Restaurierung, auch wenn sie an 70 Stellen Lücken von bis zu fünf Sekunden aufweist, die durch Abnutzung entstanden sind. Früher offensichtlich als Vorführkopie eingesetzt, war sie durch Schmutz und Schrammen, Schaltzeichen und Ufa-Stempel vor allem an den Rollenenden, aber auch durch Klebestellen­rucker und Verzerrungen extrem belastet. Zur Ergänzung der Fehlstellen in der Nitrokopie konnte auf eine Sicherungskopie des Bundesarchives Filmarchiv Berlin zurückgegriffen werden. Ein doppelter Bildstrich und Schärfeverlust schränkte bei diesem Material jedoch die Qualität ein. Dafür waren durch einen Glücksfall sehr wenige Fehlstellen von Nitrokopie und Sicherungskopie ähnlich – insgesamt nur drei. Ein Safety-Dup-Negativ der Deutschen Kinemathek, das von der Nitro-Kopie abstammt, wurde schließlich als Ersatz für etwa vierzig stark verschrammte Szenen verwendet.


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Ausgabe
August / September 2019

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