Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Wildes Deutschland – die Zugspitze | PRODUKTIONSBERICHT    Ausgabe 11-12/15

Dem menschlichen Sehen am nächsten

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Ein Dokumentarfilmer, der noch mit Film dreht? Jürgen Eichinger macht dies aus Überzeugung. Auch beim Dreh von »Wildes Deutschland – die Zugspitze«. Gerdt Rohrbach hat von ihm erfahren, warum.

 

Pfingsten 2013. Ohrenbetäubendes Getöse erfüllt die Partnachklamm, die Gischt schäumt. In den Ebenen der Donau wütet das Jahrhunderthochwasser. Die Klamm hier in den Bayerischen Alpen ist gesperrt. Das Wasser stand gestern noch höher als der Weg. Erst heute haben die Behörden dem Filmemacher Jürgen Eichinger Aufnahmen von der Szenerie gestattet. Nur er allein darf die Klamm betreten. Jetzt ist das Wasser um einen Meter gefallen und reicht an manchen Stellen gerade so bis zum Steig. Hinter ihm wurde das Eingangstor wieder geschlossen. Mit so viel Wasser hatte der Kameramann aus Niederbayern nicht gerechnet. Es lief über seine ungeschützte Highspeed-Kamera ­Arri SR II. »Ein Wahnsinn, dass die unter diesen Bedingungen absolut tadellos funktioniert hat. Made in Germany!«, so kommentiert Eichinger später die Situation.

Er ist einer der wenigen Kameramänner in Deutschland, die auch heute noch auf 16mm-Film drehen – Kodak Vision 3. Die geschilderten Szenen ge­hören zu einem aktuellen Filmprojekt über die Zugspitze. Und gerade hier hat sich Filmmaterial für ihn ausnahmslos bewährt. Eichinger: »In der Partnachklamm sind wir im Sommer und im Winter auch mit dem Multikopter der Firma Fluglinse aus der Oberpfalz geflogen. Einer von deren Koptern kann auch die 3,5 kg leichte Aaton A-Minima tragen. Wir drehten unter anderem eine Einstellung, in der wir aus der dunklen Klamm rausgeflogen sind, bis man im Hintergrund die sonnigen und noch schneebedeckten Berge sehen konnte – wohlgemerkt, ohne die Blende zu ziehen. Die Kamera war auf Blende 2,8 eingestellt (50 ASA-Material). Der Schnee hat die Blende 32 bzw. 64. Wirklich unglaublich, dass dann auch alles da ist – überall Zeichnung, im Schnee wie in der schwarzen Klammwand! Da hätte ich gerne mal einen Vergleich mit den an­geblich 14 Blenden Kontrastumfang der hochgelobten, modernen Digitalkameras gesehen.«

Je nach Einsatzzweck hat Eichinger zwei weitere Kameras im Einsatz: Die Hauptkamera ist eine Aaton Xterà, die er für besondere Zwecke mit einer ARRI SR II Highspeed ergänzt. Eichingers neuer Zugspitzfilm stellt eine Reise vom Tal zum Gipfel dar. Der Film zeigt, wie sich mit zunehmender Höhe Fauna, Flora und natürlich das Klima verändern und welche Auswirkungen das auf den Lebensraum Berg hat. Das Projekt ist sehr aufwendig. Mittlerweile sind drei Jahre ins Land gegangen, obwohl »nur« etwa 150 Tage gedreht wurden. In der gleichen Zeit würden etwa siebeneinhalb Tatort-Folgen produziert, deren Sendelänge doppelt so lang ist. Natürlich könnte man so einen Naturfilm auch in kürzerer Zeit drehen, aber das ginge zu Lasten der Qualität, wie Jürgen Eichinger sagt.


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