Technologie und Medienrealisation in Film und Video





IBC 2015 AMSTERDAM TEIL 1 | MESSEBERICHT    Ausgabe 11-12/15

Zurück in die Realität

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Der IBC2015 Conference Prize ging in diesem Jahr an Andrew Cotton und Tim Borer von BBC Research & Development für ihren Vortrag »Ein Display-unabhängiges Fernseh-System für High Dynamic Range«. HDR war das Thema, über das man in diesem Jahr fast auf jedem Stand mit Ruodlieb Neubauer sprach.

 

In der EBU spricht man bei der Einführung von UHD mittlerweile nicht mehr nur von den Phasen eins und zwei. Letztere soll ja mit höherem Dynamikumfang und höheren Frameraten kommen. Irgendwann im Jahr 2017 soll es jetzt noch eine Phase 1+ geben, die den höheren Dynamikumfang früher als die höhere Framerate einführt. Angesichts der rasanten Entwicklung(svorschläge) in der Branche stellt sich die Frage, wer den größten Innovationsdruck hat, um da mitzuziehen. Dieser liegt im ersten Augenschein weniger bei den Öffentlich-Rechtlichen, deren Publikum kaum in Richtung hoher Auflösung drängen wird.

Im Gegensatz zur Einführung von HD ist bei 4K die Consumerindustrie den Broadcast-Profis um einiges voraus. Auf der Pressekonferenz von SES (Astra) wies Ferdinand Kayser, CCO von SES, darauf hin, dass die Preise von HD-Monitoren damals – eigentlich ist es noch gar nicht so lange her – bei etwa 30 000 Euro ­ihren Sinkflug begonnen haben. Einen Sinkflug legen auch die Preise von 4K-Monitoren hin. Allerdings ist dieser steiler, und begann bereits bei etwa 8000 Euro. Die Konsumenten werden bald ganz einfach 4K-Monitore kaufen, weil sie eben da sind. Am Anfang wird es noch kaum 4K-Signale geben, aber die Skaler sind heute um einiges besser als bei der (digitalen) Einführung von HD. Die ersten werden wohl Spartenkanäle sein. So überträgt SES z.B. den in New York beheimateten Modekanal Fashion One 4K als ersten gobalen UHD-Kanal über seine its-Satelliten in Nord- und Südamerika sowie in Europa. Dass bald mehr folgen wird, ist er sich ganz sicher.

Wenn sich die Öffentlich-Rechtlichen zurücklehnen, so ist dies einerseits in deren Einkommensstruktur begründet, andererseits macht es ja auch nicht viel Sinn, in eine Übertragungskette für 4K mit 25 Bildern/s zu investieren, wenn schon jetzt erkennbar ist, dass es weiter hinauf gehen muss. Mit der höheren spatialen Auflösung leiden eben alle Bewegungen und bewegte Bildelemente unter einer viel größeren Bewegungsunschärfe. Man kann sich also ziemlich sicher ausrechnen, dass bei 4K/25p in ein, zwei Jahren der gleiche Effekt wie bei HD-ready eintreten wird.

Doch nur wer über die gesamte Sendekette bestimmen kann, hat auch die Möglichkeit, relativ schnell auf einen 4K-Zug aufzuspringen. Bei den Broadcastern ist das hierzulande praktisch nur Sky. Dort ist es durchaus wahrscheinlich, dass Sport-Begeisterte auch noch etwas mehr für ein 4K-Abo bezahlen. Wenn sie z.B. ein Fußballspiel mit einer Stadion-Totalen in der unteren oder oberen Bildschirmhälfte besser »lesen« können. Aber schon bei 4K-Kinofilmen könnte es einen Preiskampf mit Amazon, Netflix und Konsorten geben. Wobei man bei der Übertragung mit zwei Nadelöhren rechnen muss: kompressionsbedingt zum Monitor, und durch das menschliche Sehvermögen bedingt vom Monitor ins Gehirn des Zuschauers.

Ein schönes Beispiel für die doch nicht so ganz vernachlässigbaren physikalischen Gegebenheiten konnte man am Stand von Samsung verfolgen: Hatte man im vorigen Jahr noch einige ziemlich bewegungs-unscharfe Bilder und viel Time-Lapse-Material auf ­einer Monitor-Parade, so prägten in diesem Jahr zwei große ­Exemplare den Stand: einer mit eindrucksvollen Aufnahmen (und weniger eindrucksvoll, aufgeblasenen Farben), deren Bewegung hauptsächlich aus leichten Schwenks in der Vertikalen und Zooms ins Bild hinein bestanden. Beim Fraunhofer Institut konnte man übrigens u.a. dabei zuschauen, wie still sitzende Models mit Farben besprüht wurden. Da freute sich der HEVC-Codec. Und der andere große Monitor? Den sehen sie im Artikel auf der zweiten Seite. Da fragen sich nicht wenige Broadcaster, wo der größere Qualitätssprung wirklich steckt, der ja notwendig ist, um bei den ­Anwendern den »Will-auch-haben-Reflex« auszulösen.


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