Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Berlinale 2016 | FestivAlBERICHT    Ausgabe 03/16

Route 66

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»Das Recht auf Glück« war Thema der 66. Berlinale. Und das ist ein weites Feld. Auch Sonja M. Schultz suchte nach großen Momenten und bleibenden Eindrücken – im Kino und außerhalb.

© Sonja M. Schultz

© Sonja M. Schultz

»It’s nice to be boss«, freute sich Meryl Streep über ihre Jury-Präsidentschaft bei den 66. Internationalen Filmfestspielen Berlin. Tatsächlich füllte die dreifache Oscar-Preisträgerin und Besitzerin eines Goldenen ­Ehrenbären ihr Amt so souverän aus wie sonst ihre Filmrollen. Und Festivalleiter Dieter Kosslick brachte den Spagat, den die Berlinale als größtes Publikumsfestival der Welt jedes Jahr von neuem unternimmt, in typischer Art auf den Punkt: »Wir wollen es nicht nur auf dem Roten Teppich krachen lassen, sondern auch der gesellschaftlichen Situation gerecht werden.« Das versuchten die Programmmacher, indem sie in den verschiedenen Sektionen sehr unterschiedliche Aus­einandersetzungen mit Flucht, Krieg und Migration ­unterbrachten. Allen voran Gianfranco Rosis Wett­bewerbsbeitrag »Fuocoammare«, der die Normalität des Ausnahmezustands auf Lampedusa dokumentarisch beobachtet: bis hin zu den Toten, die die Fluchtbewegung nach Europa am laufenden Band produziert.

Tempo und Stillstand

Wie immer präsentierte der Internationale Wettbewerb eine bunte Mischung aus solidem bis großartigem Schauspielerkino (Isabelle Huppert in »L’avenir« von Mia Hansen-Løve, Sandrine Kiberlain in André ­Téchinés »Quand on a 17 ans«), außereuropäischen Gesellschaftsportraits (»Inhebbek Hedi« von Mohamed Ben Attia, »Soy Nero« von Rafi Pitts), Historiendrama mit Nazis (»Alone in Berlin« von Vincent Perez) und ohne (»Cartas da Guerra« von Ivo Ferreira). Dazu stand der gut gelaunte Kommunen-Alltag eines Thomas VinterbergKollektivet«) neben Yang Chaos Studie in Magie und Langsamkeit (»Chang Jiang Tu«) oder dem achtstündigen experimentellen Außenseiter »Hele sa Hiwagang Hapis« von Lav Diaz, der seine Filme lieber als Gemälde verstanden wissen möchte.

Für Erholung und Tempo sorgte Spike Lees »Chi-Raq« (außer Konkurrenz). Das von Amazon produzierte Energiebündel von Film mischt wilden Tanz und Rap mit klassischer Vorlage, siedelt die altgriechische ­Komödie Lysistrata im von Gangs beherrschten Chicago an und führt seine utopische Friedensbewegung mit dem Schlachtruf an: »No peace, no pussy!«

Der traditionell kritische Blick auf die deutschen Wettbewerbsbeiträge blieb diesmal an genau einer Produktion hängen: »24 Wochen« von Anne Zohra Berrached. Die 1982 in Erfurt geborene Berrached (»Zwei Mütter«) gab sich angesichts des Berlinale-Trubels gelassen. In ihrem Diplomfilm bricht eine existentielle Entscheidung über eine bislang perfekt funktionierende deutsche Wohlstandsfamilie herein: Das Kind im Bauch von Astrid (Julia Jentsch) hat den Gendefekt Trisomie 21. Und einen schweren Herzfehler. Soll sie sich für oder gegen eine Spätabtreibung entscheiden?


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