Technologie und Medienrealisation in Film und Video
DIE DREI MUSKETIERE S3D | PRODUKTIONSBERICHT    Ausgabe 10/11

Zurück in die Zukunft

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Was modernes Unterhaltungskino der klassischen Vorlage von Alexandre Dumas Spektakuläres abgewinnen kann, zeigt Paul W.S. Anderson mit seiner Neuverfilmung »Die drei Musketiere 3D«. Das europäische Großprojekt der Constantin Film entstand in Stereo3D-Technik mit deutsch-kanadischem Team an hiesigen Originalschau‧plätzen und in Studio Babelsberg. Romain Geib beschreibt DoP Glen MacPhersons Erfahrungen mit der bei Drehbeginn brandneuen ARRI Alexa an der Zeitenwende zum digitalen Eventkino.

 

Was vorigen Sommer gesät wurde, gedeiht uns in diesem Herbst zur fülligen Ernte. Das letzte Jahr war ein Boomjahr für die stereoskopische Kinoproduktion. Fast zeitgleich entstanden weltweit eine Reihe größerer Kinofilmvorhaben in S3D-Technik. Martin Scorsese erzählte in Londoner Studios die Geschichte von »Hugo Cabret«, die Disney-Produzenten schickten ihre »Piraten« ein viertes Mal in die Karibik und in Deutschland machte sich »Wickie« erstmals in dritter Dimension auf große Fahrt.

Auch Alexandre Dumas´ »Die drei Musketiere« tummelten sich an süddeutschen Originalschauplätzen, raumgreifender denn je. Regisseur Paul W.S. ‧Andersons zeitgemäße Aufbereitung des Stoffs ‧beschert uns Helden, die mit ihrer Mission eigentlich mehr Geheimagenten als Musketiere sind, so eine Art »James Bond im 17. Jahrhundert« meint Constantin-Produzent Robert Kulzer. Klassische Unterhaltungs‧literatur als Agentenfilm erzählt, das passt auch zur jüngeren internationalen Zielgruppe eines S3D-Abenteuerfilms.

Mit geschätzten 100 Mio. Euro Herstellungskosten, der wohl teuersten europäischen Produktion der letzten Jahre, spielt »Die drei Musketiere« auch in der weltweiten Kinowelt in der Spitzenliga. Die Dreharbeiten an Originalschauplätzen zählten zweifellos bisher zu den aufwendigsten in Deutschland. Nicht ohne gewissen Stolz möchten die Produzenten ihr Vorhaben als originär europäische Koproduktion verstanden wissen, als Zusammenarbeit der Constantin Film mit ihrem britischen Partner Jeremy Bolt von Impact Pictures, einer Tochtergesellschaft der Constantin, zusammen mit der französischen NEF Productions und New Legacy aus USA.

Robert Kulzer hat für Constantin Film mit Paul W.S. Anderson bereits wiederholt erfolgreiche Sequels der Constantin-Franchise »Resident Evil« produziert. Ebenso Eichinger-Nachfolger und Vorstand von Constantin Film & TV, Martin Moszkowicz, der als ausführender Produzent fungiert. »Wir erzählen eine große französische Geschichte, aber ein Engländer führt Regie und gedreht wurde in Deutschland«, amüsiert sich Regisseur Anderson. Er hat sich einen Namen gemacht im actionreichen Kinogenre mit fantastischem Einschlag (»Mortal Kombat«, »Resident Evil – 1/3/4«). Es ist auch diesmal die Mischung, die es macht: das Setting für die Handlung ist ein historisches, obwohl der Film durchaus modern in der Story, im Look, sogar von der Musik und den Kostümen her ist.

Auch sind die Namen auf der Besetzungsliste mit richtigem Augenmaß und europäisch zeitgemäß gewählt, und sorgen, vor allem in den Nebenrollen, für genügend Aufmerksamkeit und Vielfalt: Mads Mikkelsen als Rochefort, Christoph Waltz als taktierender Kardinal Richelieu oder Milla Jovovich als zerstörerische Milady de Winter ebenso wie Orlando Bloom in der Rolle des Herzogs von Buckingham. Direkt aus Deutschland mit dabei Til Schweiger als Graf von Cagliostro, ein Gastauftritt mit Augenzwinkern, wie übrigens auch jener von Nina Eichinger, einst DSDS-Jurorin und Tochter des verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger, als Kammerzofe.

Anknüpfend an das Unterhaltungskino seiner früheren, etwas endzeitlichen Computergame-Welten, hat Regisseur Anderson nichts mit dem klassischen »Degen-und-Mantel«-Film im Sinn. Er braucht kraftvolle, spektakuläre Konstellationen, klare Protagonisten und Antagonisten, ein Universum des Abenteuers, der Gefahren und der Spannung, wo stets alles auf dem Spiel steht. Die frei nach Dumas imaginierten Situationen und Bilder dazu scheinen aus Comicwelten entsprungen. Dank gelungener Stereoskopie werden sie für den Zuschauer zum immersiven raumgreifenden Spektakel, in dem einem vor grandioser Kostüm- und Ausstattungsschönheit fast die Augen übergehen.
Für Andersons Bildgestalter, dem Kanadier Glen MacPherson (»Rambo«, »16 Blocks«), sind »Die drei Musketiere« die dritte größere S3D-Produktion nach »Final Destination 4« (2009) und »Resident Evil 4: ‧Afterlife« (2010). Es ist auch seine dritte Zusammen‧arbeit mit dem rastlosen Briten.

PACE-3D-System

Für die Dreharbeiten von »Die drei Musketiere« hatte Glen MacPherson die ihm vertraute S3D-Technologie von PACE aus Amerika mitgebracht. Er hatte bereits für den Blockbuster »Resident Evil 4: Afterlife« das PACE S3D-System samt Fusion 3D Rigs erfolgreich eingesetzt und schnell gelernt, damit umzugehen. Ent‧wickelt worden war das System einige Jahre zuvor von S3D-Pionier Vince Pace für James Camerons Film »Avatar« und seitdem fortlaufend verbessert worden. Bis dahin hatte DoP Glen MacPherson mit der Sony F23, dann mit der Sony F35 am S3D-Rig gearbeitet. MacPherson: »Es war Vince Pace, James Camerons Stereo-Spezialist bei »Avatar«, der uns die neue Alexa empfahl. Er beschrieb die Kamera als einen echten »game-changer« mit entscheidenden Vorteilen gerade für die stereoskopische Aufnahme.«

Wegen des enormen Interesses seien vor Drehbeginn von »Die drei Musketiere« einfach keine Kamerabodies für Tests verfügbar gewesen. Aber Kamerakollege Bob Richardson (ASC) hatte bereits im Hinblick auf Martin Scorseses S3D-Projekt »The Invention of Hugo Cabret« die Gelegenheit zu ersten Testaufnahmen gehabt. Für Glen MacPherson, der sich Richardsons Tests anschauen konnte, waren die Aufnahmen aussagekräftig genug, um dem Einsatz der Alexas sofort zuzustimmen. Glen MacPherson: »Der Sprung in Sachen Kontrastumfang war beachtlich und die Kamera konnte extreme Highlights bestens verkraften: helle Bildpartien oder Fenster können praktisch nicht mehr ausbrennen, ebenso Flammen bei Feuerfackeln – von denen wir im Film ja viele im Bild hatten.« Neben dem Belichtungs- und Kontrastumfang hätte sich die Empfindlichkeit der ‧Alexa einfach als unschlagbar erwiesen. »Erst kurz vor Drehbeginn trudelten die ersten Alexas schließlich paarweise ein, und als wir dann loslegten, hatten wir vier Paar zusammen, weitere folgten.«


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