Technologie und Medienrealisation in Film und Video
VADIM GLOWNA | NACHRUF    Ausgabe 04/12

An ocean of motion

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Wertvolle Lebens- und Berufserfahrung sammelte Vadim Glowna schon sehr früh u.a. als Seemann, Hotelpage, Taxifahrer, Schlagzeuger und Journalist, bevor er die Schauspielschule in Hamburg besuchte. Erste Theaterarbeiten folgten ab 1961 bei Gustav Gründgens, Peter Zadek, Wilfried Minks, Peter Palitzsch und Heiner Kipphardt. Romain Geib zum Tod eines Desperados.

 

Bereits als junger Mann flüchtete er aus seiner Trennungsfamilie und der Enge seiner holsteinischen Heimat, der Kreisstadt Eutin, nach Paris, wo er bald wohnungslos als Clochard das Leben unter den Brücken der Seine sowie im Süden Frankreichs kennenlernte. Eine Episode, die er später in seinem Buch »Geschichtenerzähler« schildert. Die dabei gewonnene pralle Portion Lebenserfahrung jenseits akademischer Kunst­welten habe ihn nach eigenem Bekunden nachhaltig geerdet und emotional geprägt. Gleichzeitig dürfte sich dem hochsensiblen Menschendarsteller in jener Zeit ein schier unerschöpfliches Repertoire schicksalsgeprüfter Menschentypen erschlossen haben, die ihn – einmal zu Rollen geformt – wie Geister, fortan Zeit seiner Karriere nicht mehr losließen.

Auch der Filmtitel seiner 1981 entstandenen ersten Regiearbeit für’s Kino »Desperado City«, eine düstere Großstadtballade im trostlosen Hamburg, steht buchstäblich für die unter die Haut gehende Hoffnungslosigkeit, mit der er viele seiner Rollen als Grundton bis in die Gegenwart anlegte.

Glowna blieb dabei immer der Außenseiter, der Verlierer, die gebrochene Figur, und als solches, ein kantiger Charakterkopf für Bösewichte, auch im deutschen Fernsehkrimi. Mit unverwechselbar heiserer Stimme, seinem leicht stockenden Sprachduktus und den verlorenen Augen, die an Peter Lorre erinnern, ­verlieh er dem Tschechowschen seiner Charaktere Verletzlichkeit und zuweilen auch unendliche Traurigkeit. Und wie das Leben so spielt, sollte er im Jahr 1967 plötzlich durch die Ehe mit Vera Tschechowa, der ­Enkelin von Olga Tschechowa und Urgroßnichte Anton Tschechows, ausgerechnet der Familie des großen russischen Dramatikers angehören.

Glowna spielte in all den Jahren in über 160 Filmen u.a. an der Seite von Romy Schneider, Klaus Kinski und unter US-Kultregisseur Sam Peckinpah (»Steiner – Das Eiserne Kreuz« sowie Altmeister Claude Chabrol (»StilleTage in Clichy«, 1990). Mit Ehefrau Vera Tschechowa gründete Glowna 1980 die Münchner Produktionsfirma Atossa-Film und realisierte mehrere eigene Filmprojekte, bis 1990 die Trennung erfolgte.

Beim Kinoregiedebüt »Desperado City«, das er mit 40 Jahren Anfang der Achtziger drehte, gehörten zum eingeschworenen Mitarbeiterteam Thomas Mauch als Kameramann, Rainer Klausmann (»Der Untergang«) war Kamera-Assi und Matti Geschonnek übernahm damals die Ausstattung und Requisite – heute alles gestandene Qualitätsgaranten des deutschen Filmschaffens.


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