Technologie und Medienrealisation in Film und Video
NAFTI GHANA | AUSBILDUNG    Ausgabe 04/12

Freud und Leid mit einem Monster

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Die Ausbildung von Filmemachern ist teuer. An Ghanas Filmhochschule, dem National Film and Television Institute (NAFTI), kämpft man um die Qualität der Studiengänge und um internationale Anerkennung – mit deutscher Hilfe. Gabriele Mehling berichtet über die Entstehung und die heutige Situation des NAFTI.

 

Accra (Ghana). Der Stadtteil Cantonment ist ein hübsches Viertel. Die Straßen sind etwas sauberer und breiter als anderswo in der Stadt, Villen sind von großzügigen Gärten umgeben und eine Reihe diplo­matischer Vertretungen und ausländischer Stiftungen haben hier Quartier bezogen, darunter die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Goethe-Institut. Es gibt ein kleines, feines Hotel und im vornehmen Restaurant ­Captain Hook könnte man einen Pelzmantel tragen. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren.

Aber wie überall in Accra wird der erste Eindruck sofort von einer anderen Realität durchbrochen. Aus dem Schatten einer heruntergekommenen Bauruine läuft geduckt ein Mann auf eine junge Frau zu, die telefonierend die Kakramadu Road entlang schlendert. Er packt sie von hinten, bedroht sie mit einer Pistole. Doch sie wehrt sich, schreit, schlägt um sich und es gelingt ihr, sich loszureißen, ihm mit ihrer Handtasche die Waffe wegzuschlagen, ein Schuss löst sich, sie rennt davon. »Danke, du brauchst nicht so weit zu laufen, nur ein paar Meter, dann bist du aus dem Bild«, ruft jemand aus dem Hintergrund. Die Szene ist ­gestellt, Teil eines Workshops, der am National Film and Television Institute (NAFTI) stattfindet. Zwei erfahrene Filmpraktiker, der Regisseur Peter F. Bringmann und der Kameramann Axel Block, sind mit Unterstützung des Goethe-Instituts im Herbst 2011 nach Ghana gefahren, um hier 32 der 167 Studierenden zwei ­Wochen lang die Praxis der Regie- und Kameraarbeit nahe zu bringen.

NAFTI kann diese Hilfe gut gebrauchen. 1978 mit Hilfe der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gegründet, hat sie nach einer kurzen Blütezeit eine lange Durststrecke hinter sich. Die Bauruine, von den Studenten »Monster« genannt, sollte einst das neue Schulgebäude ­werden. Mit dem Bau wurde kurz nach der Gründung begonnen. Die FES schoss einen Großteil der Kosten zu, unterbrach aber Anfang der 80er Jahre für fünf Jahre ihre Tätigkeit in Ghana; als sie 1987 ihre Vertretung wieder eröffnete, wurde das Programm zur Unterstützung der Filmschule nicht erneuert und an dem halbfertigen Gebäude nicht mehr weitergearbeitet. Seitdem steht der Rohbau da und wird nun für andere Zwecke genutzt: Eine Familie hat sich mittels einiger Holzplanken einen privaten Bereich eingerichtet und wird von der Schulleitung geduldet. Denn sie versorgt an einer kleinen offenen Kochstelle die Studenten mit billigem Mittagessen und verhindert, dass andere, weniger friedliche Gäste sich hier einnisten. Und natürlich kann das Monster als Kulisse für Dreharbeiten genutzt werden.


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