Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Pferde im Nebel | PRODUKTIONSBERICHT    Ausgabe 04/12

Pferde im Nebel

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Im fünften »Heimatkrimi« des Bayerischen Rundfunks spricht man Oberfränkisch. Sonja M. Schultz unterhielt sich mit DoP Kay Gauditz über den 16mm-Western »Bamberger Reiter«.

 

Eine neblige Wiese vor weitem Himmel. Das dumpfe Schlagen der Hufe kommt näher. Ein reiterloses Pferd galoppiert vorbei, auf dem Rücken den leeren Sattel. Ein Bild wie aus einem Traum – oder ist das jetzt schon Hinweis auf ein Verbrechen? Kommissar Haller ­(Thomas Schmauser) hat in letzter Zeit merkwürdige Visionen, fast ein wenig wie FBI-Agent Dale Cooper aus »Twin Peaks«, mit dessen trauminspirierter Detektivarbeit David Lynch in den Neunziger Jahren das Übersinnliche ins Serienformat holte. Aber Haller ­ermittelt in Oberfranken, eigentlich ganz bodenständig. »Ich habe von einem Pferd geträumt«, sind seine ersten Worte im Film.

»Bamberger Reiter« heißt die Produktion des BR aus der Fernsehreihe »Heimatkrimi« (Redaktion: ­Stephanie Heckner), die in jeweils unterschiedlichen Regionen Bayerns und in der dazugehörigen Regionalmundart spielt. Zum fünfjährigen Bestehen der Reihe bekommen es Haller und seine Kollegin Sacher (Teresa Weißbach) in Oberfranken mit dem Fall einer toten Westernreiterin zu tun. Die Frau ist vom Pferd gestürzt und von einer Egge durchbohrt worden. Nur ein hässlicher Unfall? Während die bisherigen Regionalkrimi-Episoden wie »Sau Nummer vier« (2010) oder »Föhn­lage« (2011) stark auf – zuweilen recht krachledernen – Humor setzten, schlägt »Bamberger Reiter« nach dem Drehbuch von Peter Probst eine etwas andere Tonlage an. Denn der Kommissar ist in melancholischer Stimmung, seine Mutter ist gestorben. Und stilistisch orientiert sich der in und um Bamberg gedrehte Film von Regisseur Michael Gutmann und Bildgestalter Kay Gauditz am klassischen Format des Western. ­Gutmann und Gauditz kennen sich seit dem Filmstudium in München. Bereits 2008 fiel ihre erste Zusammenarbeit, der Grimme-Preis-nominierte Tatort »Der oide Depp«, aus der üblichen Serienroutine heraus, da der mit Rückblenden erzählte Film Schwarzweiß-­Material einsetzte.

Ein reiterloses Pferd möglichst poetisch und präzise durchs Bild laufen zu lassen, ist gar nicht so leicht. Zwar lässt es sich mit einem Eimer Möhren oder mit einer außerhalb des Bildes platzierten Stute locken – denn Pferde sind Herdentiere und nicht gern allein –, aber nach ein, zwei Wiederholungen haben die vier­beinigen Protagonisten oft keine Lust mehr. Noch schwieriger wird es, wenn die Kamera neben dem ­galoppierenden Tier herfahren soll. Dabei folgt es einem vorweg preschenden Pferd, das von einem Trainer geritten wird. »Das Spielpferd interpretiert die Situation aber als Wettrennen und versucht sofort, den Trainer zu überholen«, erzählt Kay Gauditz. Und so wurde der oben beschriebene einsame Galopp durch den Nebel zur schwierigsten Szene des Films – eine Heraus­forderung auch für Tiertrainer Bernhard Schirmer, der schon in »Die drei Musketiere« (2011) die Hufe hat ­fliegen lassen.


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