Technologie und Medienrealisation in Film und Video
NAB 2010 T1 | MESSEBERICHT    Ausgabe 06-07/10

S3D-Ready

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Es sind nicht die Augen, es ist S3D. Wer dieses Jahr über die NAB Convention in Las Vegas lief, dem kam dieser Gedanke beim zufälligen Blick auf einen der vielen Monitore wohl des Öfteren. Ruodlieb Neubauer hat für unsere große Berichterstattung wieder viele neue Produkte zusammen getragen.

S3D-Ready

S3D-Ready


Für ARRI war diese NAB wohl die wichtigste in der bisherigen Geschichte der Firma. Hier würde es sich herausstellen, ob die zur IBC präsentierte Alexa – der interne Codename ist der Kamera geblieben – für den renommierten Analog-Kamerahersteller eine digitale Zukunft eröffnet. Mehr als 300 Bestellungen für die Kamera, deren Auslieferung im Juni beginnen soll, allein während der Messe, und 200 weitere bis Redaktionsschluss, haben nicht nur im Hause ARRI ein Aufatmen bewirkt. Anders als zur ibc (siehe unseren Artikel in der PP 11+12/09) gibt ARRI nun einen Dynamikbereich von 13 bis 13,5 Blenden bei einer Basisempfindlichkeit von 800 ISO an. Zur NAB wurde auch etwas über die Workflow-Optionen gesagt: Die Alexa kann sowohl ARRIRAW, unkomprimiertes HD-SDI (neben 4:2:2 eben auch 4:4:4, log oder linear) als auch Apples ProRes als QuitcktimeMOV-Dateien ausgeben. Letztere werden entweder in ProRes 422 (HQ) oder ProRes 4444 auf SxS-Pro-Karten von Sony geschrieben. Zusätzliche Files wie Final Cut Pro XML transportieren Metadaten von der Kamera in FCP, was Automatisierungen ermöglicht (Direct-to-Edit-Workflow). Zur Ton-Synchro- nisation kann dieser nun auf Line-Pegel über einen 5-pin-XLR-Stecker in die Kamera geschleust werden, wo er in die Quicktime-ProRes-Files, in den HD-SDI-Stream oder in die Arriraw-Daten eingebettet wird.

Die gleichzeitig mit den Arriraws generierten ProRes-Daten können auch für einen Offline-Schnitt herangezogen werden. Die per T-Link auf externe oder Onboard-Recorder wie dem S.two OB-1 oder jenem von Codex aufgenommenen Arriraw-Files können danach z.B. mit dem ARRIRAW Toolkit und Conform Tool für Final Cut Pro von GlueTools automatisiert conformed werden (www.gluetools.com). ARRI hat zudem nicht nur seinen ARRIRAW Converter für die neuen ALEXA-Formate erweitert, sondern ein neues ARRIRAW SDK eingeführt, mit dem Partnerfirmen die Debayering- und Bildbearbeitungs-Algorithmen von ARRI in ihre System einbinden können. Eine interessante Auswirkung des SDKs ist z.B., dass man nicht dezidierte Hardware zum Debayering der ARRIRAW-Files einsetzen muss, sondern die Grafikprozessoren auf Karten von Nvidia nutzen kann. Durch deren Parallel-Prozessor-Technologie CUDA ist nun sogar eine Vorschau in voller Auflösung in Echtzeit möglich. Je mehr Firmen – in einigermaßen geordneten Bahnen – an Workflows für die Weiterverarbeitung der Bilder arbeiten, desto breiter wird die Akzeptanz im Markt, desto leichter hat man es als Herstellerfirma. Dies kann durchaus als schönes Beispiel dafür gesehen werden, wie sehr RED die Gepflogenheiten im Markt innerhalb kürzester Zeit verändert hat. Um Probleme mit dem Objektivanschluss bei schweren Optiken ein für allemal zu eliminieren, wird der Mount in der Alexa nun über einen Distanzhalter aus Edelstahl mit dem Sensorhalter verbunden. Erst die gesamte Einheit ist am Gehäuse befestigt. Wenn die schwere Optik etwas verzieht, geht der Sensor mit und bleibt so immer in Position zur optischen Achse. Nicht nur die Steueroberfläche und der SxS-Slot sind auswechselbar, auch der Objektivanschluss: ARRI will noch Versionen für die Standards von Panavision, Nikon und Canon herausbringen. Apple ProRes, Anschlüsse für Foto-Optiken? Der Krieg der Blauen gegen die Roten ist im vollen Gange.

Natürlich hat auch ARRI nicht versäumt zu betonen, dass man mit der Alexa auch in S3D aufnehmen kann. So soll die Elektronik von außen steuerbar sein, sodass im Master-Slave-Modus nicht nur die Kamera-Parameter einfach übertragen werden, sondern auch das Timing zwischen den Kameras funktioniert. Zudem kommt die hohe Empfindlichkeit nicht nur leichteren Optiken mit kleinerem Frontlinsendurchmesser entgegen, sondern auch dem Lichtverlust bei Spiegelrigs. Auch das Bild kann gedreht ausgelesen werden, damit sich am Spiegelrig die Rolling-Shutter-Effekte der Kameras nicht zusätzlich in die Quere kommen. Bis die große Version der Alexa mit optischem Sucher und 4:3-Ausnutzung des ALEV-III-Sensors erscheint, ist die Arriflex D-21 zumindest in dieser Hinsicht das Flaggschiff bei ARRIs Digitalkameras. Man darf allerdings gespannt sein, ob im Markt bei dem gegenwärtigen Preisrutsch bei den High-End-Kameras noch ausreichend Nachfrage für die große ALEXA existiert. Zudem könnte es durchaus ein willkommener Nebeneffekt sein, dass Käufern der D-21 zumindest für eine gewisse Zeit noch ein Alleinstellungsmerkmal erhalten bleibt. Hier ermöglicht übrigens ein Hardware- und Software-Update nun die Aufnahme von 60 Bildern/s in 4:4:4 und Arriraw über den Vierfach-Ausgang. Zusätzlich kann die Empfindlichkeit um eine halbe Blende erhöht werden, wenn die Spiegelblende abgeschaltet und nur mit elektronischem Shutter gearbeitet wird.

Der Workflow über Quicktime-MOV-Files mit Apples ProRes über die SxS-Karten ist sicher praktischer als der datenintensivere Weg über die RAW-Files. Doch wie sieht es mit der Zukunftssicherheit dieses Weges in Richtung Final Cut Pro aus, angesichts der Tatsache, dass Apple mittlerweile nur mehr das 17'-MacBook Pro mit einem ExpressCard/34-Slot ausstattet, und diese Schnittstelle am Mac Pro nicht vorhanden ist? An der Kamera kann man den Bauteil mit dem SxS-Recorder durch ein Gerät für ein anderes Medium jedenfalls austauschen, wenn sich dieses im Markt durchsetzt. Was ist also, wenn Steve die Lust am ExpressCard/34 ganz verliert, weil SDHC geeigneter für den Massenmarkt ist?


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