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WICKIE AUF GROSSER FAHRT | Produktionsbericht    Ausgabe 08-09/11

Großes S3D-Abenteuer

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Am 29.09. kommt mit »Wickie auf großer Fahrt« der erste deutschsprachige Real-S3D-Spielfilm in die Kinos – produziert von der Rat Pack Filmproduktion und im Verleih der Constantin Film. Ruodlieb Neubauer hat sich mit den Erfahrungen bei dieser Vorreiterproduktion etwas näher beschäftigt.

 

Eigentlich wollte Produzent und Rat-Pack-Gründer Christian Becker schon »Wickie und die starken Männer« in S3D produzieren, »aber damals gab es praktisch keine Informationen zu dem Thema. Darum haben wir die Idee wieder fallen gelassen. Bei ›Wickie auf großer Fahrt‹ stand es für uns dann aber fest, dass der Film in S3D gedreht wird. Regisseur Christian Ditter war von der ersten Sekunde an begeistert.«

»Christian Becker rief mich an und fragte, ob ich den ersten deutschen 3D-Realfilm fürs Kino machen will. Ich sagte: Na klar! Dann erwähnte er, dass es ›Wickie auf großer Fahrt‹ sein wird. Wickie ist eine tolle Figur in tollen Geschichten für alle Altersklassen – und ein großes Abenteuer, für das man die 3D-Technik perfekt nutzen kann«, erzählt der Regisseur und Drehbuchautor.

Im Film geht es wieder um den zurückhaltenden aber schlauen Wickie, der ständig unter dem Erwartungsdruck seines Vaters Halvar steht, mutig sein zu müssen. Als Halvar vom Schrecklichen Sven entführt wird, muss Wickie mutiger sein, als es sein Vater je war, um ihn zu befreien – und anschließend den größten Schatz der Welt zu finden.

Als Christian Ditter die Regie von Christian Becker angeboten bekam, wollte er Christian Rein als DoP mit dabei haben. Da zwei der drei Kinofilme (»Vorstadtkrokodile 1 und 2«), die Rein und Ditter zuvor gemeinsam gemacht hatten, ebenfalls von der Rat Pack Film produziert und der Dritte (»Französisch für Anfänger«) von Rat Pack co-produziert worden waren, kannte man einander bereits.

Was sich für Christian Becker in der Vorproduktion geändert hat? »Wir planen normalerweise schon sehr genau, aber bei S3D muss man noch viel mehr Eventualitäten einkalkulieren. Schon sehr bald haben wir gemerkt, dass wir nicht so drehen konnten wie gewohnt – es hätte uns einfach viel zu viel Zeit gekostet. So haben wir versucht, die Auflösungen zu optimieren, also z.B. mit den Kränen und der Steadycam Fahrten zu machen, die gleich mehrere Einstellungen abdeckten – z.B., wo man normalerweise mit Schuss, Gegenschuss und Totale arbeitet, eine Kamerafahrt um die Leute herum.«

Christian Ditter: »In unseren bisherigen Filmen haben wir praktisch alles schon vor Drehbeginn vollständig aufgelöst, mit Storyboard und Shot-Listen. Bei Wickie haben wir auch ein Tiefen-Script gemacht und festgelegt, wie stark der S3D-Effekt sein soll. Wir haben uns überlegt, wo der Zuschauer stärker ins Geschehen hineingezogen wird und wo man ihm Zeit zur Entspannung lässt, wo er sich eher im Bild umschauen kann. Man hat bei S3D eben neue Möglichkeiten, kann sich überlegen, wie man über die Tiefe ein Objekt an den Zuschauer heranbringt, wie nah man emotional an einer Figur ist, oder sich auch von ihr distanziert. Anstatt wie in 2D auf ein Detail zu schneiden, um es hervorzuheben, kann man jetzt einfach den Gegenstand etwas nach vorne holen und so das Auge des Zuschauers dort hin lenken.«

»Wir sind gemeinsam mit dem Stereographen Florian Maier durch das Drehbuch gegangen und haben in drei Stufen Szene für Szene festgelegt, wie stark der S3D-Effekt sein sollte, wie wir damit an welchen Stellen spielen, wie weit der Raum vor oder hinter der Leinwand genutzt werden soll. So haben wir in entspannten Momenten eher ein moderates S3D, bei größerer Spannung wird auch der Effekt stärker«, erklärt Christian Rein.

Auf den Unterschied zur Vorbereitung gegenüber einem 2D-Film angesprochen, meint Christian Rein, dass man dies schlecht direkt vergleichen könne: »Da es der erste große S3D-Kinofilm in Deutschland war, musste der Aufwand vor der Produktion naturgemäß viel größer sein. Auch Rat Pack als Produktionsfirma war bereit, mit den Tests viel weiter zu gehen als sonst üblich. Wir haben uns weltweit mit Stereographen getroffen, die bereits über Erfahrungen aus der S3D-Postproduction verfügten. Normalerweise habe ich bei einem größeren Kinofilm eine Vorbereitungszeit von acht Wochen, in diesem Fall war es fast ein halbes Jahr. Zudem gab es die Alexa am Markt noch gar nicht, als wir uns entschieden, diesen Film darauf zu drehen. Sowohl für S3D als auch mit der Alexa haben wir über ein halbes Jahr verteilt etwa drei Wochen lang getestet.« Bei den ersten Tests mit der Alexa stellte sich für Christian Rein u.a. die Frage, wie die Kamera reagiert, wie sie rauscht, welchen Blendenumfang sie bietet. »Vor der Alexa hatte es keine digitale Filmkamera am Markt gegeben, die mit 35mm vergleichbar gewesen wäre oder vergleichbare Ergebnisse bezüglich der Bildqualität gebracht hätte. Die Alexa ist ein großer Schritt vorwärts in dieser Beziehung.«

Christian Becker: »Für mich war klar, dass wir mit diesem Film eine Vorreiterposition einnehmen würden, dass wir den ersten deutschsprachigen Real-S3D-Spielfilm drehten. Wir haben uns sehr lange mit S3D beschäftigt und Kameramann Christian Rein und Regisseur Christian Ditter auf verschiedene Sets geschickt.« Die beiden waren z.B. bei »Resident Evil IV«, bei »Drive Angry« mit Nicholas Cage, auch »Street Dance 3D« stand auf der Besuchsliste. »Wir haben dann an mehreren Wochenenden in einem Kino alle möglichen verfügbaren Filme angesehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die anderen arbeiten. Dabei sahen wir auch, wie gut ›Drachen fliegen leicht gemacht‹ ist. Obwohl darin gnadenlos z.B. Overshoulder-Aufnahmen vorkamen, die James Cameron bei ›Avatar‹ dem Vernehmen nach noch herausretuschieren musste.« Als Christian Rein und Christian Ditter zum dritten oder vierten Mal in ›Avatar‹ saßen und andauernd miteinander darüber redeten, beschwerten sich die anderen Kinobesucher verständlicherweise ziemlich. »Wir haben uns dann möglichst um eigene DCPs gekümmert, die uns die Verleiher freundlicherweise zur Verfügung stellten. Und wir haben uns die Filme auch ohne Ton angesehen, um über die Effekte zu sprechen«, erzählt Christian Becker.

»Wir haben mit vielen Leuten aus der S3D-Produktion gesprochen. Aber niemand konnte uns garantieren, dass wir die ganze Zeit über jene Leute am Set hätten, die wir haben wollten.« Produktionsbeginn war zwar im Sommer 2010, aber für Produzent, Regisseur und DoP stand bereits im Sommer 2009 fest, dass man möglichst mit deutscher Technologie drehen würde, man wollte unbedingt die Alexa haben – wegen ihrer Bildqualität, die man schon gesehen hatte, und wohl auch wegen der zu erwartenden Stabilität. »Für mich war spannend, dass wir nicht nur einige der ersten Alexa-Modelle hatten, sondern dass wir in S3D auch mit ARRI zusammen entwickeln würden. Schließlich signalisierte uns der geschäftsführende Vorstand von ARRI, Prof. Franz Kraus, dass die Alexas rechtzeitig zum Produktionsstart fertig würden.

Dann kamen wir auf den Stereographen Florian Maier, den wir bereits wegen seiner Stereotec-Rigs kannten.« Der entwickelte zu der Zeit nicht nur an seinen Rigs, sondern drehte gerade auch in Korea einen größeren 3D-Spielfilm. »Das war das Beste, was wir bis dahin gesehen hatten. Für uns war jedoch die große Frage, ob wir das mit ihm auch in der vorgegebenen Zeit hinbekämen, da wir seine Arbeitsweise noch nicht kannten.«

ARRI stattete den gesamten Film aus. Von ARRI Rental kamen die Alexas, die Rigs, das Bühnen- und Licht-Equipment. ARRI Film & TV führte das Digital Intermediate und die Endmischung durch, bei den VFX teilte man sich die Shots mit ScanlineVFX. Florian Maier war gerade bei ARRI, weil man dort kurz zuvor ein 3D Live Rig und ein Side-by-Side Maxi von Stereotec gekauft hatte. Da kam zufälligerweise Christian Rein vorbei, der einige Dinge für den Film besprechen wollte. Es entwickelte sich ein Gespräch zwischen den beiden, das wohl etwas länger gedauert haben dürfte.

Nach diesem ersten Kontakt kam man im Laufe der Untersuchungen für den Film u.a. zum Schluss, dass das 3D Live Rig wohl für einen Remote-Head zu groß sein würde. Florian Maier entwickelte daraufhin in kürzester Zeit das 3D Mid Size Rig, das für Kameras wie die Alexa, Phantom, RED, Epic usw. konzipiert war. Es sollte einerseits so klein und leicht sein, dass es auf einem Kran eingesetzt werden konnte, andererseits sollte noch ziemlich weitwinkelig bei relativ großer Stereobasis gearbeitet werden können. Christian Rein drehte dann zwar mit den LWZ-1, auf das Rig hätten jedoch auch 16mm-Masterprimes gepasst. Während dieser Zeit drehte Florian Maier in Korea eine internationale Spielfilmproduktion und hatte kurz davor in China eine Produktion für die Expo 2010 in Shanghai (siehe PP 05/10) begleitet. Dieses praktisch taufrische Material sahen sich die Wickie-Verantwortlichen an und als sie hörten, wie viele Shots dabei pro Tag gedreht worden waren, wussten sie, dass sie ein Problem weniger hatten.

Zu Beginn der Vorbereitungen gab es laut Christian Rein in Deutschland noch kein funktionierendes komplett fernsteuerbares S3D-System, das an die Anforderungen einer Spielfilmproduktion angepasst war: »Als wir die damaligen Systeme ausprobierten, konnte man vieles damit noch gar nicht machen. Da war das Rig von Stereotec ein großer Schritt. ARRI hat dann die Motorisierung und die Metadatenaufzeichnung in kürzester Zeit möglich gemacht. Aber davon wurde einiges erst in der letzten Woche vor Drehstart fertig, manches ging noch in die erste, zweite Drehwoche hinein.«


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