Technologie und Medienrealisation in Film und Video
50 Jahre Oberhausener Manifest | FILMHISTORIE    Ausgabe 05/12

Wie 26 Kurzfilmer vor 50 Jahren die deutsche Filmbranche veränderten

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Vor 50 Jahren riefen 26 junge Filmemacher und Produzenten mit dem Oberhausener Manifest zu einem Wandel in der Filmbranche auf. Die von dem Aufruf »Der alte Film ist tot – Wir glauben an den neuen« ausgelöste Diskussion führte in den nächsten Jahren zu einem grundlegenden Wandel bei der Filmproduktion und zu der Aus¬bildungs- und Förderlandschaft, wie man sie heute kennt. In München wurde nun in zwei Veranstaltungen im Filmmuseum und der HFF an diese Geburtsstunde des »Neuen Deutschen Films« erinnert. Georg Immich war vor Ort und sprach mit den noch lebenden Protagonisten.

Die Filmbranche erlebte ihr '68 schon sechs Jahre früher und nicht durch Proteste auf der Straße, sondern bei einer gesitteten Pressekonferenz während der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage, zu der alle designierten »Revoluzzer« in Schlips und Anzug erschienen. Ende Februar 1962 versammelten sich im großen Saal der VHS Oberhausen nicht nur Regisseure wie Haro Senft, Edgar Reitz und Alexander Kluge, sondern auch spätere Produzenten wie Peter Schamoni, Rob Houwer und Boris von Borresholm. In der bunten Truppe waren außerdem noch mit Fritz Schwennicke und Wolf Wirth zwei Kameraleute, mit Hans Loeper ein Filmmusikkomponist sowie mit Christian Doermer (Das Brot der frühen Jahre) sogar ein Schauspieler zu finden. Die Gemeinsamkeit der Gruppe war, dass sie bis auf wenige Ausnahmen alle in München lebten und bisher keinen Einstieg bei der Nachkriegs-Filmindustrie hatten finden können. »Bei all den Versuchen, in den Jahren vorher eine Assistentenstelle zu bekommen oder mal hinter die Kulissen zu blicken, waren die Türen zu,« ­berichtet Edgar Reitz (»Mahlzeiten«, »Heimat«) von ­seinen Erfahrungen mit der Altbranche. Im Nachhinein findet er sogar Verständnis für ihr Verhalten. Denn »die Leute, die bei der UFA gelernt hatten, waren noch recht jung. Die waren selber noch Nachwuchs.« Aufgrund von Krieg, Wehrdienst und Gefangenschaft hatten sie sich noch nicht selbst verwirklichen können und ­eigentlich »das Gefühl, das Leben geht erst los.«

Da ein Einstieg bei den großen Produktionsfirmen nicht möglich war und es in Westdeutschland keine Filmhochschule gab, machte der Nachwuchs seine ersten filmischen Schritte in der Regel beim Industrie- oder Werbefilm und vor allem beim Kurzfilm, der ­damals noch eine gewisse wirtschaftliche Grundlage hatte. Denn erhielt ein Kurzfilm von der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden ein Prädikat wie »Besonders Wertvoll«, konnte man ihn so gut wie sicher an einen Filmverleih verkaufen. Verleiher und Kinos waren an diesen Kurzfilmen mit Prädikat sehr interessiert, weil sie dann auf ihre Umsätze weniger oder auch gar keine Vergnügungssteuer zahlen mussten. So hangelte sich in München ab Mitte der Fünfziger Jahre eine kleine Gruppe von Nachwuchsfilmern von Projekt zu Projekt.


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