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63. BERLINALE | FESTIVALBERICHT    Ausgabe 04/13

Bärenpolitik

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Auch 2013 brummt die Berlinale und wächst der European Film Market. Sonja M. Schultz über ein Festival mit ungeschminkten Diven, harten Einblicken und einem subversiven Hund.

Isabelle Huppert als lesbische Ordensschwester, ein schwuler Priester im streng katholischen Polen, Juliette Binoche im Irrenasyl und ein iranischer Film, den es eigentlich nicht geben darf – das Internationale Wettbewerbsprogramm der 63. Berlinale hatte Vielversprechendes zu bieten. Mittendrin trat zwar – huch – der Papst zurück, doch zehn Tage lang gab es bei trübstem Berlinwetter und fast 300 000 verkauften Tickets Wichtigeres. Nämlich: Filme, Filme, Filme. Die Arbeitsteilung ist dabei klar: Ein paar groß budgetierte Werke prominenter Regisseure wie diesmal etwa Steven ­SoderberghSide Effects«), Gus Van SantPromised Land«) oder Bille AugustNight Train to Lisbon«) sorgen für gewisses Starappeal und locken Schauspieler wie Matt Damon, Jeremy Irons und ­Jude Law in die Stadt. Diese Produktionen sind allerdings dramaturgisch doch recht vorhersehbar. Spannenderes kommt dann aus dem östlichen Europa, aus Korea oder Kasachstan. Eine dieser kleineren Produktionen, die oft unter dem Radar der Kritiker läuft, wird am ­Ende den Goldenen Bären gewinnen – so wie in diesem Jahr der rumänische Beitrag »Child’s Pose« von Cãlin Peter Netzer. Es ist eine Geschichte mit universellem Konflikt: den Schwierigkeiten eines jungen Mannes, sich von seiner Mutter zu lösen. Persönliche Erfahrungen haben beim Drehbuchschreiben durchaus eine Rolle gespielt, gestand der Regisseur.

 Auch die Diven des europäischen Arthouse-Kinos dürfen auf der Leinwand nicht fehlen. Catherine ­Deneuve geht in Emmanuelle Bercots »Elle s'en va« Zigaretten holen – mit den üblichen Folgen. Juliette Binoche verkörpert in Bruno Dumonts ganz karg und klar inszeniertem »Camille Claudel 1915« die in ein Heim für Geisteskranke gesperrte Künstlerin und agiert unprätentiös und ungeschminkt gemeinsam mit behinderten Laiendarstellerinnen. Und Isabelle Huppert gibt die heftig entflammte Mutter Oberin in »Die Nonne« von Guillaume Nicloux – einem Film, der durchaus Trashappeal entfalten könnte, würde in ihm nicht so ernsthaft arg gelitten. Im restlichen Wettbewerbs-Programm ist dann für jeden was dabei: vom Höhlenmenschen-Animationsfilm »The Croods« (Kirk ­DeMicco/Chris Sanders), über die dankbar aufgenommene chilenische Tragikomödie »Gloria« (Sebastián Lelio), für den Pauline Garcia als lebenshungrige Endfünfzigerin den Darstellerinnen-Bären erhielt, bis zum Eröffnungsfilm »The Grandmaster« des Jury-Präsidenten Wong Kar Wai für die Fans von Kung-Fu-Kicks in filigran verzierten Schühchen, gefilmt in exquisiter Zeitlupe vor stiebendem Pulverschnee. Als deutsche Produktionen traten Pia Marais’ »Layla Fourie« und Thomas Arslans »Gold« an, letzterer ein von vielen erwarteter Auswanderer-Western, bei dem sich Nina Hoss hoch zu Pferd stoisch durch die kanadische Wildnis kämpft, während ihre Mitstreiter auf der Jagd nach dem Edelmetall, einer nach dem anderen, auf der Strecke bleiben.


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