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Berlinale 2017 | Festivalbericht    Ausgabe 03/17

Lost in Politics

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In Zeiten abnehmender Demokratie muss auch das Kino Stellung beziehen. Oder nicht? Sonja M. Schultz erlebte die 67. Berlinale als Festival zwischen politischem Anspruch, bunter Beliebigkeit und mysteriösen Einblicken in die Welt der Tiere.

 

Was wissen die Tiere, das wir nicht wissen? Im Gewinner des Goldenen Bären, dem Spielfilm »On Body and Soul« der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi, finden zwei Außenseiter in einem Budapester Schlachthaus zueinander, weil sie nachts den gleichen Traum träumen. Darin streifen ein Hirsch und eine Hirschkuh durch den verschneiten Wald. Die Traumwelt bahnt sich 

zunehmend ihren Weg in die Realität. Auch
Agnieszka Holland hat einen Film mit Hirschen gedreht. In »Pokot« (Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis) sieht es so aus, als würden sich die Wildtiere blutig am Menschen rächen, genauer: an den Männern mit den Gewehren. Ein »anarchischer Öko-Feminismus-Thriller« sei ihr Film, sagt Holland. In »Tiere« von Greg Zglinski zerbricht eine Beziehung zunehmend ins Alptraumhafte, nachdem das Paar (Birgit Minichmayr und Philipp Hochmair) auf dem Weg in die Schweiz ein Schaf überfahren hat. Bald begeht ein Vogel Suizid,
eine sprechende Katze mischt sich ein, das Un­bewusste übernimmt die Regie. Nur im schönen Forumsbeitrag »Aus einem Jahr der Nichtereignisse« von Ann Carolin Renninger und René Frölke müssen die Tiere nicht symbolhaft fürs
Archaische im Menschen herhalten. Auf dem Hof des fast 90-jährigen Bauern, den der Dokumentarfilm beobachtet, leben sie autonom (Katzen) und reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist (Gänse). 


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