Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Restaurierungsbericht | Das Wachsfigurenkabinett    Ausgabe 01-02/20

Gegen das Zerfallen

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Am 21. Februar wird die Reihe »Berlinale Classics« mit der Weltpremiere der digital restaurierten Fassung des Stummfilmklassikers »Das Wachsfigurenkabinett« von Paul Leni aus dem Jahr 1924 feierlich eröffnet. Ruodlieb Neubauer hat mit der Restauratorin Julia Wallmüller von der Deutschen Kinemathek über das Projekt gesprochen.

Mit schöner Regelmäßigkeit lesen wir auch in der Professional Production, dass wieder ein großes Restaurierungsprojekt eines Filmes ab­geschlossen werden konnte. Das ist gut und wichtig, aber angesichts der Bedeutung des Kulturgutes Film und des Bedarfes zu selten. Wie wird eigentlich entschieden, welcher Film wann restauriert werden soll? Julia Wallmüller: »Für das Sichern und Restaurieren eines Filmes gibt es mehrere Gründe. Oft muss Material aus dem eigenen Archiv dringend konserviert werden, weil es aufgrund seines chemischen Erhaltungszustandes akut gefährdet ist. Wenn es sich z.B. um Cellulosenitrat-Film handelt, dessen Zustand sich gerade stark verschlechtert.« Dabei komme es unabhängig von der aktuellen Lagerung auch darauf an, wie gut der Film erhalten war, als er ins Archiv kam. Denn der Zerfallsprozess verläuft nicht linear, sondern wird, einmal in Gang gekommen, immer heftiger. Auch bei Zellulose-Acetat-Filmen wird im Lauf der Zeit Essigsäure frei, die in Form des Vinegar-Syndroms zersetzend auf den Film einwirkt.

Neben den konservatorischen Entscheidungen gibt es auch kuratorische. Julia Wallmüller: »Manchmal möchte man einen Film aus einem bestimmten Anlass präsentieren, wie etwa im Zuge des Jubiläums der Weimarer Republik. Der Wunsch, das ›Wachsfigurenkabinett‹ zu restaurieren, besteht schon seit längerem, da es sich hier schlichtweg um ein sehr bedeutendes Werk des deutschen Filmerbes handelt.«

Spätestens seit seiner Würdigung in »Expressionismus und Film« von Rudolf Kurtz neben »Das Cabinet des Dr. Caligari« gilt er als der expressionistische Film der Weimarer Republik schlechthin. Bald nach seiner Uraufführung war er allerdings so gut wie verloren, zeitgenössische Kopien der deutschen Uraufführungsfassung haben nicht überlebt.

Material zum »Wachsfigurenkabinett« findet man in mehreren Archiven weltweit. Für die Abgleiche innerhalb des Restaurierungsprojekts wurden Filmelemente aus dem British Film Institute National Archive (BFI), der Cinémathèque Française, dem Narodni Filmovy Archiv in Prag und der Cohen Collection bei L‘Immagine Ritrovata in Bologna zusammengetragen. Alle Elemente wurden geprüft und auf ihre Relevanz für die Rekonstruktion des Films hin gesichtet.


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