Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Telekom Street Gig James Blunt | Produktionsbericht    Ausgabe 03-04/20

Alleinstellung

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Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie Konzerte wahrscheinlich auch in mittlerer Zukunft aussehen werden, konnte man im Telekom Street Gig mit James Blunt bekommen. Ruodlieb Neubauer sprach mit Dieter Goerke, der als DP und Projektmanager für PMT in Hamburgs Elphie war, wo u.a. ein ferngesteuerter Agito-Dolly auf der Bühne fuhr – geleitet durch eine Monorail.

© Magentacloud / Markus Nass

© Magentacloud / Markus Nass

 

James Blunt in der Elphie. Viele hatten sich schon darauf gefreut, besonders jene, die bei der Telekom-Veranstaltung eine Karte für einen der über 2000 Plätze in Hamburgs Elbphilharmonie gewonnen hatten. Auch die Mitarbeiter von PMT bauten voller Vorfreude am Morgen des 11.03. die Schiene für den Agito-Dolly auf. Plötzlich hieß es, dass das Konzert wohl nicht stattfinden könnte. Corona! Mittlerweile wissen alle, was dies bedeutet. Hoffentlich. Jedenfalls hatte Gesundheitsminister Jens Spahn am Vortag darum gebeten (!), doch bitte Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern abzusagen. Und die Bundesländer kamen der Bitte, zwar unterschiedlich schnell, aber dann doch, nach.

Nach einigem Hin und Her einigte man sich, den Telekom Street Gig wie geplant über die Telekom zu streamen, allerdings ohne Zuschauerinnen (Gender-korrekt nach der jeweiligen Mehrheit). Also keine Probe, kein Zusammenschnitt, sondern ein voller Durchlauf, aber ohne Applaus, ohne ein mitgehendes Publikum, das jeden gestandenen Künstler erst zur Höchstform anpeitscht. Der einzige Einpeitscher für James Blunt: er selbst. Und trotz allem volle Verausgabung. Nach den Stücken: gespenstische Stille im Saal, ein kurzes »Dankeschön«, in die leeren Ränge hinein. Schließlich weiß der Mann ja, dass da draußen Publikum zuschaut. Nur: keine Rückmeldung. Die eingeübte Zwischenmoderation wandelt er zwar etwas ab, aber bei einer Live-Übertragung riskiert man da auch nicht zu viel, besonders, wenn man in der Sprache nicht wirklich »native« ist.

Dieselbe Erkenntnis also wie bei Geister-Fußballspielen: ein Pop-Konzert ohne Publikum ist eben nur ein op-Konzert. Da würde es auch wenig nützen, ein Jubelband einzuspielen oder gar mit Echtzeit-Crowd-Reduplication zu experimentieren, wie man das auch bei der jetzt um ein Jahr verschobenen Fußball-EM wohl hätte machen müssen, bei der PMT wieder mit einigen Movie-Tech-Kränen, Schienendollies und Spidercam im Einsatz gewesen wäre.

Aber auch den Sportlern hätte man es trotzdem angemerkt. Besonders, wenn man mit den Kameras so nahe am Geschehen ist wie hier. Im Saal haben nur etwa 15 Personen das Konzert gesehen – Techniker, Personal.

Ein Durchgang. Keine Wiederholungen. Auch nicht für die Technik. Dazu kam, dass es keine ruhige Vorbereitung auf das Konzert gab. Immer das Damoklesschwert der Absage über allem. Ursprünglich war geplant, den Dolly und die Schiene, wie üblich, innerhalb von zwei Stunden in aller Ruhe aufzubauen. Aber mit der Unsicherheit, ob Absage oder nicht, waren natürlich alle Beteiligten diesmal im Stress.


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