Technologie und Medienrealisation in Film und Video
Visions Du Réel - Nyon (CH) | FESTIVALBERICHT    Ausgabe 05-06/20

Filmfestivals online – funktioniert das?

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Visions Du Réel in Nyon hat sein gesamtes Festivalprogramm ins Internet gestellt. Christine Dériaz hat getestet, wie das funktioniert.


Seit Anfang März ein Filmfestival nach dem anderen abgesagt wurde, gibt es so viele Ansätze, das auszugleichen, wie Absagen. Die Diagonaleleiter Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber haben ein Programm kuratiert, das auf der österreichischen Plattform VOD zu sehen war, kostenpflichtig, wobei ein Teil der Gebühren an angeschlossene Programmkinos fliesst. Crossing Europe in Linz bot Teile des Festivals auf verschiedenen, mit dem Festival verpartnerten Plattformen an. Visions du Réel in Nyon ging einen weiteren Weg: Das gesamte Programm stand kostenlos und online zur Verfügung, und auch die vorgesehenen Preise wurden von den Jurys vergeben.

Filmkultur-Filmwirtschaft

Wie wichtig Filmkultur ist, zeigt sich jetzt besonders deutlich. Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause, was auch heisst: mehr Zeit vor Bildschirmen jedweder Art. Die Filme, die zurzeit im Angebot stehen, sind alle natürlich schon produziert, gedreht, geschnitten, die Anbieter und Zuschauer können aus dem Vollen schöpfen – noch. Denn im Moment wird erst nach und nach unter Auflagen wieder gedreht. Und selbst Fernsehnachrichten warten oft mit sehr handgestrickten Bildern auf. Das alles ist problematisch. Einerseits kann, wenn jetzt nicht oder kaum gedreht wird, demnächst auch nichts Neues mehr gezeigt werden, egal wo, weder im Kino, noch im Öffentlich- Rechtlichen oder auf Streaming-Plattformen. Andererseits sollten sich Zuschauer nicht an die aktuell erheblich eingeschränkte Qualität von Gesendetem gewöhnen, das wäre fatal für die gesamte Branche. Film, egal ob für Kinoleinwand oder fürs Fernsehen produziert, ist eben nicht nur Kunst, sondern auch Wirtschaft, was heisst: Damit wird Geld verdient. Das bedeutet auch: Je weniger etwas kostet, das man ans Publikum bringen kann, umso mehr verdienen die Produzenten, Sender oder sonstige Verantwortliche, bei gleichzeitigen Verdiensteinbußen derer, die die Arbeit handwerklich umsetzen.

Was hat das mit Filmfestivals zu tun?

Für viele Filme, besonders mittellange und/oder Dokumentarfilme sind Festivals oft die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, gesehen zu werden und damit für zukünftige Projekte Geldgeber zu finden. Dass ein abgesagtes Festival also seine Auswahl online zeigt, ist zunächst ein ganz grosser Beweis von Respekt für die Arbeiten der ausgewählten Filmschaffenden. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob es gut ist, Filme gratis zur Verfügung zu stellen. Als Endverbraucher ist man natürlich froh darüber, aber es wird auch eine eng mit dem Internet verbundene Sicht weiter verfestigt: Kunst im Netz ist gratis. Nur, wovon leben dann die Künstlerinnen und Künstler? Und wie lang sind Sponsoren bereit, Geld für eine »Ware« auszugeben, die gratis angeboten wird?


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