Technologie und Medienrealisation in Film und Video





news | Verbände    16.08.2019

Stellungnahme des VDT zur Digitalen Dividende III

Der Verband Deutscher Tonmeister (VDT) gibt seine Stellungnahme zur Verteilung von Funkfrequenzen für Medien und Kultur bekannt.

 

In Abstimmung mit der Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft hat der VDT eine Stellungnahme zur "Digitalen Dividende III" bezüglich des Problems der Vergabe weiterer in der Kultur dringend benötigter Funkbänder an die Mobilfunkindustrie an den Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung (FDP) geschickt, der sich mit einem Fragenkatalog an die Branche gewandt hatte.

 

Diese Stellungnahme veöffentlicht der VDT zur Kenntnis:

 

Sehr geehrter Herr Dr. Jung,

über die Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft (IGVW e.V.) haben wir Kenntnis über ihre Anfrage zu Funkfrequenzen für Medien und Kultur erhalten. Wir freuen uns sehr über Ihr Engagement zu diesem Thema und möchten ebenfalls Stellung nehmen.

Der Verband Deutscher Tonmeister (VDT e.V.) vertritt über 2000 Tonschaffende in ganz Deutschland in Rundfunk und Fernsehen, Musikproduktion, Theater, Film und Beschallung. Für alle diese Sektoren ist ein verlässliches, ausreichend dimensioniertes Funkspektrum existentiell.

 

Zu Ihren Fragen im Einzelnen:

1. Benötigen Ihre Mitglieder für deren Aktivitäten den Frequenzbereich zwischen 470 und 694 MHz, und, falls ja, wozu?

Ja. Szenische Produktionen nicht nur im Musiktheater verlangen seit vielen Jahren eine große Zahl parallel zu nutzender Funkstrecken, und der Trend ist alles andere als rückläufig. Mediale Großevents wie z.B. ein Eurovision Song Contest haben bereits im Kernbereich massiven Bedarf an Spektrum, der durch die vielen gleichzeitig tätigen Sendeanstalten mit jeweils eigener Kommunikationsinfrastruktur noch dramatisch ansteigt.

Aber auch bei kleineren Produktionen wie Musikfestivals sind Funkstrecken unerlässlich. Dazu kommt, dass bei immer kürzeren Produktionszeiten und sinkender Personaldecke zwingend die Arbeitsabläufe rationalisiert werden müssen, und auch dies führt zu einem verstärkten Einsatz drahtloser Übertragungstechnik.

 

2. Könnten Ihre Mitglieder diese Aktivitäten auch mit anderen Frequenzbändern durchführen? Falls ja, mit welchen Bändern?

Nur mit großen Einschränkungen. Je höher die Frequenz, desto stärker die Störanfälligkeit, und desto geringer die Reichweite. Höhere Frequenzen interagieren problematisch mit Konstruktionsbauteilen wie Traversen oder (im Theater) der Ausstattung und benötigen zunehmend direkte Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, was bei szenisch und logistisch komplexen Vorgängen unmöglich zu gewährleisten ist.

Was unter dem Eindruck von ubiquitärer Mobilfunk- und WLAN-Übertragung von Nichtfachleuten oft übersehen wird, ist, dass diese Verfahren mit einer großen Latenz behaftet sind, die eine Verwendung für Musik und Live-Sprachübertragung ausschließen. Im Fall von WLAN kommt erschwerend dazu, dass weder eine minimale Latenz noch eine Mindestbandbreite garantiert werden kann, was das Verfahren für den professionellen Einsatz disqualifiziert.

 

3. Was wären die konkreten Folgen, falls der Bereich zwischen 470 und 694 MHz nicht mehr zur Verfügung stehen würde – ab dem Jahr 2021 oder 2023?

Mittlere und große Veranstaltungen mit einer großen Anzahl Funkstrecken wären mangels Alternativen nicht mehr durchführbar. Dies trifft besonders die Bereiche Musiktheater und Broadcast empfindlich. Um wenigstens einen rudimentären Funkbetrieb aufrechterhalten zu können, wären erneute erhebliche Investitionen erforderlich. Kleine Kultureinrichtungen und Veranstaltungsdienstleister wären davon besonders betroffen, da gerade vor wenigen Jahren im Rahmen der digitalen Dividende I und II neues Material beschafft werden musste, das zum großen Teil noch nicht amortisiert ist.

 

4. Besteht bei Ihnen Bedarf an einem einheitlichen europäischen Frequenzbereich für drahtlose Produktionsmittel?

Definitiv. Idealerweise wünscht man sich natürlich weltweit einheitliche Regelungen.

 

Wir hoffen, dass Ihnen unsere Stellungnahme hilft, sich für Ihre weitere politische Arbeit ein Urteil zu bilden, danken Ihnen für Ihre Bemühungen und verbleiben mit freundlichen Grüßen

i. A. Jörn Nettingsmeier

Vizepräsident des VDT

 

Für Fragen, Kommentare und Anregungen zur Stellungnahme kann Kontakt zu den Vertretern aus den entsprechenden Referaten des VDT aufgenommen werden unter https://tonmeister.org/de



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Ausgabe
August / September 2019

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