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news | Auszeichnungen    09.09.2019

15. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen am Rhein

Nach 19 Tagen mit über 120.000 Besuchern endete am 08.09. das Festival des Deutschen Films Ludwigshafen am Rhein.

Jury und Preisträger des 15. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein © Daniel Wetzel & Edgar Koop

Jury und Preisträger des 15. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein © Daniel Wetzel & Edgar Koop

 

Festivaldirektor Dr. Michael Kötz: „Es ist die bisher beste Ausgabe seit Bestehen des Filmfestivals. Wir sind das zweitgrößte Filmfestival Deutschlands bezüglich der Beliebtheit bei den Besuchern, und das unter über 300 Filmfestivals im Land. Bei uns wird Filmkunst in einer schönen Mischung aus künstlerischer Qualität und Lebensfreude gefeiert, als würden wir uns an einem großen Lagerfeuer der bewegten Bilder treffen, um uns gemeinsam in diese faszinierende Kunst zu versenken."

2019 besuchten das Festival 378 Fachbesucher und 100 Pressevertreter, 20% mehr als im Vorjahr, darunter 79 Produzenten*innen/Redakteure*innen, 48 Regisseure*innen und 107 Schauspieler*innen.

Um das Branchenpotenzial, das jedes Jahr auf der Parkinsel zusammenkommt, für die brennenden Themen zu nutzen, wurden die "Inselgespräche“ vor vier Jahren initiiert. Unter dem Thema "Einzelwerk oder Serie – Wie erhalten wir im radikalen Wandel der Medienwelt dem Einzelwerk seine Geltung in Kino und Fernsehen?“ diskutierten Produzenten, Verleiher, Filmemacher, Autoren, Schauspieler, Weltvertriebsleiter und Redakteure die aktuelle, mediale Lage in Deutschland. Einig war man sich über die Forderung nach einer Strukturreform für die medialen Angebote insgesamt, die die öffentlich-rechtlichen, privaten und digitalen Programme wie auch das Kino einbezieht.

Für die Programmschiene "Weltkino – Internationaler Film“ mit insgesamt 13 Filmen wurden über 10.000 Tickets gelöst. Was im letzten Jahr als Reaktion auf die politische Stimmung in Deutschland als "Horizonterweiterung“ neu ins Programm aufgenommen wurde, ist heute nicht mehr wegzudenken. „Wir sind der Überzeugung, dass es wichtig ist, die eigene Kultur zu schätzen und zu pflegen. Aber wie immer im Leben, geht diese Wertschätzung dann am besten, wenn man den Vergleich mit dem Anderen, in diesem Fall mit anderen Kulturen nicht scheut. Wenn man sehen und erleben kann, wie reich fremde Kulturen sein können, verzichtet man gerne auf jede Überheblichkeit. Diese Möglichkeit bietet die Filmkunst wie kaum eine andere“, so Michael Kötz.

Das "Open-Air-Kino“, das dieses Jahr neun aktuelle Kinofilme zeigte, war laut Festival eine „fast immer ausverkaufte" Ergänzung zu den drei Festivalkinos in der Zeltstadt.

Großen Zulauf hatte auch das "Kinderfilmfest“. Rund 10.000 Kinder (Vorjahr 9.000) nutzten das vielfältige Angebot und bevölkerten schon am frühen Morgen die Parkinsel. Kuratiert wird das Kinderprogramm seit 15 Jahren von Rolf-Rüdiger Hamacher. Höhepunkt ist traditionell die Verleihung des "Goldenen Nils“ durch eine unabhängige Kinderjury. Der Preis wird gemeinsam mit der Rheinpfalz verliehen.

142 Filmgespräche mit den Kreativen vor und hinter der Kamera organisierte das Festival in diesem Jahr. Die von etablierten Filmkritikerin geführten Diskussionsrunden sind ein wichtiger Bestandteil des Festivals. Der Zulauf war dieses Jahr so groß, dass ein zweites Diskussionszelt eröffnet werden musste.

Weitere Highlights des 15. Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein waren die Preisverleihung für Schauspielkunst an Julia Koschitz und Bjarne Mädel, die Preisverleihung des Regiepreises Ludwigshafen an Rainer Kaufmann sowie die Filmpreise für Festivalfilme:

 

FILMKUNSTPREIS:

Der Ludwigshafener Filmkunstpreis wird durch eine unabhängige dreiköpfige Fachjury verliehen. In Frage kommen Kinofilme und Mischformen Kino-Fernsehen, aber auch reine Fernsehproduktionen. Entscheidend ist allein die ästhetische Qualität der Filme. Der Preis ist nicht teilbar. Der Preis ist mit 30.000 € dotiert – 10.000 an die Regie, 10.000 € an die Produktion und 10.000 € an den Kinofilmverleih des Preisträgers. Die Preissumme an den Kinofilmverleih ist eine Unterstützung des Festivals für die Präsentation anspruchsvoller Filme im alltäglichen Kino. Dabei ist es egal, ob ein Kinostart des Preisträgerfilms noch bevorsteht oder schon erfolgt ist.

Preisträger 2019

"Sag Du es mir
Regie & Drehbuch: Michael Fetter Nathansky
Produktion: Wood Water Film in Koproduktion mit Contando Film
Filmverleih: tba.

Begründung der Jury:

Hinter dem etwas rätselhaften Titel dieses Erstlingswerks verbirgt sich eine raffiniert aus unterschiedlichen Perspektiven erzählte, im Plattenbaumilieu der Potsdamer Havelbucht spielende Alltagsgeschichte, die es schafft, den Zuschauer auf ebenso intelligente wie vergnügliche Weise zum Komplizen in einem filmischen Vexierspiel zu machen. Michael Fetter Nathanskys formal erfindungsreiche Umsetzung seines präzise strukturierten Drehbuchs, Leander Otts atmosphärische Kamera und die große schauspielerische Leistung von Marc Ben Puch und ganz besonders von Gisa Flake und Christina Große als starkes Schwesternpaar verbinden sich zu einer Reflexion über die trügerische Eindeutigkeit von Realität und die manifeste Magie des Kinos.

Michael Fetter Nathansky: Das ist unsere Weltpremiere des Films und damit hier zu starten, das ist wunderbar. Ich bin kein Profi für Preise, also muss das Gefühl erstmal bei mir ankommen. Bis jetzt fühlt sich das hier noch sehr traumhaft an. Der Film heißt „Sag du es mir“ und ihr hier in Ludwigshafen habt so viel gesagt und gefragt, das war wunderbar.

 

Lobende Erwähnungen:

"Atlas“, Regie: David Nawrath, Drehbuch gemeinsam mit Paul Salisbury

Begründung der Jury:

Nawraths beeindruckendes Regiedebüt ist die mit Thrillerelementen gespickte psychologische Studie eines gebrochenen Mannes, genial verkörpert von Rainer Bock, der durch eine zufällige Begegnung dazu gebracht wird, seine Lethargie aufzugeben und aktiv Verantwortung für frühere Schuld und gegenwärtige Handlungen zu übernehmen.

 

"Es gilt das gesprochene Wort“, Regie: Ilker Çatak, Drehbuch gemeinsam mit Nils Mohl

Begründung der Jury:

Çataks zweiter Spielfilm erzählt von der Scheinehe zwischen einer erfolgreichen deutschen Frau und einem jüngeren Kurden, die beide von den Konsequenzen ihrer Vereinbarung überrascht und verändert werden. Die gesellschaftliche Relevanz und mutige filmische Umsetzung dieses Stoffes liegen auf höchstem Niveau.

 

 

Publikumspreis "Rheingold“:

Der "Rheingold“ wird als Ludwigshafener Publikumspreis verliehen. Der Preis ist gleichwertig und in gleicher Höhe dotiert wie der Filmkunstpreis des Festivals. In diesem Wettbewerb laufen alle neuen Filme des Programms. Der Preis ist nicht teilbar. Der Preis ist mit 30.000 € dotiert – 10.000 an die Regie, 10.000 € an die Produktion und 10.000 € an den Kinofilmverleih des Preisträgers.

Preisträger 2019

"Crescendo
Regie: Dror Zahavi, Drehbuch gemeinsam mit Johannes Rotter
Produktion: CCC Filmkunst, Alice Brauner, in Koproduktion mit ServusTV, MZ-film, Filmvergnuegen, AVE Publishing und Niama Film
Verleih: Camino Filmverleih

Alice Brauner: Als ich meinem Vater, Artur Brauner, der leider kürzlich verstorben ist, den Film "Crescendo“ gezeigt habe, hat er gesagt: „Leider gut!“ – Und das war ein Kompliment. Dieser Preis ist das tollste, was man überhaupt gewinnen kann, den Publikumspreis. In der Finanzierung haben nicht viele an das Projekt geglaubt, Servus TV aus Österreich hat uns dann gerettet. Ich danke dem Ludwigshafener Publikum, ich danke ihm von ganzem Herzen. Dass der Film bei ihnen so sensationell angekommen ist, hat uns bei der Premiere zu Tränen gerührt. Ich war schon in Cannes, Venedig und auf der Berlinale, aber das ist das schönste Festival ever. Ich danke dem Publikum, denn was sie uns hier gegeben haben, das werde ich zum Anlass nehmen, weiterhin Filme zu machen auch gegen den Strom.“

 

 

MEDIENKULTURPREIS:

Der Medienkulturpreis geht an einen Fernsehfilm, der eine cineastisch besonders gelungene "Kino-Qualität“ hat. Den Preis erhält die verantwortliche Redaktion der Fernsehanstalt, er ist undotiert.

Juror 2019 Hans-Christoph Blumenberg: „Opulent, riskant und visuell intensiv? Die acht bemerkenswerten Filme, die mir vorlagen, waren auf unterschiedlichste Weise all das, aber zwei von ihnen haben mich noch mehr beeindruckt als die anderen.

Der Medienkulturpreis geht zu gleichen Teilen an die Redakteurinnen und Redakteure, die uns zum einen eine wunderbar komplexe, unverschämt witzige, mitunter auch melancholische Tragikomödie beschert haben, von zwei genialen Hauptdarstellern geadelt. Zum anderen ein spannungsreiches Psychodrama, das sich anfangs zu einer weiteren Hommage an das nicht mehr ganz taufrische Schweigen der Lämmer zu entwickeln scheint, sich dann aber peu a peu entpuppt als suspensevolle, abgründige Amour Fou, wie sie sich der große Georges Simenon nicht schöner hätte ausdenken können. Ein Nachtfilm, ein Seelendrama, auch und gerade visuell sehr beeindruckend.“

 

Preisträger 2019

1. "Und wer nimmt den Hund?“, inszeniert von Rainer Kaufmann, geschrieben von Martin Rauhaus, produziert von der Hamburger Relevant Film, redaktionell betreut von Stefan Kruppa und Nadine Becker von der ARD Degeto.

Begründung: "Und wer nimmt den Hund?“ ist eine absolute Rarität im deutschen Gegenwartsfilm, ein radikal komischer, radikal bösartiger Film für Erwachsene, inspiriert möglicherweise von Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe“ wie von den besten Werken von Woody Allen. Martina Gedeck und Ulrich Tukur bleiben als taumelndeStadtneurotiker unvergesslich. Der Film, ursprünglich allein für eine Fernsehauswertung gedacht, ist inzwischen auch im Kino sehr erfolgreich. Das ist ein grosser Erfolg für alle Beteiligten, nicht zuletzt auch für die Redakteure Stefan Kruppa und Nadine Becker.

Stefan Kruppa: Das Festival ist auf dem Weg, mein "In“-Festival zu werden. Der Preis ist eine Ehre. Ich nehme den Preis als Ansporn mit, weil wir tatsächlich manchmal geneigt sind, den einfachen Weg zu gehen.“

 

2. "Im Schatten der Angst“, inszeniert von Till Endemann, geschrieben von Rebekka Reuber und Marie-Therese Till, produziert von der Münchner Tivoli Film und der Mona Film, redaktionell begleitet von Solveig Cornelisen vom ZDF und von Nina Fehrmann-Trautz vom ORF.

Begründung: Auch der zweite Preisträger zeichnet sich aus durch ein phantastisches Darsteller-Duo. "Im Schatten der Angst“ liefern sich Julia Koschitz und Justus von Donanyi in immer neuen Konstellationen ein atemberaubendes Katz und Maus Spiel, beflügelt von den hervorragenden Dialogen der Autorinnen Rebekka Reuber und Marie-Therese Till, deren Langfilm-Debut dies ist. Und das muss man ja auch erst mal riskieren, einen solchen Stoff mit allen Gefahren, im Treibsand des gefällig Epigonalen, rein Zitathaften unterzugehen, zwei eher unerfahrenen Autorinnen anzuvertrauen. Da braucht es viel Vertrauen von Regie, Produktion und eben auch einer Redaktion, die hier nicht auf Nummer Sicher geht, sondern ins künstlerische Risiko.

Solveig Cornelisen: „Ich bin jetzt seit vier Jahren in der Redaktion des ZDF und das erste Mal mit einem Film in Ludwigshafen auf dem Festival. Man muss sagen, dass ein Preis für eine Redaktion unglaublich selten ist. Wenn man so ein Projekt entwickelt, braucht man ein Team. Das war wunderbar. Aber das tollste hier war die Publikumsreaktion. Dafür machen wir Filme, gerade im Fernsehen.

 

Das 16. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein findet von Mittwoch, 26. August 2020 bis Sonntag, 13. September 2020 statt.

www.festival-des-deutschen-films.de



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Ausgabe
August / September 2019

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