Technologie und Medienrealisation in Film und Video
news | Veranstaltungen    11.02.2020

Filmfestivals in Baden-Württemberg gründen gemeinsames Netzwerk

Um den Austausch sowie die gemeinsame Kommunikation nach außen zu verstärken wurde in Anlehnung an die bundesweite Initiative "AG Filmfestivals" ein regionales Pendant ins Leben gerufen.

Die Film- und Medienfestival gGmbH ist Mitinitiator des Netzwerks - Quelle: ITFS

Die Film- und Medienfestival gGmbH ist Mitinitiator des Netzwerks - Quelle: ITFS

 

Im Rahmen der Filmkonzeption III des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg hatten sich Mitte 2019 Vertreter*innen der baden-württembergischen Filmfestivals zum ersten Mal getroffen, um ihre Konzepte, Fragen und Rahmenbedingungen zu diskutieren. Dabei habe sich gezeigt, dass die räumlichen, personellen und finanziellen Bedingungen der Filmfestivals in Baden-Württemberg häufig schwierig sind und den zunehmenden Aufgaben und Funktionen längst nicht mehr gerecht würden. Infolge dieser gemeinsamen Erkenntnis kam es am 16. Januar 2020 zum ersten Vernetzungstreffen in Stuttgart.

In Anlehnung an die bundesweite Initiative AG Filmfestivals, die sich bereits im Sommer 2019 konstituierte, waren sich die teilnehmenden Festivalorganisator*innen darüber einig, ein regionales Pendant ins Leben zu rufen, um den Austausch untereinander sowie die gemeinsame Kommunikation nach außen als ‘Verbund‘ baden-württembergischer Filmfestivals zu verstärken. Die Festivalvertreter*innen soltlen zunächst ohne Rechtsform zwei- bis dreimal jährlich zusammenkommen.

Inhaltlich stünden Fragen wie die Vermittlung von Medienkompetenz, Filmvermittlung als Kulturgut, die Pflege des filmhistorischen Erbes, Digitalisierung und technologische Entwicklung sowie die Zukunft des Kinos als Abspielort im Mittelpunkt der Festivalarbeit. Ergänzend gehe es um Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität und Inklusion. Studien hätten gezeigt, dass Filmfestivals auch ein Publikum erreichten, das weder oder nicht mehr in Kinos geht noch kontinuierlich lineares Fernsehen schaut (www.filmfestival-studien.de).

Zugleich habe sich die Rolle von Filmfestivals in der Auswertungskette von Filmen in den vergangenen Jahren auch in Baden-Württemberg drastisch verändert und stelle die Veranstalter*innen im Südwesten vor immer größere finanzielle Herausforderungen. Das Abspielen der Filme im Rahmen eines Festivalprogramms werde von Filmverleihern, Weltvertrieben und Produzent*innen nicht mehr nur als Marketingmaßnahme gesehen, sondern als Teil der Auswertungskette und der Refinanzierung der Produktionskosten. Dotierte Filmpreise, die viele Festivals verleihen, steigerten zudem die Wahrnehmung eines Films und dienten hierbei als Qualitätssiegel. Weiterhin würden umfangreiche Aktivitäten in den sozialen Medien nicht nur erwartet, sondern seien als Kommunikations- und Marketinginstrumente unabdingbar. Gleichzeitig seien stete Anpassungen im Bereich des Datenschutzes notwendig. Dieser zusätzliche personelle und finanzielle Aufwand sprenge allerdings das Budget der meisten Festivals. Die Fördergelder müssten daher nach Auffassung der Festivalveranstalter*innen dringend den aktuellen Entwicklungen angepasst werden.

Die Festivalmacher*innen betonen, dass mit der Zunahme von Streamingdiensten zusätzlich zu Kino, Fernsehen und klassischen Filmdatenträgern und der damit einhergehenden starken Veränderung des Konsumverhaltens des Publikums Filmfestivals auch die Aufgabe zukomme, Kino als sozialen Ort, Erlebnisraum und kulturelle Institution lebendig und attraktiv zu halten. Filmfestivals stärkten und stützten in einem erheblichen und steigenden Maß den Erhalt der Kinolandschaft.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit des Filmfestivalnetzwerks BW seien – eng abgestimmt mit der bundesweiten AG Filmfestivals – der Informations- und Wissensaustausch, eine gemeinsame Jobbörse sowie Fragen in den Bereichen der Festivalorganisation, Technik, Nachhaltigkeit, die Generierung von Synergieeffekten sowie die Formulierung eines gemeinsamen Code of Ethics.

Darüber hinaus ginge es um die Verstärkung der Wahrnehmung und Sichtbarkeit als Verbund und der einzelnen Filmfestivals mit ihren unterschiedlichen Profilen, die Formulierung gemeinsamer Forderungen und Ziele im politischen Raum und die Vernetzung mit anderen Verbänden und Institutionen.

 

Liste der z. Zt. teilnehmenden Festivals:

Biberacher Filmfestspiele, dokka - Dokumentarfilmfestival Karlsruhe, Fernsehfilmfestival Baden-Baden, Film- und Medienfestival gGmbH (Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart, Raumwelten Ludwigsburg), Filmboard Karlsruhe e.V. (Independent Days | Internationale Filmfestspiele Karlsruhe), Filmbüro Baden-Württemberg e.V. (Filmschau Baden-Württemberg, Indisches Filmfestival), Französische Filmtage Tübingen | Stuttgart, Girls Go Movie Mannheim, Internationales Filmfest Mannheim-Heidelberg, NaturVision Filmfestival Ludwigsburg, Spotlight Festival für Bewegtbildkommunikation Stuttgart, Stuttgarter Filmwinter - Festival for Expanded Media.

 



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