Technologie und Medienrealisation in Film und Video
news | verbände    24.03.2020

Tarifvertragsnovum mit Kurzarbeitregelung u. KuG-Aufstockung für alle Akteure am Filmset

Bundesverband Schauspiel (BFFS), ver.di und Produzentenallianz haben sich angesichts der Corona erstmalig auf einen Kurzarbeits-Tarifvertrag geeinigt, der eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Schauspieler und Filmschaffende am Filmset vorsieht.

Appell-Post von Schauspielerin Andrea Sawatzki

 

 

Stellungnahme des BFFS:  Eine Premiere am Filmset

Blitzschnelle Einigung am virtuellen Verhandlungstisch: Als Reaktion auf die Corona-Krise haben sich der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) mit der Produzentenallianz am 24. März 2020 auf einen Tarifvertrag verständigt, der Kurzarbeit ermöglicht. Darin enthalten ist auch eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Schauspieler*innen auf die vereinbarten Drehtagsgagen und für Filmschaffende auf die Tarifgagen, wenn Filmdrehs wegen der Corona-Krise unterbrochen oder abgesagt werden. Erstmals gibt es damit einen Tarifvertrag, der Kurzarbeit mit einer Aufstockungsregel für Schauspieler*innen und auf Produktionsdauer beschäftigte Filmschaffende festlegt.

Es ist schön zu wissen, dass man sich in echten Krisenzeiten aufeinander verlassen kann. Die Produzenten sind von der Corona-Pandemie ebenso existenziell betroffen wie wir Schauspieler*innen und die anderen Filmschaffenden. Wir alle brauchen jetzt in der Not finanzielle Unterstützung. Gut, dass wir uns über die staatliche Hilfe hinaus auch gegenseitig unter die Arme greifen”, freut sich BFFS-Vorstandsmitglied Heinrich Schafmeister und ergänzt: „Das nenne ich eine echte Partnerschaft – in guten wie in schlechten Zeiten!“

Der erreichte Kurzarbeits-Tarifvertrag im Detail:

Die tarifgebundenen Produktionsfirmen verpflichten sich Schauspieler*innen das Kurzarbeitergeld auf die individuell vereinbarten Drehtagsgagen, höchstens jedoch auf 90 Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze aufzustocken. Abweichend davon sind für die auf Produktionsdauer beschäftigten Filmschaffenden die Tarifgagen entscheidend, höchstens jedoch die einschlägige Beitragsbemessungsgrenze.

Die Tarifregelungen gelten zwingend für alle Kurzarbeitsmaßnahmen an Filmsets bei tarifgebundenen Produktionen direkt nach Unterzeichnung des Tarifvertrags ab dem 25.  März 2020. Sie sind frühestens kündbar zum 30. Juni 2020. Vorher vereinbarte Kurzarbeit ab dem 1. März 2020 kann nur mit Einverständnis der Produktionsunternehmen unter die Regeln des Tarifvertrags fallen und damit verbessert werden.

In dieser wirtschaftlich schwierigen Situation bietet der neue Kurzarbeits-Tarifvertrag allen Verhandlungspartnern wertvolle Planungssicherheit.

 

 

Stellungnahme der Produzentenallianz zur  Einigung bei den Tarifverhandlungen erstmalig auf ein Kurzarbeits-Tarifvertrag für Filmproduktionen und Filmproduktionsunternehmen.

Im Rahmen kurzfristig angesetzter und natürlich virtuell stattgefundener Tarifverhandlungen zwischen der Produzentenallianz auf Arbeitgeberseite und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie dem Bundesverband Schauspiel Bühne, Film, Fernsehen, Sprache (BFFS) über einen branchenbezogenen Kurzarbeits-Tarifvertrag für Filmproduktionen und Filmproduktionsunternehmen konnte am 24. März eine Einigung erzielt werden. Somit ist erstmals die Anordnung von Kurzarbeit sowie die Aufstockung des Kurzarbeitsgeldes auf die Tarifgage für auf Produktionsdauer beschäftigte Filmschaffende tariflich geregelt. Die Corona-Pandemie, die sich inzwischen erheblich auf den Betrieb der Film- und Fernsehproduktionswirtschaft in Deutschland auswirkt, hatte die in der vergangenen Woche begonnenen Gespräche notwendig gemacht. 

Für die Produzentenallianz waren der Vorstandvorsitzende Alexander Thies, und der Geschäftsführer Dr. Christoph Palmer Verhandlungsführer. Beide zeigen sich in Anbetracht der Ausnahmesituation mit dem Ergebnis zufrieden:

„Angesichts einer beispiellosen, existenziellen Krise der Film- und Fernsehwirtschaft in unserem Land, ist die konstruktive Einigung der Tarifpartner, vor allem innerhalb eines so kurzen Zeitraumes, bemerkenswert. Wir möchten daher ausdrücklich die konstruktive und zügige Zusammenarbeit mit unseren Sozialpartnern ver.di und dem BFFS loben. Mit Blick auf die akute Krisenlage wurde hier mit großem Engagement an einer Lösung gearbeitet und einmal mehr Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt – gerade auch in extrem schwierigen Zeiten. Das schafft Vertrauen und Verlässlichkeit auch für künftige Tarifabschlüsse“, so Alexander Thies.

„Der Kurzarbeits-Tarifvertrag, den wir unter zeitlichem Hochdruck verhandelt haben, bringt die soziale Verantwortung der deutschen Produktionswirtschaft zum Ausdruck. Er ist wichtige Voraussetzung, um bedrohte Arbeitsplätze in der Produktionswirtschaft zu erhalten und bringt Verlässlichkeit in die Kurzarbeitsregelungen. Dessen Anwendung ist nun auch ohne individualvertragliche Regelung möglich und schafft einen Branchenstandard. Regelungen zur einvernehmlichen Fortsetzung des Vertrages, wenn wieder gedreht werden kann, geben zusätzliche Sicherheit. In der Gesamtschau können wir mit dem Ergebnis daher zufrieden sein“, so Christoph Palmer und ergänzt: „Die Produzentenallianz wird sich bei den Sendern und Förderern um die anteilige Übernahme der Mehrkosten verwenden.“

Thies und Palmer loben zugleich die Bereitschaft der Bundesregierung, die Sozialabgaben der Arbeitgeberseite im Falle von Kurzarbeit zu übernehmen. Dies erleichtere der Branche den Einstieg in die Kurzarbeit und sei ein wichtiges Signal zur Stabilisierung der Film- und Fernsehwirtschaft.

Der Vorstand der Produzentenallianz hat dem Tarifvertrag am 24. März zugestimmt*. Die Tarifregelungen gelten für tarifgebundenen Produktionen an Filmsets direkt nach Unterzeichnung des Tarifvertrags ab dem 25. März 2020.

Im Kurzarbeits-Tarifvertrag wurden die nachfolgenden zentralen Übereinkünfte getroffen:

- Der Tarifvertrag gilt ergänzend zum bestehenden Manteltarifvertrag

- Der Tarifvertrag regelt die Möglichkeit der Beantragung von Kurzarbeitergeld bei Produktionsunterbrechungen und Abbruch

- Der Tarifvertrag gibt Beschäftigungssicherheit während der Dauer der angeordneten Kurzarbeit

- Der Tarifvertrag beinhaltet eine Regelung zur Fortsetzung der Zusammenarbeit nach Beendigung der Kurzarbeit

- Der Tarifvertrag umfasst eine Aufstockung auf 100 Prozent der Tarifgage (nicht der tatsächlichen Gage) bei Stabmitgliedern, und 90 Prozent bei Schauspieler*innen

- Der Tarifvertrag kann rückwirkend auf den 1.3.2020 auf bereits vereinbarte Kurzarbeit Anwendung finden

- Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis 31.12.2020, Kündigungsmöglichkeit zum 30.6.2020 für beide Seiten mit 2 Wochen Frist möglich

 *An den Beratungen und Entscheidungen nehmen nach Tarif- und Satzungsrecht der Produzentenallianz die tarifgebundenen Vorstandsmitglieder teil.

Der vollständige Tarifvertrag unter www.produzentenallianz.de 

 



<< zurück

- Anzeige -

Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Mit der Anmeldung nehme ich folgende Informationen zur Kenntnis:

Ihre Angaben werden entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz verarbeitet, genutzt und insbesondere nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Wir erheben, verarbeiten und nutzen die von Ihnen angegebenen personenbezogenen Daten nur zum Zwecke der Zusendung unseres Newsletters. Sie können der Verarbeitung und Nutzung Ihrer E-Mail-Adresse im Newsletter jederzeit widersprechen und sich abmelden. Hierzu klicken Sie bitte in der E-Mail auf den entsprechend gekennzeichneten Link, Ihre Daten werden dann gelöscht.

Es gilt die Datenschutzerklärung (https://www.eubucoverlag.de/datenschutz/) der EuBuCo Verlag GmbH, die auch weitere Informationen über Möglichkeiten zur Berichtigung, Löschung und Sperrung Ihrer Daten beinhaltet.

Folgen Sie uns auf