Technologie und Medienrealisation in Film und Video
news | medien    04.08.2020

Schließung des IRT - Institut für Rundfunktechnik

Das Münchner IRT soll Ende des Jahres schließen, weil die 14 Sender-Gesellschafter sich zukünftig die Finanzierung einer unabhängigen Forschungseinrichtung für die Rundfunk- und Medientechnologie sparen wollen.

 

In einer Sondersitzung der IRT-Gesellschafterversammlung vergangene Woche habe man kein tragfähiges Modell für eine Fortführung des Instituts finden können: »Trotz intensivster Bemühungen war es nicht möglich, eine belastbare wirtschaftliche Zukunftsperspektive für das IRT zu erarbeiten«, wie das IRT jetzt mitteilte. Es werde nun ein Sozialplan für die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeitet.

Bereits im Dezember 2019 war aus ZDF-Kreisen von einem Rückzug aus dem gemeinsamen Unternehmen und einem Ausstieg aus dem Gesellschaftervertrag zum Jahresende 2020 die Rede. Zu den Beweggründen, so das ZDF, gehöre ein mangelnder Bedarf an rundfunkspezifischem Know-how wie ihn das IRT liefere.

Für die Kündigungen der anderen 13 Gesellschafter-Anstalten sei der Ausstieg des ZDF ausschlaggebend gewesen. Sie hätten sich nach eigenem Bekunden nicht im Stande gesehen, den vom ZDF bisher getragenen 14.4%-igen Finanzierungsanteil von rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr mit zu übernehmen.

Neben dem ZDF tragen die neun Landesrundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio und die Deutsche Welle sowie die öffentlich-rechtlichen Anstalten aus Österreich und der Schweiz, ORF und SRG die Aktivitäten des IRT: technische Forschung und Entwicklung, technische Weiterbildung und internationaler Austausch im Broadcast-Bereich.

Insgesamt haben im Geschäftsjahr 2019 die Gesellschafter 11,6 Millionen Euro zum Etat des IRT zugeschossen. Das Institut selbst hat über eigene Erträge rund fünf Millionen Euro etwa aus der Patentverwertung erwirtschaftet. Die ARD trägt 80,8 Prozent bei, das ZDF 14,4 Prozent, Deutschlandradio 3,2 Prozent, die SRG und der ORF jeweils 0,8 Prozent.

Das 1956 gegründete Institut forschte zur Weiterentwicklung von Medien- und Kommunikationstechnologien. Es gilt als eine der wichtigsten unabhängigen Forschungseinrichtungen für die Rundfunk- und Medientechnologie in Deutschland. Es war maßgeblich an der Entwicklung der MPEG-Technologie beteiligt, die unter anderem bei MP3-Playern zum Einsatz kommt. Auch an der Verbindung von Fernsehen und Internet und der Entwicklung des hybriden Fernsehstandards HbbTV war das Institut aktiv beteiligt. Seine Mitwirkung an der Entwicklung des Kompressionsverfahrens MPEG/MP3 brachte dem IRT im Jahr 2000 eine Emmy-Auszeichnung ein.

Rettungsversuche eines Teils der Gesellschafter, darunter der Bayerische Rundfunk (BR) als Sitzanstalt des Instituts, bemühten sich um eine Fortführung mit einem veränderten, reduzierten Aufgabenspektrum angesichts der großen Fachexpertise des IRT. Als Gesellschafter hat sich beispielsweise der BR sogar bereiterklärt, »überproportionale Lasten« in Kauf zu nehmen und die wirtschaftliche Aufstellung des Instituts anzupassen. Doch habe man damit unter den Gesellschaftern keine ausreichende Mehrheit finden können.

Dabei stehen ausgerechnet heute mehr als jemals zuvor öffentlich-rechtliche Rundfunkanbieter in Zeiten medialer Disruption und medientechnischen Wandels vor großen ja geradezu existentiellen Zukunftsherausforderungen.

Hier wäre folglich die Politik gefragt. Doch einzig der bayerische SPD Fraktionsvorsitzende Horst Arnold kritisierte die Entscheidung, das Institut zu schließen und beklagte, damit eine der renommiertesten öffentlich-rechtlichen Einrichtungen für Zukunftstechnologie in ganz Deutschland aufzugeben. Sein direkter Appell an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im März und Juli, eine Weiterführung des Instituts zu unterstützen, sei bisher unbeantwortet geblieben.

Angesichts der gerade im Freistaat öffentlich stets hochgehaltenen technischen Innovationsfreudigkeit und Zukunftsorientierung am Medien- und Technik-Standort erscheint die jetzige Untätigkeit, ja Gleichgültigkeit geradezu fahrlässig. (PP/rg)

www.irt.de



<< zurück

- Anzeige -

Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Mit der Anmeldung nehme ich folgende Informationen zur Kenntnis:

Ihre Angaben werden entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz verarbeitet, genutzt und insbesondere nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Wir erheben, verarbeiten und nutzen die von Ihnen angegebenen personenbezogenen Daten nur zum Zwecke der Zusendung unseres Newsletters. Sie können der Verarbeitung und Nutzung Ihrer E-Mail-Adresse im Newsletter jederzeit widersprechen und sich abmelden. Hierzu klicken Sie bitte in der E-Mail auf den entsprechend gekennzeichneten Link, Ihre Daten werden dann gelöscht.

Es gilt die Datenschutzerklärung (https://www.eubucoverlag.de/datenschutz/) der EuBuCo Verlag GmbH, die auch weitere Informationen über Möglichkeiten zur Berichtigung, Löschung und Sperrung Ihrer Daten beinhaltet.

Folgen Sie uns auf