Technologie und Medienrealisation in Film und Video
news | personalien    13.11.2020

Abschied von Kameramann Gernot Roll

Der Kameramann und Regisseur Gernot Roll ist am 12. November im Alter von 81 Jahren gestorben. Er wird als Bildgestalter von Werken wie u.a. Edgar Reitz' »Heimat« und Helmut Dietls »Rossini« unvergessliche Bilder hinterlassen.

DoP Gernot Roll beim Dreh von "Buddenbrooks" © romain geib

Gernot Roll, als kongenialer Bildgestalter von Heinrich Breloer ©romain geib

Kameramann Gernot Roll © Stefan Falke/Bavaria Pictures

 

Gernot Roll war einer der namhaften deutschen Kameramänner der letzten Jahrzehnte - verantwortlich für die Bildgestaltung bei vielen Kinofilmen, TV-Literaturverfilmungen und TV-Filmen.

Er wurde 1939 in Dresden geboren und Mitte der 50er Jahre in Potsdam-Babelsberg bei der DEFA ausgebildet. 1960 siedelte er ein Jahr vor dem Mauerbau in die Bundesrepublik über und arbeitete ab 1961 in den Studios der Bavaria Atelier in Geiselgasteig und war dort ab 1964 als Kameramann bei zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen tätig. Sein Spielfimdebüt als Kameramann im Swinging München gab Roll mit »Jet Generation« (1968) von Eckhard Schmidt und »Hau drauf, Kleiner« (1973) vom Regieduo May Spils / Werner Enke. Es folgten serienmäßig Produktionen für das Fernsehen, wie »Graf Yoster gibt sich die Ehre« (1968-74) und die Zirkus-Serie »Salto Mortale« (1971-74), sowie zahlreiche weitere Bavaria-Produktionen für die Regisseure Franz-Peter Wirth, Wolfgang Staudte, Hajo Gies, Michael Braun und Wolfgang Becker, darunter auch manche Folgen der ARD Reihe »Tatort«.

Mehr als 120 Kinofilme, Fernsehfilme und Serien zählt seine von außerordentlicher Vielseitigkeit geprägte Filmografie als DoP und Regisseur. 

Zu den wichtigsten Werken in seiner Kameralaufbahn gehören Meisterwerke wie Edgar Reitz´ international gefeierte epische Trilogie »Heimat« (1976-78), »Die Zweite Heimat«(1988-92), »Die andere Heimat« (2011-13) ebenso wie die Bildgestaltung des deutschen Oscar-Gewinners »Nirgendwo in Afrika« (2001) von Caroline Link.

Mit der Kino-Adaption von Thomas Manns »Buddenbrooks« (2007), dem dreiteiligen TV-Dokudrama »Die Manns – Ein Jahrhundertroman« (2001), den Filmbiografien »Speer und Er« und »Brecht« entwickelte er als Bildgestalter eine kongeniale Zusammenarbeit mit Heinrich Breloer.

Zu einer Art eigenem Markenzeichen wurde die ihm ganz eigene Lichtführung, die etwa die Innenszenen (natürliches stimmungsvoll-warmes Unterlicht) seiner großen Historienproduktionen prägte, wie die mehrteilige Franz Schubert TV-Biografie »Mit meinen heißen Tränen« (1985, R: Fritz Lehner), Axel Cortis »Welcome in Vienna« (1985), »Die Hure des Königs« (1990) und »Radetzkymarsch« (1994), sowie »Kaspar Hauser« (1992) von Peter Sehr, »Wildfeuer« (1991) und »Henri IV« (2008) von Jo Baier.

Aber auch populären Publikumsfilmen war Roll nicht abgeneigt, wie Sönke Wortmanns Komödie »Der bewegte Mann« (1994), Helmut Dietls Gesellschaftssatiren »Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief« (1997) und »Late Show« sowie Bernd Eichingers eigene Regiearbeiten »Das Mädchen Rosemarie« (1996) und »Der große Bagarozy« (1999).

Daneben war Gernot Roll als Regisseur für Produzent Bernd Eichinger erfolgreich, vor allem mit leichter Unterhaltung wie »Ballermann 6« (1997), »Männersache« (2009) oder »Werner – Eiskalt!« (2011), doch auch mit der skurrilen Neuverfilmung von Otfried Preußlers »Der Räuber Hotzenplotz« (2006).

2014 wurde Gernot Roll für sein Lebenswerk mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet. Zu seinen weiteren Auszeichnungen zählen mehrere Adolf-Grimme-Preise, der Deutsche Kamerapreis (Ehrenpreis für das Lebenswerk) und der Deutsche Filmpreis (Beste Kamera), der ihm dreimal verliehen wurde.     (PP/r.g.)

 

 



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