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news | veranstaltungen    23.08.2019

2. moving history Festival des historischen Films in Potsdam

Zum zweiten Mal findet vom 25. – 29.09.19 in Potsdam das moving history – Festival des historischen Films statt. Gezeigt werden Filme zum diesjährigen Schwerpunktthema "Als wir träumten. Revolution, Mauerfall, Nachwendezeit".

Aus Anlass des 30. Jahrestags ist die aktuelle Ausgabe des Festivals den Ereignissen von 1989 gewidmet. Das Schwerpunktprogramm zeigt 30 Filme, die im Zeitraum von 1989 bis 2019 entstanden sind. Regisseur*innen, Autor*innen, Schauspieler*innen und / oder Expert*innen präsentieren die Filme und stehen für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung. 

Die Programm-Kurator*innen sind Ilka Brombach und Chris Wahl.

Nachfolgend, Informationen zur Filmauswahl für das Schwerpunktthema: „Als wir träumten. Revolution, Mauerfall, Nachwendezeit“:

Zu den ersten Dokumentationen gehören: 10 TAGE IM OKTOBER (Thomas Frick, 1989), ein Film von Studenten der Babelsberger Filmhochschule (HFF), die die Demonstrationen in Berlin am 7./8. Oktober 89 sowie die Aktionen in der Gethsemanekirche dokumentieren; LEIPZIG IM HERBST (Gerd Kroske, 1989) über die berühmte Montagsdemo am 9. Oktober und KEHRAUS (1990), ein zweiter Film von Gerd Kroske, für den er wenige Monate später nach Leipzig zurückkehrte. Etwa zur selben Zeit, ab Frühjahr 1990, drehte auch Sibylle Schönemann ihren Film VERRIEGELTE ZEIT. Sie war 1984 von der Stasi inhaftiert und dann vom Westen freigekauft worden. Mit ihrem Filmteam suchte sie die Orte und Menschen im Zusammenhang ihrer Haft auf. Kurz zuvor begannen auch die Dreharbeiten zu STRENG VERTRAULICH - ODER DIE INNERE VERFASSUNG (1990), in dem Ralf Marschalleck den Prozess der Auflösung des MfS direkt nach der Erstürmung der Zentrale in der Berliner Normannenstraße festgehalten hat. SPERRMÜLL (Helke Misselwitz, 1990) und IM DURCHGANG – PROTOKOLL FÜR DAS GEDÄCHTNIS (Kurt Tetzlaff, 1990) begleiten Jugendliche durch die Zeit von Sommer 1989 bis Frühjahr 1990. Und schließlich NOVEMBER DAYS (1990): der deutsch-französische Filmemacher Marcel Ophüls führt ein Jahr nach dem Mauerfall mit einigen der damals im Fernsehen gezeigten Menschen Gespräche, von der Frau auf der Straße bis hin zum ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz.

Schon ab 1990 entstehen die ersten Spielfilme. DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER (1990), der trashige Horrorfilm über die Wiedervereinigung von Christoph Schlingensief macht diesen als Regisseur bekannt. Zum absoluten Publikumserfolg wird GO TRABI GO (Peter Timm): der zweiterfolgreichste deutsche Kinospielfilm des Jahres 1991. Pia Frankenbergs NIE WIEDER SCHLAFEN (1992) hingegen, ein poetischer Wendefilm aus weiblicher Perspektive, hat erst in diesem Jahr durch seine Wiederentdeckung auf der Berlinale gebührenden Zuspruch erfahren. 1994 entwarf Margarethe von Trotta in DAS VERSPRECHEN einen großen historischen Bogen – mit einer Erzählung, die in der Zeit des Mauerbaus beginnt und 1989 auf der Bornholmer Brücke glücklich endet. Der Debutfilm des HFF-Absolventen Andreas Dresen STILLES LAND (1992) beschreibt Revolution und Wendezeit abseits der großen Ereignisse an einem kleinen Theater in der ostdeutschen Provinz.

Spätestens Ende der 1990er Jahre verdichten sich die Interpretationen, vor allem in der begleitenden filmkritischen Debatte: Die Komödien über die DDR und ihr Ende geraten unter Ostalgie-Verdacht. Ihr Erfolg beim ostdeutschen Publikum wird einer vermeintlichen nostalgischen Verklärung der DDR-Zeit zugeschrieben. GOOD BYE, LENIN! (Wolfgang Becker, 2003) wird zum Paradebeispiel für diesen Diskurs.

Daneben entstanden zu Beginn der 2000er-Jahre Filme, in denen Themen wie Republikflucht und Staatssicherheit in den Mittelpunkt rückten und das Ende der DDR als Erlösung und Happy End erschien: DER STICH DES SKORPION (Stephan Wagner, 2004), basierend auf der Autobiografie von Wolfgang Welsch, über einen ehemaligen Fluchthelfer, der von der Stasi im Westen verfolgt wurde. Ein Fundstück auch: AUS LIEBE ZUM VOLK (2004) des israelischen Regisseurs Eyal Sivan und der französischen Editorin Audrey Maurion. Der Film arbeitet mit zum Teil völlig unbekanntem Footage – Verhör- und Schulungsfilme der Stasi aus den Archiven der BStU – und unterlegt diese Bilder mit dem von Axel Prahl eingesprochenen Bericht eines MfS-Offiziers, der Anfang 1990 entstanden ist.

Gegen das zum Teil wenig realistische und negative DDR-Bild, das einige Filme der 2000er Jahre entworfen haben, wurden dann wieder andere Stimmen laut. Man forderte differenziertere Filmerzählungen aus ostdeutscher Perspektive, und es scheint, dass das Kino im Jahr 2018 hier seine vorerst überzeugendste Antwort gefunden hat: Andreas Dresens GUNDERMANN (nominiert für die CLIO 2019) über den unangepassten Sänger, der gleichwohl informeller Stasi-Mitarbeiter war. Auch die Filme von Christian Schwochow entwerfen eine solch differenzierte Sicht. Mit BORNHOLMER STRASSE (2014), seinem Film über den Mauerfall, lässt er sogar noch einmal das Genre der (DDR-)Komödie wiederaufleben.

Zu den Filmen meist westdeutscher Regisseur*innen, die sich mit der wirtschaftlichen Transformation Ostdeutschlands beschäftigen gehören: DIE VERFLECHTUNG (Dominik Graf, 1993), DER BROCKEN (Vadium Glowna, 1993), LICHTER AUS DEM HINTERGRUND (Helga Reidemeister, 1998), BERLIN BABYLON (2001, Hubertus Siegert) und GOLDRAUSCH – DIE GESCHICHTE DER TREUHAND (2012). Auch MITGIFT (Roland Blum, 2014) sucht sein Thema jenseits der Fronten – eine Langzeitstudie über Umweltprobleme in der DDR und die Rolle ostdeutscher Ökoaktivisten 1989 und danach.

Burhan Qurbanis Film WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK erzählt aus zwei absolut gegensätzlichen Perspektiven eindrucksvoll von den rassistischen Übergriffen auf das Wohnheim ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Qurbanis Film ist von 2014; die Gegenwart gibt leider Anlass, auf die frühen 1990er-Jahre zurückzuschauen.

moving history ist eine Veranstaltung des moving history – Festival des historischen Films Potsdam e.V. in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Partner sind das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und das Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM).

Die Festivalkinos sind das Filmmuseum Potsdam und das Thalia Programmkino Potsdam.

Das ausführliche Film-Programm unter: www.moving-history.de/programm 

Alle weiteren Informationen zu moving history finden Sie unter: www.moving-history.de  



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Ausgabe
August / September 2019

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