Technologie und Medienrealisation in Film und Video
news | veranstaltungen    30.10.2019

Festival cinefest / Filmhistorischer Kongreß in Hamburg

Zahlreiche filmhistorische Vorträge und Vorführungen bietet wieder das cinefest - XVI. Internationales Festival des deutschen Film-Erbes (16.–24. November) und der damit verbundene 32. Internationale Filmhistorische Kongress (21.-23. November) in Hamburg.

 

Die Doppelveranstaltung steht unter dem Motto:

"Dr. Seltsam oder: Aus den Wolken kommt das Glück - Film zwischen Polit-Komödie und Gesellschafts-Satire"

Mit dem Thema Film im Kraftfeld zwischen Politik, Kritik und Komik beschäftigt sich  auch das das XVI. cinefest Festival. Zu erkunden ist hier die Spannweite eines unterhaltsamen Genres und die fließenden Grenzen zu Lustspiel und ernsthafter Auseinandersetzung. 

Was darf die Satire?“ fragte Kurt Tucholsky und kam zu dem Ergebnis „Alles!“. Eine pauschale und provokative Antwort, die in der Filmgeschichte nicht immer galt. Dass diese Frage im Medium Film immer wieder gesellschaftlich und politisch verhandelt wurde, zeigen die Vorträge des 32. Internationalen Filmhistorischen Kongresses :

"Keine Angst vor Autoritäten" bewies eimnst der Autor des mehrfach verfilmten Romans "Der Maulkorb", Heinrich Spoerl. Michael Töteberg untersucht Satire im Nationalsozialismus anhand des Falls Heinrich Spoerl. 

Ebenfalls auf einer Literaturvorlage – diesmal von Heinrich Mann (1918) – basiert Wolfgang Staudtes "Der Untertan" – eine Satire auf den Mief des Kleinbürgertums der Wilhelminischen Ära. 

Karl Griep stellt eine "Vergleichende Betrachtung von Satire im Medienübergang" anhand von Roman und Film an. Theo Lingen zeigt in "Hin und her" (AT 1947) als Peter Vogel Einfallsreichtum im Kampf gegen die Bürokratie. 

Heike Klapdor spricht über "Den Künstler und die Lächerlichkeit der Autoritäten" in dem kaum bekannten Nachkriegsfilm mit und von Theo Lingen.

Dem Verhältnis von Politik, Film und Satire in den 1950er Jahren geht Sandra Nuy in ihrem Vortrag "Wer Sorgen hat, hat auch Likör" nach. 

Mit welchen Metaphern und Sinnbildern der Kalte Krieg Einzug in satirischen Filmen und Wochenschauen fand, wird von Sigrun Lehnert untersucht.

In der DDR polemisierten die Stacheltier-Kurzfilme gegen NATO und BRD oder boten durch (sanfte) Kritik an Missständen ein Ventil. F. B. Habel beschäftigt sich mit der Kurzfilm-Serie der DEFA und deren Bemühungen um das Lachen im Kino der 1950er Jahre. 

Dass im Sozialismus nicht alles geduldet wurde, zeigt Tereza Dvořáková anhand von satirischen Studentenfilmen der FAMU aus den 1970er und 1980er Jahren.

Einen selbstreflexiven Blick auf das Medium Film wirft das Panel zur Mediensatire. Werner Barg betrachtet "Medienkritik als politische Satire in BEING THERE (Hal Ashby, 1979) und WAG THE DOG (Barry Levinson, 1997)", während sich Markus Kuhn mit "Robert Altmans THE PLAYER als satirische Abrechnung mit der Filmindustrie" beschäftigt.
Im Filmgeschäft ist die sprachliche Transformation ein wichtiger Faktor für die internationale Vermarktung. Insbesondere in der Satire ist der Sprachwitz elementarer Bestandteil. 

Der Herausforderung, diesen auch in Synchronfassungen zu erhalten, stellte sich Stanley Kubrick bei der Produktion von seiner Kalte-Kriegs-Satire DR. STRANGELOVE: HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB (GB/US 1964). Nils Daniel Peiler untersucht Kubricks akribische Verfahrensweise anhand der deutschen Synchronfassung DR. SELTSAM ODER: WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN. Dass in ANIMAL FARM (GB 1951-54, John Halas, Joy Batchelor) viel mehr steckt als eine Animation in Technicolor, ist hinlänglich bekannt. 

Was auf den ersten Blick als "harmloser" Kinderfilm daherkommen mag, war politisch hoch brisant; Julian Petley spricht darüber, inwieweit die CIA in die Anti-Kommunismus-Satire involviert war.
Die politische und gesellschaftliche Situation hat sich seitdem stark verändert. 

Der Frage "Wie funktioniert Satire heute?" widmen sich die beiden abschließenden Vorträge: François Danckaert hinterfragt David Wnendts ER IST WIEDER DA (2015) als "Trendiger Hitler-Ulk oder politischer Weckruf?" und Judith Ellenbürger stellt mit Simmel und Diogenes einen Versuch über "Zynismus in der Finanzsatire" vor.

Panels

PANEL1 / KEINE ANGST VOR AUTORITÄTEN

Michael Töteberg, Hamburg: Ein Maulkorb für den Führer. Satire im »Dritten Reich«: Der Fall Heinrich Spoerl 

Karl Griep, Berlin: Der Untertan – Roman und Film. Vergleichende Betrachtung von Satire im Medienübergang 
Heike Klapdor, Berlin: »Mein Schicksal ist romantisch«. Der Künstler und die Lächerlichkeit der Autoritäten. HIN UND HER (AT 1947)

PANEL 2 / WIRTSCHAFTSWUNDER UND KALTER KRIEG

Sandra Nuy, Siegen: »Wer Sorgen hat, hat auch Likör«. Zum Verhältnis von Politik, Film und Satire in den 1950er Jahren

Sigrun Lehnert, Hamburg: Genosse Münchhausen, Der Augenzeuge und der Kalte Krieg

PANEL 3 / SATIRE IM REALEN SOZIALISMUS 

F. B. Habel, Berlin: Positive Satire und die gegen den Klassenfeind – Die Bemühungen der DEFA-Kurzfilmreihe »Das Stacheltier« um das Lachen im Kino der 1950er Jahre
Tereza Dvořáková, Prag: Satire verboten! Satirische Studentenfilme der FAMU aus den 1970er und 1980er Jahren

PANEL 4 / MEDIENSATIRE

Werner Barg, Halle: »Ich hab’s im Fernsehen gesehen« – Medienkritik als politische Satire in BEING THERE (Hal Ashby, 1979) und WAG THE DOG (Barry Levinson, 1997) 
Markus Kuhn, Kiel: »In Hollywood, it’s not who you know, it’s who you kill.« Robert Altmans THE PLAYER als satirische Abrechnung mit der Filmindustrie

PANEL 5 / SATIRE MASKIERT

Nils Daniel Peiler, Frankfurt/Main: Dr. Merkwürdigliebe oder: Wie Stanley Kubrick lernte, die Synchronisation zu lieben

Julian Petley, London: Animal Farm Subverted: Orwell and the CIA

PANEL 6 / SATIRE HEUTE

François Danckaert, Straßbourg/Mulhouse: Trendiger Hitler-Ulk oder politischer Weckruf? Bemerkungen zu David Wnendts ER IST WIEDER DA (2015)

Judith Ellenbürger, Hamburg: Mit den eigenen Waffen – Zynismus in der Finanzsatire. Ein Versuch mit Simmel und Diogenes

 

 

16.–24. November 2019:

XVI. Internationales Festival des deutschen Film-Erbes

ORT: Kino Metropolis, Kleine Theaterstraße 10 (neben der Staatsoper), 20354 Hamburg

 

21.-23. November 2019: 

32. Internationaler Filmhistorischer Kongress
amburg

ORT: Gästehaus der Universität, Rothenbaumchaussee 34, Hamburg

 

Weitere Informationen zum Kongress hier
https://www.cinefest.de/daten/2019/Akkreditierung_cf19.pdf  

 



<< zurück

Ausgabe
Oktober / November 2019

Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Mit der Anmeldung nehme ich folgende Informationen zur Kenntnis:

Ihre Angaben werden entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz verarbeitet, genutzt und insbesondere nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Wir erheben, verarbeiten und nutzen die von Ihnen angegebenen personenbezogenen Daten nur zum Zwecke der Zusendung unseres Newsletters. Sie können der Verarbeitung und Nutzung Ihrer E-Mail-Adresse im Newsletter jederzeit widersprechen und sich abmelden. Hierzu klicken Sie bitte in der E-Mail auf den entsprechend gekennzeichneten Link, Ihre Daten werden dann gelöscht.

Es gilt die Datenschutzerklärung (https://www.eubucoverlag.de/datenschutz/) der EuBuCo Verlag GmbH, die auch weitere Informationen über Möglichkeiten zur Berichtigung, Löschung und Sperrung Ihrer Daten beinhaltet.

Folgen Sie uns auf   



In der PP Oktober-November Ausgabe gibt’s
das zweite von drei Schneider-Kreuznach Advertorials.

Wer aufmerksam liest, kann die Fragen im Februar Gewinnspiel beantworten. Viel Glück!