Technologie und Medienrealisation in Film und Video
news | Veranstaltungen    07.05.2020

Das DOK.fest München @home 2020 ist eröffnet

Das DOK.fest München, das größte Dokumentar-Filmfestival Deutschlands, findet in seiner 35. Edition online statt. Am Mittwochabend eröffnete das Festival mit dem bewegenden Film THE EUPHORIA OF BEING.



Éva Fahidi in THE EUPHORIA OF BEING © DOK.fest München

Emese Cuhorka und Éva Fahidi in THE EUPHORIA OF BEING © DOK.fest München

Moderatorin Christina Wolf im Deutschen Theater © DOK.fest München

Daniel Sponsel bei der Online-Eröffnungsfeier © DOK.fest München

 

Das 35. DOK.fest München feierte Eröffnung: Moderatorin Christina Wolf und Festivalleiter Daniel Sponsel begrüßten wie in den vergangenen Jahren aus dem Deutschen Theater – die Zeremonie mit anwesenden und virtuell anwesenden Gästen fand aber aus bekannten Gründen in einem leeren Saal statt. Die Eröffnung wurde auf insgesamt knapp 1.100 Bildschirmen angesehen. Die Gesamtzahl der Gäste liegt aber höher, da man davon ausgehen kann, dass in vielen Wohnzimmern mehr als eine Person an der Eröffnung teilgenommen hat. Im Anschluss an die Zeremonie – die man hier nachträglich ansehen kann – sahen die Gäste den Eröffnungsfilm THE EUPHORIA OF BEING.

Dessen Protagonistin Éva Fahidi war 18 Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Sie überlebte als Einzige. Bewegt von ihrer Autobiografie "The Soul Of Things“ studierte die ungarische Choreographin und Regisseurin Réka Szabó mit Éva Fahidi und der Tänzerin Emese Cuhorka eine Tanzperformance ein. Szabó inszenierte auch den Film, der die monatelange Probenarbeit bis zur Premiere begleitete.

In einem bewegenden Videointerview sprach sie bei der Eröffnungsfeier über den Film. „Ich bin tief überzeugt, dass ich deshalb am Leben geblieben bin, weil ich unbedingt all meine Erfahrungen weitergeben will, vor allem an die Jugendlichen. Die Jugendlichen sind sehr offen und wollen unbedingt die Wahrheit wissen", sagte Éva Fahidi. „Man soll mich nicht bedauern, ich will nur erzählen, was geschehen ist." Auch die Regisseurin und Choreographin Réka Szabó war zugeschaltet: „Die Wahrheit über die Vergangenheit zu erzählen, das ist heute in Ungarn sehr wichtig. Aber es ist genauso wichtig für mich, wie Éva mit ihren Traumata umgeht. Sie hat einen analytischen Zugang, kennt alle Fakten und weiß alles über Auschwitz. Zugleich geht sie mit großer Empathie mit ihren Emotionen um. Wir sind begeistert, dass wir den Film jetzt in Deutschland zeigen können – ich fand das sehr wichtig."

THE EUPHORIA OF BEING ist noch bis zum 17. Mai unter www.dokfest-muenchen.de zu sehen. Am heutigen Donnerstag findet um 21 Uhr ein kostenfrei zugängliches Live-Filmgespräch mit Éva Fahidi und Réka Szabó statt. THE EUPHORIA OF BEING ist Teil der diesjährigen Themenreihe DOK.focus lasting memories. „Wir hatten schon im Herbst zahlreiche Einreichungen mit Filmen über Zeitzeugen des Nationalsozialismus und des Holocaust", so Festivalleiter Daniel Sponsel. „In diesen Filmen sprechen Regisseurinnen und Regisseure mit diesen Zeitzeugen, was wohl nicht mehr lange möglich sein wird. Die Reihe ist gerade jetzt, wenn sich die Befreiung der Konzentrationslager und das Kriegsende zum 75. Mal jähren, absolut zwingend. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass diese Reihe im Fokus steht."

Insgesamt präsentiert das DOK.fest München @home 121 Filme aus 42 Ländern. Wegen dieser Filme habe es sich gelohnt, das DOK.fest innerhalb der wenigen Wochen seit Ausbruch der Corona-Krise in ein Online-Festival zu verwandeln, sagte Daniel Sponsel bei der Eröffnung: „Das Wichtigste am Festival sind die Filme, und die haben wir. Diese Filme, die wir international kuratieren, gäbe es ja ansonsten in Deutschland nicht zu sehen. Die größte Aufgabe war dann, sich zu überlegen: Was macht ein Festival aus und wie können wir damit online gehen? Wir haben die Struktur des Festivals erhalten, mit allen Reihen, Wettbewerben und Q&As – letztere natürlich per Videoschalte. Wir haben aber festgestellt, dass wir auf diese Weise Filmgespräche führen können wie nie zuvor. An diesen können nämlich viel mehr Gesprächspartner.innen teilnehmen als beim regulären Festival: neben den Regisseur.innen und Produzent.innen auch die Protagonist.innen sowie Teammitglieder aus aller Welt."

Die Verantwortlichen der beiden wichtigsten Förderer zeigten sich erfreut über die Lösung, die in der aktuellen Situation für das Festival gefunden wurde. „Das DOK.fest findet statt und zwar innovativer als je zuvor: als erstes deutsches Online-Dokumentarfilmfestival mit ganz neuen Veranstaltungsformaten", sagte Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Digitales, in einer Videobotschaft. „Das Corona-Virus zwingt uns an vielen Stellen unseres Lebens zu Veränderungen. Manche können wir aber auch zu einem digitalen Fortschritt nutzen – das diesjährige DOK.fest München zeigt es uns auf wirklich beeindruckende Weise."

„Ich finde das Format DOK.fest @home sehr gut – es ist eine kreative Lösung für die aktuelle Situation", sagte Anton Biebl, der Kulturreferent der Landeshauptstadt München, bei der Eröffnung im Deutschen Theater. „Das Festivalteam hat die Online-Rechte für fast alle Dokumentarfilme bekommen, die auch für das reguläre Festival eingeplant waren. Die Zahl der Interviewpartner ist im Vergleich zu früheren Festivals sogar noch gestiegen. Und besonders freut mich, dass sich bei DOK.education doppelt so viele Schulklassen angemeldet haben. Mein Dank geht an Daniel Sponsel und sein Team, aber auch an alle Partner und Unterstützer."

Das DOK.fest München @home dauert bis zum 24. Mai. Alle Informationen unter www.dokfest-muenchen.de.

 

Die Gründung von FestDocsNetwork

Herausfordernde Zeiten meistert man am besten gemeinsam: Daher hat das DOK.fest München FestDocsNetwork initiiert, einen Verbund mit den Dokumentarfilmfestivals DocsBarcelona, MakeDox (Skopje, Nord-Mazedonien) und FIPADOC (Biarritz, Frankreich). Das gemeinsame Ziel ist, außergewöhnliche und kreative Dokumentarfilme zu unterstützen, zu fördern und einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die vier Festivals werden sich künftig in der Programmgestaltung unterstützen und ermöglichen, dass wichtige Branchenexpert.innen der jeweiligen Länder die anderen Festivals besuchen.

„Am wichtigsten ist uns, dass unsere Festivalfilme die Möglichkeit bekommen, weithin gesehen zu werden. Mit dem Zusammenschluss dieser vier Festivals bündeln wir unsere jeweiligen Stärken, unsere Expertise und Leidenschaft, um für die Filme die größtmögliche Reichweite zu schaffen. Gerade die aktuelle Krise zeigt, wie fundamental wichtig Zusammenarbeit ist“, sagen die Vertreter.innen von FestDocsNetwork.

Weitere Informationen zu dem neuen Verbund werden beim Festival DocsBarcelona (19. bis 31. Mai 2020) verkündet.



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